Es sei ihr ein wenig peinlich gewesen, als das Kamerateam des Schweizer Fernsehens ihr auf Schritt und Tritt durch die Zürcher Strassen gefolgt sei. «Passanten starrten mich an und ich dachte, dass es eigentlich um die Flüchtlinge gehen sollte und nicht um mich», sagt Vanja Crnojević.

Die Schlieremerin baute das Flüchtlingshilfswerk Borderfree Association auf und ist nun eine von drei Protagonisten der fünfteiligen Dok-Serie «Die Weltverbesserer». Heute in einer Woche wird die erste Folge ausgestrahlt.

Die 36-jährige Crnojević wird die Premiere jedoch nicht auf dem heimischen Sofa mitverfolgen können. Derzeit ist sie im serbischen Preševo, im Anschluss reist sie weiter ins griechische Petra und wird voraussichtlich erst Ende Monat wieder in der Schweiz sein.

An beiden Orten versorgen freiwillige Helfer Flüchtlinge auf der Balkanroute mit Kleidern, Decken, Nahrungsmitteln, Hygieneprodukten und – wo nötig – auch mit Zug- oder Busbilletts. Die Filmer trafen Crnojević nicht nur in der Schweiz, sondern reisten mit ihr auch nach Preševo.


In der ersten Folge ist etwa zu sehen, wie eine Familie, deren drei Kinder schwerstbehindert und im Rollstuhl sind, im Camp eintrifft. «Wir schauen nun, dass wir der Familie die Fahrt im Bus ermöglichen können. In ihrer Situation ist dies notwendig», sagt die Schlieremerin in die Kamera, während sie einem der Kinder beim Essen einer Banane hilft. Während der Einsätze in den Camps habe sie die Filmcrew auch hin und wieder vergessen können, sagt Crnojević heute auf Anfrage, fügt aber an: «Manchmal nervte die Kamera auch».


Zeigen, wie Geld eingesetzt wird


Crnojević ist sich im Klaren darüber, dass sie mit dem Auftritt beim Schweizer Fernsehen ein grosses Publikum erreicht und erhofft sich dadurch auch mehr Spenden für ihre Organisation. «Es ist mir jedoch ein viel grösseres Anliegen, den Menschen hier zu zeigen, wie Flüchtlinge leben müssen. Auch will ich, dass unsere Spender wissen, wie wir das Geld einsetzen und wie wir arbeiten», sagt sie.


Es gibt viele Organisationen und Projekte, die rund um die Welt Gutes tun. Wie kam das Schweizer Fernsehen auf Crnojević als eine der Hauptfiguren? Frank Senn, Redaktionsleiter der Dok-Serien bei SRF, sagt auf Anfrage, dass es ihm wichtig war, keine grossen Organisationen zur porträtieren. «Es geht darum, Menschen zu zeigen, die mit ihren Projekten aus einem inneren, eigenen Antrieb in der Welt etwas verändern wollen und das auch so anpacken.» Crnojević gebe den Helfern auf der Balkanroute ein Gesicht.


Szenenwechsel. Einige Minuten später hilft Crnojević bei der Essensausgabe. Die Menschen drängeln sich vor dem Stand, quengeln und rufen den Helfern zu. Sie haben Angst, dass es nichts mehr vom hellbraunen Eintopf gibt, wenn sie an der Reihe sind. Crnojević wird laut und ruft der Menschentraube zu, dass ausreichend Nahrung vorhanden sei. Rückblickend sagt sie, dass Essensausgaben immer stressig seien und nie friedlich ablaufen würden. «Nicht selten muss ich gegenüber jenen, die vordrängeln, meine Stimme erheben.» Normalerweise sei sie sich Stresssituationen gewohnt, doch komme es ab und zu vor, dass man bis zu 30 Stunden am Stück nicht schlafe. «Das zehrt an den Nerven.»


Neben Crnojević begleitete das Schweizer Fernsehen drei weitere Weltverbesserer. Den Fotografen Manuel Bauer, der den Einwohnern eines nepalesischen Dorfes hilft, die Oberärztin Melanie Holzgang, die in Äthiopien in der Unfallchirurgie arbeitet und ihren ehemaligen Chef, den Schweizer Chirurgen und Traumatologen Jörg Peltzer. Seine Vision ist, ein Trauma-Zentrum zu bauen.