Manchmal ist auch der Konjunktiv etwas wert. So wie für den Dietiker 100-Meter-Läufer Rolf Malcolm Fongué. Der 24-Jährige wurde an der vergangenen Schweizer Hallenmeisterschaft mit Lorbeeren bedacht, gleichwohl er den Final gar nicht lief wegen eines Fehlstarts.

«Er hätte ihn gehabt», hiess es allenthalben, mit «ihn» ist Amaru Reto Schenkel gemeint, den Überflieger der vergangenen Saison, der ebenfalls im Bezirkshauptort wohnt. «Davon bin ich auch überzeugt», sagt Fongué darauf angesprochen überzeugt.

«Konstant sein, das tut gut»

Das Selbstvertrauen ist Fongués ambivalenter Begleiter. Momentan sei es ihm gutgesinnt. «Ich bin im Training konstanter unterwegs als in den letzten Jahren. Das tut gut», blickt er auf seine Vorbereitung zurück, die er unter anderem in Südafrika und Italien verbracht hatte.

Eine vielversprechende Voraussetzung für eine Saison, die mit Olympischen Spielen und Europameisterschaften zwei Höhepunkte zu bieten hat. Unter Druck setzen lässt sich Fongué vor dem Saisonstart morgen (in Bern über 200 Meter) indes nicht; weder von ihm selbst noch von aussen. So sagt er in der typisch monotonen Stimmlage: «Ich glaube nicht, dass ich am Anfang Topzeiten laufen, sondern, dass ich mich langsam steigern werde.»

Versöhnung mit Staffeltrainer

Bei aller Zurückhaltung: Die anstehende Saison könnte die wichtigste werden für den gelernten Sportartikelverkäufer. Denn die häufig einmalige Chance für einen Schweizer Sprinter auf eine Olympiaqualifikation ist für Fongué da – mit der Staffel.

Nach der Dopingsperre gegen Pascal Mancini sind Fongués Aussichten gestiegen, dem Schweizer Quartett anzugehören, das mit zwei starken Läufen in den kommenden Wochen das Ticket nach London lösen soll. Dass Fongués ein Platz winkt, ist nicht selbstverständlich, denn Staffeltrainer Lucio Di Tizio und der Limmattaler hatten sich in der Vergangenheit überworfen.

Am Ende der vergangenen Saison sei man gemäss Fongué zusammengesessen und habe «Missverständnisse ausgeräumt. Wir haben gemerkt, dass wir beide die gleichen Interessen verfolgen». Einerseits bedeutet das, dass man dem Ziel alles unterordnet, andererseits spricht es aber auch für die gewonnene Gelassenheit des Dietikers.

Seit seinem nicht ohne Nebengeräusche abgelaufenen Wechsel vom LC Zürich zur GG Bern vor der Saison 2011 – mit dem Urdorfer Steven Gugerli und dem Oberengstringer Mike Arias im Schlepptau – könne er sich besser auf den Sport konzentrieren.

Titelverteidigung im Visier

Seine Konzentration gilt neben den erwähnten internationalen Grossanlässen der Schweizer Meisterschaft vom 6. und 7. Juli. Dort will er seinen Titel über 100 Meter zum zweiten Mal verteidigen. Im vergangenen Jahr wurde nach Goldmedaille gemäkelt, dass diese angesichts der Abwesenheit von Schenkel und der bescheidenen Zeit (10,54) nicht so schwierig zu erringen war.

Er selbst äusserte sich unmittelbar nach dem Rennen gegenüber diese Zeitung in diese Richtung. Heute lächelt Fongué diese Gedankengänge weg. «Was bringt es, so zu denken? Meinem guten Freund Kim Collins ging es ähnlich nach dem dritten Platz an der WM, wo Bolt nach einem Fehlstart disqualifiziert worden war.

Am Ende zählt nur die Medaille, sagte er mir – so sehe ich das auch.» Über die Zeit sei er ebenfalls nicht glücklich gewesen. Für dieses Jahr habe er diesbezüglich ein gutes Gefühl: «Ich spüre, dass es ein schnelles Rennen gibt.» Mit ihm als Sieger; sagt er zwar nicht, ist aber überzeugt davon.