Limmattal
Staatsvertrag ist wichtig für eine gerechte Verteilung des Fluglärms in der Region

Nach der deutschen Regierungsbildung fordern die Limmattaler Gemeinden in einem Schreiben von Bund und Kanton, dass man die Verhandlungen mit Deutschland in der Fluglärmdebatte wieder aufnehmen solle.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
Wie im kürzlich erschienenen Zürcher Fluglärmindex (ZFI) gezeigt wurde, sind im Limmattal 4200 Personen durch den Fluglärm gestört.

Wie im kürzlich erschienenen Zürcher Fluglärmindex (ZFI) gezeigt wurde, sind im Limmattal 4200 Personen durch den Fluglärm gestört.

Keystone

Der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller stellte gleich zu Beginn klar, dass es den Limmattaler Gemeinden um eine gerechte Verteilung des Fluglärms gehe. Er und der Oetwiler Gemeindepräsident Paul Studer traten gestern als Vertretung der Gemeinden des Bezirks Dietikon vor die Medien, um bekannt zu geben, dass man sich schriftlich an den Kanton und an das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) wenden werde.

Im Schreiben fordert der Bezirk, dass die Verhandlungen mit Deutschland für einen Staatsvertrag wieder aufgenommen werden. Nach der deutschen Regierungsbildung vom vergangenen Wochenende dürfte «ein neues Verhandlungsklima zwischen den beiden Staaten herrschen», so Müller.

Forderung für Zwischenlösung

Der Bezirk Dietikon wird durch die Gemeinden Dietikon und Oetwil in der konsultativen Konferenz Flughafen Zürich vertreten, da diese am meisten unter dem Fluglärm zu leiden hätten, wie Müller erklärt.

Wie im kürzlich erschienenen Zürcher Fluglärmindex (ZFI) gezeigt wurde, sind im Limmattal 4200 Personen durch den Fluglärm gestört. «Heute überfliegen etwa 69 Prozent der startenden Flüge das Limmattal. Dies empfinden wir als ungerecht», so Studer. Den Gemeinden gehe es primär um eine faire Aufteilung des störenden Fluglärms, fuhr er fort. Im Staatsvertrag mit Deutschland sei derweil vorgesehen, dass diese Zahl nach der Ratifizierung des Vertrags auf 63 Prozent sinke.

«Wenn nach 2020 auch die baulichen Massnahmen an der Flughafen-Infrastruktur realisiert sein werden, dann sollen sogar nur noch 56 bis 58 Prozent der startenden Flugzeuge über den Bezirk fliegen», so Studer. Der Bezirk stehe vollkommen hinter dieser Lösung. Aber man sei sich bewusst, dass diejenige Region, welche diese knapp 20 Prozent Abnahme an Abflügen auffangen muss, rebellieren werde. Im Staatsvertrag ist vorgesehen, dass die Anzahl Abflüge für die Region östlich des Flughafens von heute 17 auf 31 Prozent steigen wird.

Neben der Forderung nach einer Wiederaufnahme der Verhandlungen hat der Bezirk weitere Begehren an Bund und Kanton. So sollen die Fluglinien der Route K angepasst werden. Heute ist es so, dass Flugzeuge, auf dieser Route direkt über Dietikon und Geroldswil fliegen. «Wir fordern, dass dieser Anflugbereich auf den Kanton Aargau ausgeweitet wird, sodass sich der Lärm nicht auf diese beiden Gemeinden konzentriert», so Müller.

Goldküste stösst sauer auf

Von einer Abschiebung der Lärmbelastung wollten Müller und Studer nichts wissen. «Unser Bezirk ist sehr wohl bereit, einen angemessenen Teil des Lärms zu tragen», so Studer. Dies, weil man sich der Wertschöpfung und der Arbeitsplätze, die der Flughafen in die Region bringt, bewusst sei. Aber, dass die Goldküsten-Gemeinden sich derart gegen den Südanflug wehren, stosse einem sauer auf, fuhr er fort.

Index stimmt optimistisch

Was Müller und Studer jedoch beruhigt, sind die Ergebnisse des Zürcher Fluglärm-Indexes. Dort zeige sich, dass die Anzahl Personen, die tagsüber von Fluglärm belästigt werden, in den meisten Gemeinden konstant geblieben ist. In Oetwil stieg sie zwischen 2008 und 2012 von 178 auf 182, in Oberengstringen von 343 auf 365. Nur die Stadt Dietikon musste einen massiven Anstieg tangierter Personen hinnehmen. Im selben Zeitraum wuchs die Zahl von 1557 auf 1780. Dies erklärt sich Stadtpräsident Müller aber mit Dietikons Bevölkerungszunahme. «Wir sehen, dass die Verantwortlichen vom Flughafen auch mit stilleren Flugzeugen und anderen Methoden versuchen, die Lärmbelästigung der Anwohner zu verringern», so Studer.