Die Individualität, die den Lehrern der Schlieremer Schulen in der Vergangenheit gewährt wurde, sei ab sofort nicht mehr erwünscht, schreibt CVP-Gemeinderätin Sarah Impusino in ihrer kleinen Anfrage. Sie wollte die Haltung des Stadtrates bezüglich Stefan Achermann in Erfahrung bringen.

Der beliebte Sekundarlehrer des Schulhauses Kalktarren hatte im November gekündigt, weil er seine private IT-Infrastruktur im Wert von rund 70 000 Franken hätte abmontieren müssen. Der Grund: Sanierungsarbeiten und Umsetzung des IT-Konzepts den Schulzimmern des Kalktarren. Impusino machte aus diesem Einzelfall eine Grundsatzdiskussion: Achermanns Name wird in ihrer kleinen Anfrage nicht erwähnt.

Konkret wollte Impusino wissen, auf welcher rechtlichen Grundlage die Schule Schlieren entschieden habe, keine individuellen Hilfsmittel von Lehrern mehr zuzulassen. Diese dürften massvoll genutzt werden, schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Dazu würden etwa Bücher, Lehrmittel und Anschauungsmaterialien gehören, sofern diese als Ergänzung zu den obligatorischen Lehrmitteln genutzt würden.

Weil sich über die Jahre ein ansehnliches Lager an privatem Material angehäuft habe, das von Lehrern zurückgelassen wurde, gab die Schulpflege die Weisung, privates Material nicht übermässig im Unterrichtszimmer zu lagern. Bezüglich der Computer findet die Stadt klare Worte: «Dass eine von der Schulinformatik unabhängige ICT-Infrastruktur für ganze Klassen auch aufgrund der Aufsichtspflicht nicht erwünscht ist, ist nicht neu», heisst es in der Antwort.

Gleiche Ausgangslage erforderlich

Die Schulpflege sei in der Pflicht, so der Stadtrat, die Gleichbehandlung der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten: «Nicht die unterschiedliche Quantität an ICT-Infrastruktur ist entscheidend. Vielmehr geht es darum, den Schülerinnen und Schülern bei Auf- oder Abstufungen in andere Klassen oder beim Übertritt in weiterführende Schulen die gleiche Ausgangslage auf der Basis der obligatorischen Lehrmittel zu ermöglichen.» Auch klärt die Stadt unmissverständlich die Besitzverhältnisse der Schulzimmer: «Diese gehören nicht einzelnen Lehrpersonen, sondern der gesamten Schule.»

Weiter wollte Impusino wissen, weshalb die Umsetzung auf die Zeit während des Schuljahres gelegt wurde. Der Stadtrat verwies darauf, dass die Umsetzung des ICT-Konzeptes von der Abteilung Liegenschaften geplant worden sei. Die Exekutive betont deren Entgegenkommen: Die Schulpflege habe die Verantwortlichen von der Liegenschaftsabteilung davon überzeugen können, die Arbeiten in den Sommer- statt in den Frühlingsferien umzusetzen.

Ob man sich bei der Schule bewusst sei, dass wegen dieser Umstellung wertvolles Wissen aus der Schule verschwinden könnte, wollte Impusino ebenfalls wissen. «Mit jedem Wechsel einer Lehrperson geht wertvolles Wissen verloren, mit jeder Neueinstellung kommt aber neues Wissen aus anderen Schulen», schreibt der Stadtrat.

In ihrem Vorstoss schreibt Impusino weiter, dass «einige initiative Lehrer» wegen der IT-Vorgaben kündigen würden. Dies entspreche nicht den Tatsachen, schreibt der Stadtrat. So habe nur ein Lehrer die Kündigung eingereicht. «Für die anderen Lehrpersonen bedeutet die neue Infrastruktur, gemeinsam den Lehrplan 21 schrittweise umsetzen zu können.»

An der Antwort des Stadtrates sei fachlich und formal nichts auszusetzen, sagt Impusino auf Anfrage. «Mehrere Passagen sagen jedoch nicht viel aus. Der Hauptteil besteht etwa aus allgemeinen Erläuterungen zu Unterrichtsmaterialien», sagt sie.

Zudem gehe aus der Antwort nicht ganz hervor, warum Achermann im November informiert wurde. «Zwar wurde allen Lehrpersonen mitgeteilt, dass Arbeiten anstünden und das ICT-Konzept umgesetzt werde. Doch dass Achermann seine Ausrüstung nicht wieder aufbauen darf, entschieden die Verantwortlichen erst im November vergangenen Jahres.» Warum dem so sei, erschliesse sich ihr noch immer nicht.

Nur ein Puzzleteil im Kampf

Auch dass wegen Lehrern, die ihr Material in der Schule zurücklassen, die Schulen darauf schauen, dass nicht allzu oft mit eigenen Materialien gearbeitet wird, findet Impusino suspekt. «Von einem solchen Problem habe ich noch nie gehört.»

Das Hauptproblem ortet Impusino jedoch beim Argument, dass Achermann nicht weitermachen könne wie bisher aufgrund der Gleichbehandlung von Schülern bei allfälligen Auf- oder Abstufungen. Sie relativiert: «Es ging auch in den vergangenen zehn Jahren irgendwie. Mir sind keine Probleme bekannt mit Schülerinnen und Schülern, die eine Klasse wiederholten oder in eine andere Schule wechselten», sagt Impusino.

Die Beantwortung dieser Anfrage ist nur ein Puzzleteil im Kampf der Eltern für Achermann. Sie überreichten der Stadt im November eine Petition und gelangten dieses Jahr mit einer Aufsichtsbeschwerde gegen die Schlieremer Schulpflege an den Bezirksrat.

«Die Stadtratsantwort auf meine kleine Anfrage ist die erste Reaktion, die wir vonseiten der Stadt erhalten haben. Wir werden sicher weiterkämpfen», sagt Impusino, die selber Mutter einer von Achermanns Schülerinnen ist. Nun gelte es jedoch erst mit den federführenden Eltern zusammenzusitzen und weitere Pläne zu schmieden.

Auch die Kinder gesellten sich zu ihren Eltern. Sie überreichten Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) im November auch eine Petition. Diese hatten rund 200 Schülerinnen und Schüler unterzeichnet.