Der Stadtrat will Dietikon weiter voranbringen. So gehören ein Spielplatzkonzept und die Planung einer Dreifachturnhalle sowie eines zweiten Stadthauses zu seinem Regierungsprogramm. Dieses umfasst total 64 Massnahmen und wurde am Dienstag durch Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) und Stadtschreiberin Karin Hauser vorgestellt.

Als der Stadtrat das Regierungsprogramm erarbeitete, holte er auch die Meinungen der Gemeinderatsfraktionen ein. Wie stehen diese nun dazu? Die Limmattaler Zeitung hat nachgefragt.

«Man merkt, dass der neu zusammengesetzte Stadtrat der Bevölkerung etwas Gutes tun will. Er ist noch frisch und voller Tatendrang», sagt Konrad Lips, Präsident der SVP-Fraktion im Gemeinderat. Auch was den Umfang des Regierungsprogramms anbelangt, habe der Stadtrat das richtige Mass gefunden. «Viele unserer Anliegen sind im Regierungsprogramm enthalten. Ich bin zufrieden. Und bis jetzt löst das Regierungsprogramm noch keine Kosten aus», so Lips.

Er sieht es auch positiv, dass die Planung einer multifunktionalen Dreifachturnhalle zu den Zielen des Stadtrats gehört. «Die SVP fände es toll, wenn sich der Stadtrat zudem überlegt, das Fondli mit einer Leichtathletikanlage zu erweitern», sagt Lips. Man werde sehen, ob das ins Sport- und Sportanlagenkonzept einfliesst, das der Stadtrat erstellen will. Als besonders wichtig erachtet Lips zudem gute Rahmenbedingungen fürs Gewerbe, und dass das Gesamtverkehrskonzept so schnell wie möglich umgesetzt wird. Auch wenn dieses die Umsetzung von weiteren Tempo-30-Zonen verlangt, was innerhalb der SVP regelmässig für Widerstände sorgt.

Erfreut ist Lips zudem darüber, dass der Stadtrat die Quartiere stärken will, damit neben dem Limmatfeld und dem Altberg-Quartier auch andere Quartiere eine klare Identität und Stimme haben. «Man muss die ganze Stadt anschauen, das hat der Stadtrat richtig erkannt», sagt Lips. Verzichten könnte die SVP hingegen darauf, die Ziele des Energiestadt-Gold-Labels weiterzuverfolgen.

«Falsche Reihenfolge»

SP/AL-Fraktionspräsident Ernst Joss äussert mehr Kritik. «Das Regierungsprogramm hat viele positive Seiten und wir müssen dem Stadtrat eine Chance geben. Aber einmal mehr ist im Regierungsprogramm vom ‹Wirtschaftsstandort mit Lebensqualität› die Rede. Das ist die falsche Reihenfolge. Dieser Slogan sollte endlich geändert werden», sagt Joss. In Sachen Wirtschaft vermisst er zudem den Willen, wegzukommen von der Logistikbranche. «Die Stadt sollte vielmehr gute Rahmenbedingungen für Start-ups schaffen. Das Limmattal sollte zum Silicon Valley der Schweiz werden.»

Joss bedauert zudem, dass die Förderung des kostengünstigen Wohnungsbaus nicht im Regierungsprogramm enthalten ist. Dieser Wunsch der SP/AL-Fraktion wurde nicht berücksichtigt. «Wir müssen schauen, dass wir auch mit der Erneuerung unserer Stadt weiterhin über kostengünstige Wohnungen verfügen, die sich die Dietikerinnen und Dietiker leisten können», so Joss. Dass der Stadtrat eine Bedarfsabklärung für die familienergänzende Betreuung in sein Regierungsprogramm geschrieben hat, freut Joss hingegen. Zudem findet er es positiv, dass die Bevölkerung vermehrt angehört werden soll, die Stadt als Arbeitgeber attraktiver werden will und die Quartiere gestärkt werden sollen.

Sehr positiv tönt das Fazit von CVP-Fraktionspräsident Gabriele Olivieri. «Wir sind zufrieden mit allem, was drin ist. Der Stadtrat hat praktisch alles reingenommen, was wünschenswert ist. Jetzt hoffen wir, dass so viel wie möglich auch umgesetzt wird. Es wäre wirklich sehr schön, wenn alles klappt», sagt er. Besonders wichtig findet er es, Orte der Begegnung zu schaffen: «So kommt Leben in die Quartiere, so werden sie gestärkt.» Auch dass der Stadtrat die Planung von Begegnungszonen im Zentrum ins Regierungsprogramm aufgenommen hat, gefällt ihm. «Die CVP hat das schliesslich schon 2002 vorgeschlagen», sagt Olivieri, der sich als Mitglied des Integrationsforums auch darüber freut, dass die Integrationsförderung Teil des Programms ist. Auch der vermehrte Dialog mit der Bevölkerung und die familienergänzende Betreuung im Regierungsprogramm freuen Olivieri.

«Ein sportliches Programm»

Auch Christiane Ilg-Lutz (EVP), sie ist aus dem Gjuch-Quartier, freut sich über die geplante Stärkung der Quartiere. «Wir im Gjuch haben andere Probleme als die Einwohner des Schönenwerd-Quartiers», sagt sie. Eine Belebung mittels attraktiven Begegnungsorten sei hierfür das richtige. «Im Gjuch haben wir zwar den Lozzi-Wurm, aber das reicht nicht aus», so Ilg-Lutz. Allgemein ist ihr Fazit positiv: «Es ist ein sehr gutes Programm. Ich habe nichts daran auszusetzen. Was uns wichtig ist, ist drin», sagt sie. Als ehemalige Gewerkschafterin freut sie sich zudem darüber, dass das Personalrecht revidiert werden soll.

Besonders positiv wertet sie unter anderem, dass im Regierungsprogramm die Idee enthalten ist, einen Clean-up-Day zu veranstalten. Denn einen solchen hatte ihre Fraktionskollegin Manuela Ehmann mittels Postulat gefordert. Zum Umfang des Programms sagt Ilg-Lutz: «Es ist schon ein sportliches Programm. Aber es ist gut, wenn man Ziele vor Augen hat. Sicher wird nicht alles fertig umgesetzt werden können. Wichtig ist einfach, dass alles in Angriff genommen wird.»

Beat Hess, Fraktionspräsident der Grünen, fällt vor allem auf, dass das Regierungsprogramm vor Konzepten nur so strotze. Er äussere sich lieber zu spezifischen Vorhaben. Klar sei aber, dass das Programm dürftig ausfalle in Bezug auf gesellschaftliche Fragen, so Hess. So fehle darin der soziale, genossenschaftliche Wohnungsbau. Und es liefere keine Antworten darauf, wie zugewanderte Menschen an politischen Prozessen und Entscheiden beteiligt werden könnten. Auch zur Veloförderung hätte sich Hess ein klares Bekenntnis gewünscht.

FDP-Fraktionspräsident Olivier Barthe findet das neue Regierungsprogramm grundsätzlich gut. «Einzelnen Punkten hätte man aber mehr Gewicht verleihen können», sagt er. Hellhörig wird er vor allem beim Ziel des Stadtrats, Dietikon als Wirtschaftsstandort gezielt zu positionieren und zu vermarkten. «Dies kam in den letzten Jahren zu kurz. Daher hoffe ich, dass es sich hier nicht nur um schöne Worte handelt, sondern dass der Stadtrat diese Vermarktung nun viel intensiver angeht. Das ist unser Hauptanliegen», sagt Barthe.

Er ermahnt den Stadtrat zudem, Liegenschaften in Bahnhofsnähe für nomadisches Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Die Entwicklung der Quartiere kommt auch bei der FDP gut an. «Gerade Kinder und ältere Menschen nehmen weniger weite Wege auf sich. Darum muss jedes Quartier einen attraktiven Treffpunkt haben, damit sich die Bewohner nicht weit bewegen müssen», sagt Barthe.