Spital Limmattal
Spitaldirektor Thomas Brack: «Die Welt ist nicht untergegangen»

Drei Monate nach der Einführung des neuen Spitalplanungs- und -finanzierungsgesetzes zieht der Direktor des Spitals Limmattal eine mehrheitlich positive erste Bilanz. Die Einführung der Fallpauschalen war aber von technischen Problemen begleitet.

Bettina Hamilton-Irvine
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Gut unterwegs: Spitaldirektor Thomas Brack findet es richtig, dass Spitäler «wirtschaftlicher werden müssen». Matthias Studer

Gut unterwegs: Spitaldirektor Thomas Brack findet es richtig, dass Spitäler «wirtschaftlicher werden müssen». Matthias Studer

«Wir sind gestartet, es funktioniert und die Welt ist nicht untergegangen», sagt Thomas Brack. Das klingt pragmatisch – und ist es auch. Denn während die Einführung des neuen Systems teilweise hochemotional diskutiert wurde, hat Brack immer für einen nüchternen Umgang mit dem Thema plädiert.

Wer zu früh entlässt, wird gebüsst

Dies gilt auch heute noch. Brack betont dies besonders im Zusammenhang mit den immer wieder befürchteten so genannt «blutigen Entlassungen». Das Spital habe kein Interesse daran, Patienten zu entlassen, die noch nicht bereit dazu seien, sagt er. Schliesslich trage man eine grosse Verantwortung. «Wir verhalten uns gleich wie früher. Die Ärzte entscheiden, wann ein Patient mit gutem Gewissen entlassen werden kann.»

Zudem sind für jeden Fall obere und untere Richtwerte für die Aufenthaltsdauer im Spital definiert worden. «Unterschreiten wir diese Vorgabe, müssen wir eine Busse bezahlen», erklärt Brack. Natürlich versuche das Spital aus Gründen der Kosteneffizienz, die Länge des Aufenthalts eher im unteren Bereich zu halten. Doch tue man sich auch aus finanziellen Gründen keinen Gefallen, wenn man die Patienten zu früh nach Hause schicke, so Brack. Denn: Kommt es kurz nach der Entlassung zu einem Wiedereintritt aufgrund von Komplikationen, so erfolgt die Verrechnung immer noch über den gleichen Fall.

Rückstau bei den Rechnungen

Die Einführung der Fallpauschalen als zentrales Element des neuen Spitalfinanzierungsgesetzes erachtet Brack nach wie vor als «grundsätzlich sinnvoll», wie er sagt. «Ich finde es richtig, dass die Spitäler damit wirtschaftlicher werden müssen. Wir machen einen Schritt in die richtige Richtung.» Für die Ärzte sei diesbezüglich eine Veränderung des Bewusstseins im Gange: «Jede Aktion muss unmittelbar einen Effekt haben.» Dass man Untersuchungen nur nach dem Motto «Nützt es nichts, so schadet es nichts» durchführe, liege nicht mehr drin.

Dies scheint zu funktionieren: Von den Patienten habe er bisher noch keine einzige negative Reaktion auf die Einführung des neuen Systems erhalten, sagt Brack – jedoch auch keine positive, wie er lachend zugibt. Dies sei aber zu erwarten gewesen: «Wenn eine Veränderung keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Patienten hat, dann interessiert es die meisten davon auch nicht besonders.»

Unmittelbare Auswirkungen hat die Umstellung auf die Fallpauschalen jedoch auf das Personal – vor allem auf die Personen, die in der Administration arbeiten und für Codierungen und Fakturierungen zuständig sind. «Sie spüren im Arbeitsalltag die grösste Veränderung», so Brack. Erschwerend kam dazu, dass die Umstellung auf das neue System Anfang Jahr von gravierenden technischen Problemen begleitet wurde. Da die Software nicht bereit war, konnte das Spital Limmattal bis Mitte Februar keine Fälle codieren. Entsprechend verzögerte sich auch die Fakturierung: Es gab einen Rückstau, erst Anfang März konnten die ersten Rechnungen verschickt werden.

Noch keine Auswertung möglich

Finanziell kommt das «Limmi» damit noch lange nicht in eine Notlage, wie Brack sagt: «Es gibt zwar eine Verzögerung. Doch wir haben dafür gesorgt, dass wir nicht in einen Liquidationsengpass laufen.» Jedoch hätten die technischen Probleme, mit denen auch einige andere Spitäler zu kämpfen hatten, zu grossem Stress und einem enormen personellen Zusatzaufwand geführt. Zudem habe man aufgrund der Verzögerung nun noch keinen Datensatz, den man auswerten und nach allfälligen Systemfehlern untersuchen könne, erklärt der Spitaldirektor. Eine systematische Auswertung sollte ab Mai möglich sein.

Doch Brack und sein Team müssen auch weiterhin flexibel bleiben: In den nächsten Monaten stehen noch diverse Anpassungen, Veränderungen und nicht zuletzt politische Entscheide an. Dazu gehört die definitive Festsetzung des Basistarifs für einen Standardfall, der zurzeit provisorisch festgesetzt ist, der Entschluss darüber, welche Daten die Spitäler den Krankenkassen übermitteln müssen und nicht zuletzt, im Juni, die Volksabstimmung über das neue Spitalplanungs- und -finanzierungsgesetz.