Dietikon

Stadt erstellt Altersstrategie – damit die älteren Semester nicht vergessen gehen

Beim Planen auch an die Betagten denken: etwa daran, dass man mit Rollator etwas länger hat beim Strassenseitenwechsel.

Beim Planen auch an die Betagten denken: etwa daran, dass man mit Rollator etwas länger hat beim Strassenseitenwechsel.

Die Stadt stärkt ihre Alterspolitik. Unter anderem soll eine neue Kommission dafür sorgen, dass die Seniorinnen und Senioren ein Ohr beim Stadtrat haben.

Sind die Grünphasen bei den Fussängerstreifen lange genug, auch für Menschen, die nicht mehr so gut sind zu Fuss? Finden Neurentner einfach Informationen darüber, wie sie nach der Pensionierung aktiv bleiben können? Gibt es im öffentlichen Raum genügend Sitzmöglichkeiten, die es auch älteren Menschen erlauben, sich dort aufzuhalten? Diesen und ähnlichen Fragen will die Stadt Dietikon künftig mehr Gewicht geben. Dafür hat sie nun eine Altersstrategie erstellt, die sicherstellen soll, dass die älteren Einwohnerinnen und Einwohner nicht mehr nur Nebengedanke bei aktuellen Planungen sind.

Nötig machten diesen Schritt zwei Entwicklungen. Einerseits wächst die Anzahl der über 65-Jährigen in Dietikon dank Bevölkerungszunahme und höherer Lebenserwartung stetig an. Andererseits wird diese Gruppe – und damit auch deren Bedürfnisse – diverser: Das Spektrum reicht von mental und körperlich topfitten Neurentnern bis zu Menschen, die rund um die Uhr betreut werden müssen.

Angebot muss bekannter werden

Damit nicht an den Betroffenen vorbeigeplant wird, hat die Stadt die relevanten Akteure von Anfang an miteinbezogen. An einem Workshop konnten Betagte selbst sagen, welche Themen ihnen unter den Nägeln brennen. In einer Arbeitsgruppe kamen zudem Vertreter von Regiospitex, Pro Senectute, Seniorenrat, Frauenverein, den Kirchen und dem Alters- und Gesundheitszentrum endlich einmal alle zusammen. Mit der Formulierung des bereits 2015 vorgestellten Altersleitbilds und der darauf fussenden Altersstrategie ist deren Arbeit aber noch nicht getan: Sie wurde mittlerweile zur vorberatenden Kommission des Stadtrates befördert, die ein Auge darauf haben soll, dass zumindest ein Teil der zahlreichen im Strategiepapier vorgesehenen Massnahmen auch umgesetzt wird.

Zu diesen gehören vor allem Bestrebungen, Informationen zugänglicher zu machen und verschiedene Organisationen im Altersbereich zusammenzubringen. Denn Angebote für ein aktives und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter gebe es eigentlich genug, sagt Finanzvorstand Rolf Schaeren, der auch der neuen Alterskommission vorsteht. Doch diese seien entweder nicht bekannt genug oder zu wenig aufeinander abgestimmt. So sollen etwa Stellen für individuelle Beratung wie auch für die Koordination aller Angebote und Dienstleistungen für ältere Menschen geschaffen werden. Auch von Börsen für den Freiwilligen- und Wohnungsmarkt oder einer höheren Präsenz auf der stätischen Website ist die Rede.

Ein Begegnungscafé fehlt

Während die Stadt auf politischer Ebene besonders der Dauerbrenner Pflegekosten und aktuell die Fragen rund um das neue Pflegezentrum am Spital Limmattal beschäftigen, drücke der Schuh im Altersbereich zudem bei zahlreichen «weichen Faktoren», so Schaeren. Vieles drehe sich dabei um die «Wohnlichkeit» und Sicherheit des öffentlichen Raumes. Hier könne man schon im Kleinen viel erreichen, etwa indem man ein neues Trottoir rollatorgängig plant.

Denke man von Beginn weg auch an die älteren Semester, müssten solche Massnahmen nicht einmal Mehrkosten generieren. Ausserdem fehlt der Stadt ein Café, das als zentraler Begegnungsort dient. Solche Orte werden in Zeiten, in denen viele ältere Menschen nicht mehr innerhalb der Familie in sozialem Austausch bleiben, immer wichtiger.

Welche Massnahmen letztlich konkret umgesetzt werden, wird sich zeigen – viele sind schliesslich auch nicht gratis. Eine der ersten Aufgaben der Alterskommission wird sein, dem Stadtrat nach den Wahlen im Frühling eine Priorisierung der Massnahmen vorzulegen, damit diese in die neue Legislaturplanung einfliessen können. «Wir haben keine schnellen, einfachen Lösung bereit. Doch bisher hat man die Alterspolitik einfach nicht so ernst genommen», sagt Schaeren. Mit der neuen Strategie soll das der Vergangenheit angehören.

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