Weiningen
Spitzenjahrgang erwartet - Weiningen macht sich an den Wein

In Weiningen hat die Wümmet begonnen. Dank der Rekordtemperaturen im Sommer erwarten die Winzer einen exzellenten Jahrgang 2015. Trotzdem gibt es auch einen Wehrmutstropfen.

Florian Schmitz
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Wümmet Weiningen
8 Bilder
Gefüllte Kisten kommen zum Traktor, der diese anschliessend runter ins Dorf fährt.
Der Traktor ist bereits gut beladen.
Gemütliches Beisammensein zum Zvieri.
Zwischen den Reben ist die Pause gleich doppelt entspannt.
Robin Haug kommt mit dem Traktor beim Weinkeller im Dorf an.
Anschliessend kommen die Beeren über die Traubenmühle (im Bild) und die Presse...
...in die grossen Tanks im Weinkeller.

Wümmet Weiningen

Florian Schmitz

Das Jahr 2015 wird den Weinbauern im Limmattal und landesweit noch lange in Erinnerung bleiben. Der Hauptgrund dafür ist höchst erfreulich, denn seit dem Rekordsommer 2003 wurden die Trauben nicht mehr derart von der Sonne verwöhnt. «Die Qualität wird 2015 sehr gut. Wir erwarten einen etwas schwereren und gehaltvolleren Wein als üblich», sagt Robin Haug vom Weingut Haug aus Weiningen.

Das liegt am hohen Zuckergehalt, der in sogenannten Öschlegraden gemessen wird. «Normalerweise hat etwa ein Riesling-Sylvaner zwischen 76 und 82 Öchsle, in diesem Jahr hingegen rund 86 bis 90», sagt Haug. Dieser Wert sei schon nah an der oberen Grenze, denn neben dem Zuckergehalt benötigt der Wein auch eine optimale Säurestruktur.

Die Haugs haben dieses Jahr bereits Anfang September die ersten Trauben für Riesling-Sylvaner abgeschnitten. «Wir sind etwa zwei bis drei Wochen früher dran als gewohnt», sagt Haug. «Die Ernte läuft bisher reibungslos, wir haben wenig Essig und Fäulnis». «Essig» ist eine Traube, wenn sie nicht mehr gesund ist und deshalb nach Essig schmeckt. Alle ungesunden Beeren müssen von Hand aussortiert werden und erhöhen so den Aufwand der Ernte deutlich. «Letztes Jahr mussten wir viel mehr wegschneiden und brauchten teilweise doppelt so lange», so Haug.

Dank den heissen Temperaturen blieb auch das Aufkommen der Kirschessigfliege, die über reife Trauben herfällt und diese ungeniessbar macht, deutlich hinter den Befürchtungen zurück. «Bei Temperaturen über 32 Grad werden die Männchen steril und die Populationen der Fliege bleiben viel kleiner», erklärt Haug.

Spritzmittel sorgt für Ernteausfälle

In vielen Rebbergen wurde im vergangenen Herbst das von der Firma Bayer hergestellte Spritzmittel Moon Privilege zur Bekämpfung der Graufäule eingesetzt. Doch nach der Verwendung sind vielerorts teils massive Schäden an Trauben und Blättern aufgetreten. Zurzeit klagt der Schweizer Weinbau-Verband gegen den Konzern und fordert eine Entschädigung für die Ernteausfälle. Bayer schreibt in einer Medienmitteilung, man stehe «in engem Kontakt zu Weinbauern, Lieferanten und Pflanzenschutz-Beratern», aber konkrete Zusagen wurden bisher keine gemacht. Auch im Limmattal sind viele Weinbauern betroffen. Die Familie Haug hatte allerdings Glück, sie setzte ein anderes Spritzmittel ein.

Im Rebberg

Im Weingut der Familie Haug ist die Stimmung am Nachmittag gut. Ein paar Helfer schleppen gerade mit Trauben gefüllte Plastikkisten zum bereits gut beladenen Traktor. Jetzt geht es in die Pause. Zum Zvieri wird gemeinsam Kaffee getrunken und Dora Haug, Robins Mutter, tischt Kuchen dazu auf. Neben der Familie helfen viele jüngere Pensionierte mit, die teilweise auch wieder Freunde mitbringen. «Unsere Helfer sind ein zusammengewürfeltes Grüppchen, das sich gut versteht», sagt Haug. Der Lohn für die Arbeit wird in Naturalien ausbezahlt – pro Stunde gibt es eine Flasche Wein.

Bis man sich selbst von der Qualität des 2015er-Jahrgangs überzeugen kann, dauert es noch bis zum nächsten Frühjahr. Am kommenden Wochenende kann auf dem Weingut Haug beim Sauserfest aber schon der neue Traubensaft in verschiedenen Gärstufen zu Musik und Leckereien degustiert werden.