Limmattal
Stadion für FCZ und GC auf Rangierbahnhof scheint möglich

Zwei Kantonsräte schlagen in einem Postulat den Rangierbahnhof als Standort für das neue Fussballstadion von GC und FCZ vor. Wie jetzt eine Umfrage der Limmattaler Zeitung zeigt, stehen diverse lokale Behördenmitglieder dieser Idee offen gegenüber.

Leo Eiholzer
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Der Rangierbahnhof Limmattal liegt auf dem Gebiet von Dietikon und Spreitenbach. Hier könnte in Zukunft ein Fussballtempel für FCZ- und GC-Fans stehen.Sandra Ardizzone

Der Rangierbahnhof Limmattal liegt auf dem Gebiet von Dietikon und Spreitenbach. Hier könnte in Zukunft ein Fussballtempel für FCZ- und GC-Fans stehen.Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Wo heute Loks der SBB kreischen, singen bald Fans der beiden Stadtzürcher Fussballklubs FCZ und GC. Zumindest wenn es nach einem Postulat im Kantonsrat geht, das der Dietiker Josef Wiederkehr (CVP) und der Wädenswiler Philipp Kutter (CVP) eingereicht haben (die Limmattaler Zeitung berichtete). Darin fordern sie den Regierungsrat auf, einen Teil des Geländes des Rangierbahnhofs Limmattal als Alternativstandort für das geplante Fussballstadion auf dem Zürcher Hardturm zu prüfen. Wiederkehr sagt: «Die Forderung ist sicher provokativ. Es geht darum, den Regierungsrat aufzurütteln.» Eigentlich sähe er es lieber, wenn das Stadtzürcher Fussballstadion auch tatsächlich in der Stadt Zürich gebaut würde. «Aber es sieht ja momentan nicht gut aus, dass auf dem Hardturm tatsächlich gebaut werden kann», so Wiederkehr. Deshalb brauche es frühzeitig Alternativen. In seinem persönlichen Umfeld habe er schon einige positive Reaktionen erhalten. So etwa aus dem Industrie- und Handelsverein Dietikon (IHV), den Wiederkehr präsidiert.

Doch was sagen eigentlich die Limmattaler Gemeinden dazu, dass auf ihrem Gebiet plötzlich ein Fussballstadion gebaut werden soll? Ein Projekt ohne ihre Zustimmung scheint unvorstellbar.

Der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) signalisiert grundsätzlich Offenheit: «Die Idee einer Teilumnutzung ist interessant.» Vor- und Nachteile eines solchen Grossprojekts müssten abgewogen werden. «Vor allem müsste auch die Meinung der Bevölkerung abgeholt werden», so Bachmann.

Das sagen die Limmattaler Gemeinde- und Stadtpräsidenten zur Idee:

Roger Bachmann (SVP) «Die Idee einer Teilumnutzung ist interessant. Vor- und Nachteile eines solchen Grossprojekts müssten abgewogen werden. Vor allem müsste auch die Meinung der Bevölkerung abgeholt werden.»
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Valentin Schmid (FDP) «Ich finde den Vorschlag prüfenswert.» Er fordert aber einen Masterplan, sollte das Gebiet des Rangierbahnhofs Limmattal irgendwann frei werden. Dieser Plan soll klären, wo wie bebaut wird und wo Freiflächen bleiben.
Paul Studer (FDP) «Grundsätzlich stehe ich der Idee positiv gegenüber. Sie ist prüfenswert.» Doch für Studer hat die Überdeckelung des Rangierbahnhofes oberste Priorität.
Michael Deplazes (parteilos) «Ich sage vorsichtig Ja zu der Idee. Warum nicht? Seien wir doch ein bisschen innovativ.» Als bekennender GC Fan findet er es aber schon irritierend, dass in der Stadt Zürich ein Fussballstadion derartige Probleme bereitet.
Sandra Rottensteiner (EVP) «Es braucht sicher Studien, die Chancen und Risiken einer dereinstigen Nutzung des Geländes des Rangierbahnhofs aufzeigen.»

Roger Bachmann (SVP) «Die Idee einer Teilumnutzung ist interessant. Vor- und Nachteile eines solchen Grossprojekts müssten abgewogen werden. Vor allem müsste auch die Meinung der Bevölkerung abgeholt werden.»

ALEX SPICHALE

Spreitenbach will Masterplan

Sein Amtskollege Valentin Schmid (FDP), Gemeindepräsident von Spreitenbach, pflichtet ihm bei. «Ich finde den Vorschlag prüfenswert.» Spreitenbach ist vom Lärm des Rangierbahnhofs momentan stark betroffen. Schmid fordert unbedingt einen Masterplan, wenn der lärmige Rangierbahnhof endlich wegkommen sollte. Dieser Plan soll klären, wo wie gebaut wird und wo Freiflächen bleiben. «Für ein Stadion hätte es sicher auch Platz», so Schmid. Doch er sagt auch: «Das grösste Problem würden die SBB sein. Sie müssen zuerst erkennen, dass es den Rangierbahnhof in dieser Grösse nicht mehr braucht.»

Die Verkehrsanbindung für ein Stadion sei optimal. Bezüglich der Sicherheit, wenn 20 000 Fussballfans ins Limmattal kommen würden, sagt er: «Ein Fussballstadion ist an 360 Tagen des Jahres völlig problemlos. Nur bei wenigen Hochrisikospielen pro Jahr ist es eine Herausforderung, die Sicherheit zu gewährleisten. Da bräuchten wir sicher die Hilfe weiterer Polizeikorps, etwa der Kantonspolizeien, denn weder Spreitenbach noch Dietikon hätten genügend Polizisten dafür.»

Ennet der Limmat, in Oetwil, ist der Lärm des Rangierbahnhofs ebenfalls sehr laut. Gemeindepräsident Paul Studer (FDP) sagt zum Stadion-Postulat: «Grundsätzlich stehe ich der Idee positiv gegenüber. Sie ist prüfenswert.» Doch er schiebt gleich nach: «Für Oetwil hat die Überdeckelung des Rangierbahnhofes, die wir schon seit Jahren fordern, oberste Priorität.» Mit dem Deckel soll der Lärm eingedämmt werden. Was dann auf den Deckel genau komme, ob Fussballstadion, Wohnbauten oder Gewerbe, ist für Studer zweitrangig. Es sei vor allem wichtig, dass nicht grosser Verkehr entstehe und auch nichts, das Lärm mache. «Am Ende muss für uns der Lärm-Saldo einfach tiefer sein, als wenn der Rangierbahnhof weiterbetrieben werden würde», so Studer.

In der Nachbargemeinde Geroldswil bläst Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) ins gleiche Horn. «Ich sage vorsichtig Ja zu der Idee. Warum nicht? Seien wir doch ein bisschen innovativ.» Es sei insbesondere wegen der guten Verkehrsanbindung eine «bestechende Idee». Als bekennender GC-Fan finde er es aber schon irritierend, dass in der Stadt Zürich ein Fussballstadion derartige Probleme bereitet.

Von Mehrverkehr, vor allem auf der A3, könnte Urdorf betroffen sein. Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) sagt, es brauche sicher Studien, die die Chancen und Risiken einer dereinstigen Nutzung des Geländes des Rangierbahnhofs aufzeigen.

Für Postulant Wiederkehr liegen die Vorteile eines Fussballstadions auf dem Rangierbahnhof auf der Hand: «Die Verkehrserschliessung ist optimal, vor allem wenn die S-Bahn-Station Silbern endlich gebaut wird. Es ist für beide Klubs ein neutraler Standort», so Wiederkehr. «Und schliesslich ist die Bewilligungspraxis der Limmattaler Behörden wohl auch etwas konstruktiver als die der Stadt Zürich.»

«SBB Cargo ist zu bequem»

Doch inwiefern spielte die Aussicht, den Rangierbahnhof loszuwerden oder zumindest zu verkleinern, bei der Einreichung des Postulats eine Rolle? Schliesslich ist der Rangierbahnhof vielen Limmattalern ein Dorn im Auge, weil er deutlich überdimensioniert ist. 2017 war er nur zu 35 Prozent ausgelastet, wie die Limmattaler Zeitung im letzten November publik machte. Wiederkehr, der auch im Vorstand des Komitees «Gateway: So nicht!» sitzt, sagt: «Mindestens einen Teil des Geländes des Rangierbahnhofs muss man besser nutzen. Wenn SBB Cargo ein Privatunternehmen wäre und wie jetzt jedes Jahr Millionen-Verluste einfährt, müsste es sich überlegen, was es ändern soll. Doch dieses Unternehmen ist zu träge und zu bequem, weil es regelmässig Millionen an Subventionen vom Bund bekommt.» Die SBB wollten nichts sagen. Der Anstand gebiete es, der Beantwortung des Postulats durch den Regierungsrat nicht vorzugreifen, hiess es lediglich.

Dem Stadion positiv gegenüber steht der FC Dietikon. Präsident Thomas Roth sagt, er wisse zwar nicht, ob man direkt davon profitieren könnte, aber: «Als Fussballfan finde ich es prinzipiell gut, wenn irgendwo für irgendwen ein Fussballstadion gebaut wird.»

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