Es handelt sich um eine unscheinbare Liegenschaft an der Rütistrasse in Schlieren. Per sofort mietet die Stadt 12 Wohnungen in diesem Haus und will darin Asylsuchende unterbringen. Befristet auf ein Jahr lässt sie sich dies knapp 260 000 Franken kosten. Von den 26 derzeit von der Stadt gemieteten Wohnungen für Asylsuchende fallen auf Januar 2017 deren 10 weg. Bis dann verfügt Schlieren also über insgesamt 38 Objekte, die für die Unterbringung von Asylsuchenden verwendet werden können.

Bald hat es in Schlieren jedoch noch mehr Platz: Voraussichtlich noch in diesem Sommer wird die neue Asylunterkunft an der Bernstrasse fertiggestellt werden. Sie bietet 58 Personen Unterschlupf. Sobald sie bezugsbereit ist, werden sämtliche Bewohner der Asylunterkunft an der Rietbachstrasse, es sind aktuell deren 28, dort einziehen. Wie der Stadtrat jüngst verkündete, soll dann nämlich das Gebäude renoviert werden. Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres sind diese Arbeiten erledigt, sie kosten die Stadt rund 210 000 Franken.

«Erfreuliches» Überangebot

Für die derzeit 127 Asylsuchenden, welche Schlieren aufgenommen hat, stehen zwischen Herbst und Januar also 38 Wohnungen sowie 86 Plätze in den beiden Asylunterkünften bereit. Ändert der Kanton die Aufnahmequote für Gemeinden nicht, sind dies zu viele.
Für Claude Chatelain, Abteilungsleiter Soziales, ist dies erfreulich. Denn: «Der Kanton kündigte auf Juni eine Überprüfung der Asylaufnahmequote der Gemeinden an», sagt er. Als Anfang Jahr diese Quote für Zürcher Gemeinden von 0,5 auf 0,7 pro 1000 Einwohner erhöht wurde, seien einige Gemeinden an ihre Grenzen gestossen, sagt er weiter. «Zwar erwarte ich nicht, dass der Kanton noch im Juni die Gemeinden dazu verpflichtet, mehr Flüchtlinge aufzunehmen», so Chatelain. Was im Herbst komme, wisse man jedoch noch nicht: «Gut möglich, dass dann eine Erhöhung erfolgt.»

Für den Fall, dass dies nicht geschieht: Was plant die Schlieremer Sozialabteilung dann mit den überschüssigen Plätzen und Wohnungen? «Wir haben uns auch über dieses Szenario Gedanken gemacht», so Chatelain. Er rechnet damit, dass dann zwischen kommendem Herbst und Januar rund zehn Wohnungen zu viel zur Verfügung stünden. «Allenfalls würden wir diese dann als Notwohnungen für Sozialhilfebezüger nutzen», sagt er. Würden sie zu diesem Zweck nicht gebraucht, dann sei grundsätzlich denkbar, dass man diese Wohnungen an andere Gemeinden als Übergangslösung vermiete, damit diese ihre Asylsuchenden darin vorübergehend unterbringen können.

Gegenseitige Unterstützung

Dass sich die Gemeinden bezüglich der Unterbringung ihrer Asylsuchenden unter die Arme greifen, geschieht hin und wieder. Nach der Quotenerhöhung Anfang Jahr gab Dietikon den zusätzlichen zehn Geroldswil zugeteilten Personen im ausgemusterten Sanitätsposten Oberdorf übergangsweise Unterschlupf. «Die von uns angemietete Wohnung war noch nicht bereit. Dietikon hat uns verdankenswerterweise aus der Patsche geholfen», so der Geroldswiler Gemeindeschreiber Beat Meier. Anstatt 24 Personen musste Geroldswil damals neu deren 34 beherbergen. Dass die Gemeinde im Herbst darauf zurückgreifen wird, Wohnungen in Schlieren zu mieten, glaubt Meier nicht. «Wir strecken unsere Fühler bei Hausbesitzern aus, die Wohnungen anbieten», sagt er. So sei man – falls der Kanton die Aufnahmequote im Herbst erhöhe – bereit, mehr Personen aufzunehmen.

Anders sieht es in Dietikon aus: Aktuell leben 32 der insgesamt rund 200 Asylsuchenden, welche die Stadt beherbergt, in der Zivilschutzanlage vis-à-vis dem Alterszentrum Ruggacker. «Wir sind tatsächlich auch an Unterbringungen in anderen Gemeinden interessiert», sagt der Dietiker Sozialvorstand Roger Bachmann (SVP). So werde die Zusammenarbeit der Gemeinden des Bezirks auch im Rahmen der Sozialvorständekonferenz regelmässig diskutiert.

Falls der Kanton die Aufnahmequote im Herbst erhöht, wird es für Dietikon eng: «Als kurzfristige Variante prüfen wir derzeit unter anderem eine befristete Containerlösung auf einer städtischen Parzelle. Parallel dazu wird als mittel- und langfristige Lösung über eine Erweiterung der Asylunterkunft an der Zürcherstrasse nachgedacht»», so Bachmann.