Oberengstringen

Sportplatz-Abstimmung sorgt für dicke Luft im Gemeinderat

Die neue Schulwiese müsste auf das Niveau des Pausenplatzes angehoben werden.

Die neue Schulwiese müsste auf das Niveau des Pausenplatzes angehoben werden.

Bauvorstand René Beck bezichtigt zwei Ratskolleginnen der Verletzung des Kollegialitätsprinzips. Ihm selber wird Befangenheit im Bezug auf die Sanierung des Sportplatzes Brunewiis vorgeworfen.

Dem Oberengstringer Bauvorstand René Beck stand die Enttäuschung im Gesicht geschrieben. Am Montagabend winkte die Gemeindeversammlung die Aufwertung und Sanierung der Sportanlage Brunewiis zwar durch, genehmigte aber danach einen Antrag auf Urnenabstimmung. «Ich bin natürlich bitter enttäuscht. Einerseits über die Urnenabstimmung, aber andererseits auch von meinen Gemeinderatskolleginnen Claudia Trüb und Elsbeth von Atzigen», sagt er auf Anfrage.

Der Grund dafür ist, dass die besagten Gemeinderätinnen für den Urnenantrag stimmten, obwohl der Gemeinderat nach der Ansicht von René Beck geschlossen hätte auftreten müssen. Elsbeth von Atzigen (parteilos) sieht dies anders: «Im Gemeinderat haben wir keinen Beschluss darüber gefasst, wie wir im Falle eines Antrags auf Urnenabstimmung votieren sollen.» Sie habe an der Versammlung gesehen, dass das Projekt hitzig diskutiert wurde, sagt sie. «Die Stimmbürger verdienen es, über ein Projekt mit derart grossen finanziellen Konsequenzen an der Urne abzustimmen.»

Für eine Annahme des Urnenantrags war die Zustimmung von einem Drittel aller Anwesenden nötig. Von den 291 Stimmberechtigten votierten bei der ersten Zählung 99 dafür – nur zwei Stimmen über dem Minimum. Das knappe Ergebnis – bei der Nachzählung wurden 100 Stimmen gezählt – hätte Trüb und von Atzigen aufrütteln müssen, so Beck. «Die beiden Damen wussten, dass es auf jede Stimme ankommt.

Bei der zweiten Zählung hätten sie ihre Stimmen enthalten können, um das Kollegialitätsprinzip zu wahren», sagt Beck weiter. Claudia Trüb (FDP) versteht dies nicht. «Es wäre unglaubwürdig, wenn ich mich inmitten einer Abstimmung anders entscheiden würde», sagt sie. Die Urnenabstimmung sei repräsentativer für die Meinung der Gemeinde. «Am Montagabend waren viele Fussballfans anwesend, was nicht deren Anteil in der Bevölkerung widerspiegelt», so Trüb.

Seinem Unmut verschaffte René Beck auch auf seinem öffentlich zugänglichen Facebook-Profil Luft. Dort fragt er, wie er mit zwei Gemeinderatskolleginnen umgehen solle, die verhindert hätten, dass mit dem Projekt gestartet werden könne. Alt Gemeindepräsident, Reto Cavegn (FDP), pflichtete Beck auf Facebook bei. «Der Auftritt der FDP im Saal und auf dem Bock war peinlich», schreibt er. Weiter meinte Cavegn, dass es Konsequenzen haben müsste, wenn das Kollegialitätsprinzip so mit Füssen getreten werde.

Befangen, weil Klubmitglied

Dass die Sportanlage Brunewiis ein emotionales Thema ist, zeigte sich bereits in den Diskussionen, die der Abstimmung vom Montagabend vorangegangen waren. So stellte der ehemalige FDP-Gemeinderat Georges Christen einen Rückweisungsantrag. Seine Begründung basierte auf einer vermuteten Befangenheit des verantwortlichen Gemeinderates Beck, da dieser seit Jahren Mitglied im Fussballklub Oberengstringen sei. Er verlangte, dass ein anderes Exekutiv-Mitglied mit diesem Projekt betraut wird. Dieser Antrag fand bei der Gemeindeversammlung jedoch kein Gehör.

Wann die Stimmbürger über das Sportplatz-Projekt befinden, muss der Gemeinderat erst noch festlegen. René Beck sagt auf Anfrage, dass er sich dafür einsetze, dass am 9. Februar 2014 darüber abgestimmt werde.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1