Limmattal

Spitex-Präsident gibt Amt nach Durchführung grosser Reformen ab

Paul Studer habe bei Antritt des Spitex-Präsidiums nicht gewusst, um welch eine wunderbare Organisation es sich handelt.

Paul Studer habe bei Antritt des Spitex-Präsidiums nicht gewusst, um welch eine wunderbare Organisation es sich handelt.

Für viele ältere Menschen wäre ein Leben in den eigenen vier Wänden ohne die Unterstützung der Spitex nicht möglich. Paul Studer sieht nun, da die grossen Reformen vorüber sind, den Zeitpunkt für seinen Abgang nach zehn Jahren Amtszeit.

Als er im Jahr 2005 das Präsidium des Vereins Spitex rechtes Limmattal übernahm, da sei ihm gar nicht bewusst gewesen, welch eine sinnvolle Organisation dies sei. Nun, zehn Jahre später, nimmt der umtriebige Paul Studer den Hut und überlässt das Ruder an der Spitze der Spitex dem Unterengstringer Finanzvorsteher René Rey. In der Dekade, in der er die Organisation präsidierte, hat sich diese stark verändert.

«Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als eine Anstellung bei der Spitex als Nebenverdienst für Hausfrauen gedacht war, wird seit einigen Jahren nur noch gut qualifiziertes Personal mit verschiedenen Ausbildungen im Gesundheits- und Pflegebereich angestellt», sagt Studer. Auf die Kosten hatte diese Entwicklung einen Einfluss: Seit seinem Antritt stiegen die Ausgaben um rund 20 Prozent.

Die Rekrutierung von Mitarbeitenden sei zwar nicht ganz einfach. Entgegen dem Fachkräftemangel bei Gesundheitsberufen ortet Studer aber einen Trend hin zu Pflegeberufen. «Längerfristig zeichnet sich eine Entlastung ab.»

Einer der markantesten Einschnitte dürfte für die Spitex wohl die Änderung der Spital- und Pflegefinanzierung gewesen sein. So fielen ab 2011 die Subventionen des Kantons weg, die Gemeinde übernimmt seither das Defizit der Organisation. «Für uns ist dies eine gute Lösung», sagt der 70-jährige Studer. Aus der Perspektive des Oetwiler Gemeindepräsidenten, der er seit 1998 ist, war die Anpassung bei der Spital- und Pflegefinanzierung ebenfalls von Vorteil. «Unterm Strich gibt die Gemeinde viel weniger für Spitex und Altersheime aus, als sie für die Spitalaufenthalte zahlen musste.» Diese entfallen seither auf den Kanton. In anderen Gemeinden hingegen schiessen die Kosten für Pflege in die Höhe, sodass der Verband der Zürcher Gemeindepräsidenten letztes Jahr gar eine Gesetzesänderung verlangte.

Die Anzahl Personen, die in ihrem zu Hause von der Spitex rechtes Limmattal gepflegt werden, ist in den letzten zehn Jahren mit rund 40 Prozent markant gestiegen. Für die Zukunft rechnet Studer damit, dass die Pflegeorganisation noch mehr an Bedeutung gewinnen wird: «Wir erbringen die kostengünstigste Pflegeleistung. Sobald jemand ins Pflege- oder Altersheim überwiesen wird, explodieren die Kosten», so Studer. Nicht nur für Gemeinden und Krankenversicherer, auch für die Klienten der Spitex ist es das Ziel, dass sie so lange wie möglich im gewohnten Umfeld wohnenbleiben können.

Auffallend bei der Entwicklung der Spitex-Klienten ist die Rolle der Ausländer: «In Gemeinden, die mehr Ausländer haben, ist das Bedürfnis nach dem Spitex-Angebot geringer.» Dies habe wohl mit der Kultur der Ausländer zu tun, bei denen sich noch eher die Familienangehörigen um die Eltern und Grosseltern kümmern. «Auch wird oft vergessen, dass wir nicht nur für Senioren da sind, sondern auch Dienstleistungen während Schwangerschaften oder Genesungszeiten bei jüngeren Menschen anbieten.» Auch dies werde künftig wohl an Bedeutung zunehmen.

Nicht nur hat sich die Kostenverteilung und die Grösse der Organisation – mittlerweile sind rund 60 Personen bei der Spitex rechtes Limmattal angestellt – verändert. «Eine der Höhepunkte war sicherlich der Bezug des neuen Sitzes in Weiningen», so Studer. Als er das Präsidium übernommen habe, da hätten die rund 30 Angestellten in einer 4-Zimmer-Wohnung gearbeitet: «Beinahe prekär», nennt Studer die Verhältnisse rückblickend.

Der Hauptsitz ist bezogen, an die neue Finanzierung hat man sich gewöhnt. Warum zieht sich Studer nun, da die stürmischen Zeiten vorbei sind, aus dem Spitex-Vorstand zurück? «Genau aus diesem Grund», sagt er und lacht. Er wollte seinem Nachfolger eine Organisation übergeben, die auf gesunden Beinen steht und keine grösseren Herausforderungen auf sich zukommen sieht. «Genau dies hat sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet.» Sein Amt als Oetwiler Gemeindepräsident sowie der damit verbundene Einsitz in verschiedenen Gremien will Studer hingegen weiterführen.

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