Dietikon
Stadt Dietikon erwartet mehr Hilfe vom Kanton

Organisatorische Massnahmen allein können die hohe Sozialhilfequote nicht senken. Dietikon hat im kantonalen Vergleich mit rund 40 Prozent einen hohen Ausländeranteil, die höchste Scheidungsrate pro 1000 Einwohner und ein tiefes Bildungsniveau.

Sophie Rüesch
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Dietikon hat im kantonalen Vergleich mit rund 40 Prozent einen hohen Ausländeranteil.

Dietikon hat im kantonalen Vergleich mit rund 40 Prozent einen hohen Ausländeranteil.

Die Zahlen, die der Dietiker Stadtrat in der Antwort einer Interpellation von Gemeinderat Werner Hogg (FDP) darlegt, sprechen für sich: «Dietikon hat eine hohe Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent und im Vergleich mit anderen Gemeinden des Kantons Zürich die höchste Sozialhilfequote von 7,1 Prozent.»

Nun mögen wohl die Zahlen, die aus dem kantonalen Sozialbericht für das Jahr 2011 und dem kantonalen statistischen Jahrbuch 2012 stammen, die neusten definitiv ausgewerteten sein; der Sachverhalt ist aber altbekannt. So schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auch, dass im Bezug auf die soziodemografische Situation «keine grundlegenden neuen Erkenntnisse entstanden» seien.

Höhere Kosten durch neue Gesetze

Vielmehr bestätige die Statistik Bekanntes: Dietikon hat im kantonalen Vergleich mit rund 40 Prozent einen hohen Ausländeranteil, die höchste Scheidungsrate pro 1000 Einwohner und ein tiefes Bildungsniveau. Über drei Viertel der Paare mit Kindern leben mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen, bei den Alleinerziehenden sind es zwei Drittel. Vor allem diese Menschen seien «sehr stark in der Sozialhilfe vertreten und benötigen teilweise auch weitere unterstützende Massnahmen», schreibt der Stadtrat.

Erschwerend hätten sich auch Gesetzesänderungen wie die Änderung des Arbeitslosengesetzes oder des Unterstützungsstatus von Flüchtlingen auf die Kostenbelastung der städtischen Sozialbehörde ausgewirkt. «Der Kanton delegiert vermehrt Aufgaben an die Gemeinden oder erhebt dafür Kosten», klagt der Stadtrat.

Zu wenig Personal, zu viele Fälle

Massnahmen zur Senkung der Sozialhilfequote zu erarbeiten, sei aber nicht ganz einfach, wie der Stadtrat darlegt. Eine externe Überprüfung, welche die Stadt im Rahmen der Haushaltsoptimierung in Auftrag gab, spricht der Dietiker Sozialbehörde ein gutes Zeugnis aus. Der Bericht stelle «keine grundsätzlichen Mängel in der Führung der gesetzlichen Wirtschaftshilfe fest».

Das Problem liegt vielmehr bei den beschränkten personellen Ressourcen, die einer hoher Fallzahl gegenüberstehen. Bereits 2006 wurde die Sozialabteilung neu organisiert; der jüngste externe Bericht bestätigt weitgehend die Erkenntnisse, die bereits in diese Reorganisation eingeflossen waren. «Die Qualitätssicherungsinstrumente funktionieren zwar gut, sind jedoch nur mit genügend Personalressourcen konsequent umsetzbar», schreibt der Stadtrat.

Um Kosten bei den Sozialausgaben zu sparen, müsse aber genau mehr Personal her - oder weniger Fälle. «Grundsätzlich», hält der Stadtrat fest, «zeigen die Erfahrungen, dass bei engerer Führung der Klientel Kosten eingespart werden können. Dies kann jedoch nur bei einer Reduktion der Fallbelastung erreicht werden.»

Trotz dieser schwierigen Ausgangslage stellt der Stadtrat in seiner Antwort drei Massnahmen zur Senkung der Sozialhilfequote vor. Einerseits sei die Sozialabteilung beauftragt worden, «die Empfehlungen der externen Untersuchung zu analysieren, deren Umsetzung zu planen und wo nötig, entsprechende Anträge an den Stadtrat zu stellen.» Andererseits soll mit einer Änderung der Kompetenzordnung, welche die Sprechung von situationsbedingten Leistungen regelt, Geld gespart werden.

Eine weitere Massnahme betrifft die Wohnsituation. So soll die missbräuchliche Verwendung von Mietzahlungen gestoppt und Vermieter «vermehrt in Bezug auf die Auswahl ihrer Mieter sensibilisiert werden». Dabei müssten allerdings für mögliche Wohnungsausweisungen Notunterkünfte bereitgestellt werden.

Mehr Geld aus Finanzausgleich

Abschliessend hält der Stadtrat fest, «dass die Sozialhilfequote mit organisatorischen Massnahmen in der Sozialhilfe alleine nicht genügend gesenkt werden kann». Hoffnung schöpft er aus neuen Quartieren wie dem Limmatfeld, mit denen sich der Bevölkerungsmix längerfristig verbessern soll. Solange die soziodemografische Situation jedoch bestehen bleibt, erwartet der Stadtrat, dass die Kosten, die Dietikon aufgrund der hohen Soziallast anfallen, auch im Finanzausgleich abgegolten werden.