Spreitenbach
«Es gibt Leute, die stehen vor meinen Bildern und weinen»: Wie Laura Chaplin durch Kunst ihren berühmten Grossvater kennen lernt

Noch bis am Freitag sind in der Spreitenbacher Gemeindegalerie die Bilder von Laura Chaplin – der Enkeltochter des berühmten Komikers Charlie Chaplin – zu sehen.

Soraya Sägesser
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Laura Chaplin präsentiert ihre Bilder schweizweit in zahlreichen Ausstellungen. Hier ist sie bei einer Ausstellung im Oktober 2018 im Hotel La Couronne in Solothurn zu sehen.

Laura Chaplin präsentiert ihre Bilder schweizweit in zahlreichen Ausstellungen. Hier ist sie bei einer Ausstellung im Oktober 2018 im Hotel La Couronne in Solothurn zu sehen.

zvg/Archiv

Auf den weissen Leinwänden in der Gemeindegalerie in Spreitenbach ist Charlie Chaplin zu sehen. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern etliche Male ist der berühmte Komiker abgebildet. Doch wer malt den Briten immer wieder mit Farbe und Pinsel?

Laura Chaplin. Die 35-Jährige ist angetan von ihrem Grossvater. Dies, obwohl sie ihn nie kennen gelernt hat. Charlie Chaplin verstarb 1977 in Corsier-sur-Vevey VD. Zehn Jahre später kam Laura auf die Welt. Sie wuchs im Haus auf, in dem ihr Grossvater seine letzten Tage verbrachte. Heute ist ihr damaliges Zuhause als «Chaplin’s World» bekannt. Tausende Fans pilgern jährlich dorthin. So erzählt es Laura Chaplin der «Limmattaler Zeitung».

Bereits als kleines Kind hat sie ihn gezeichnet

«Obwohl ich ihm nie begegnete, ist er sehr präsent in meinem Leben», sagt sie. Ihr Grossvater habe so viele Menschen in einem positiven Sinn berührt. Auch sie selbst. Deshalb begann Laura Chaplin bereits als kleines Kind, ihn zu zeichnen. Das hat sich über die Zeit nicht geändert. Nur dass sie heute, im Gegensatz zu damals, ihre Charlie-Chaplin-Bilder ausstellt und ihn damit auf eine neue Art am Leben erhält. «Er inspiriert mich», sagt sie und fügt hinzu, dass die Kunstobjekte nicht nur ihn repräsentieren würden, sondern auch sie als Erstellerin und Enkeltochter.

Mit ihrer Kunst will sie nicht nur verschiedene Gesichtsausdrücke des Komikers auf die Leinwand übertragen, sondern auch über ihren längst verstorbenen Grossvater mehr erfahren. «Es ist meine Art, ihn kennen zu lernen», sagt sie.

Weil sie einen berühmten Grossvater habe, fragten sie die Leute gerne über ihn aus, sagt Chaplin. Das störe sie nicht, doch manche Fragen seien seltsam. Gewisse Menschen würden denken, dass sie alles von ihm wissen müsste. Aber nein: «Ich weiss nicht, welche Sachen er jeden Tag gemacht hat.» Sie stelle dann jeweils die Rückfrage: «Weisst du, was dein Grossvater an diesem Tag gemacht hat?» Nichtsdestotrotz wisse sie viel über ihn und habe sich mit seiner Geschichte intensiv auseinandergesetzt, sagt Chaplin.

Per Zufall den Kurator der Spreitenbacher Gemeindegalerie kennen gelernt

Seit 23. September hängen die Chaplin-Bilder in der Gemeindegalerie in Spreitenbach. Am Freitag nimmt die Ausstellung ein Ende. Laura Chaplin ist dank einer vorherigen Ausstellung im Tessin an die Limmattaler Gemeinde gelangt. Dort habe sie Salvatore Mainardi, Kurator von der Gemeindegalerie, kennen gelernt. Dieser hat ihr ermöglicht, ihre Werke in Spreitenbach auszustellen.

«Es ist eine sehr schöne Galerie und ich hatte einen guten Austausch mit den Leuten hier», sagt sie über die vergangenen Wochen, in denen sie hier ausstellen durfte. Vor allem den Austausch mit anderen Kunstschaffenden schätze sie an ihrer Arbeit. Aktuell sind zusammen mit Laura Chaplins Bildern auch Bilder des verstorbenen Tessiner Malers Sergio Maina und Holzskulpturen des Baselbieter Künstlers Roger Oberer ausgestellt.

Zeit, um ihre Bilder persönlich in Spreitenbach zu präsentieren, hat sie kaum. So wohnt sie nach wie vor in der Westschweiz. Spätestens wenn die Ausstellung vorbei ist, gehe sie aber wieder nach Spreitenbach. «Schliesslich muss ich meine Bilder wieder herunternehmen», sagt sie. Ein weiterer Grund für ihre Abwesenheit seien die vielen anderen Ausstellungen, für die man sie derzeit engagiert habe.

Rund 40 Kunstwerke in anderthalb Jahren

Normalerweise stelle sie etwa zweimal pro Jahr aus. 2022 sei sie aber an sieben Ausstellungen vertreten gewesen. Dass sie in diesem Jahr so viele Kunstausstellungen mit ihren Gemälden bestücken konnte, habe einen simplen Grund: Während der Coronazeit seien viele Anlässe und Ausstellungen ins Wasser gefallen. Doch auch das hatte etwas Positives aus ihrer Sicht. Sie sagt:

«Ich hatte viel Zeit zum Malen während der Coronazeit.»

So entstanden rund 40 Kunstwerke während anderthalb Jahren. In dieser Zeit malte sie nicht nur ihren Grossvater, sondern auch viele Natur- und Pferdebilder. Letztere stellt sie aktuell im Musée du Cheval in La Sarraz VD aus. Reiten ist eine weitere Leidenschaft von ihr.

Und plötzlich wollte sie nichts mehr anderes machen als Kunst

Sie habe nie geplant, Künstlerin zu werden, erzählt Chaplin. «Es war aber immer eine Leidenschaft von mir, etwas zu kreieren.» Und als sie dann die erste Ausstellung besuchte, sei sie so angetan gewesen und habe nie mehr etwas anderes machen wollen. «Es gibt Leute, die stehen vor meinen Bildern und weinen», sagt sie. Sie könne Menschen mit ihrer Kunst berühren. Das motiviere sie. Deshalb kann sie sich auch nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen.

Gehen ihr nie die Ideen aus? Nein, antwortet sie, im Gegenteil. Überall, wo sie hingehe, finde sie Inspiration. «Manchmal sehe ich meinen Grossvater in den Wolken.» Ein anderes Mal werde sie von der Natur, den Herbstfarben oder den Bergen inspiriert. Sie habe genügend Ideen, doch zu wenig Zeit, all diese umzusetzen. «Sobald ich in der Natur bin, schalte ich meinen Kreativmodus ein», sagt sie und lacht.