Spital Limmattal

Spitaldirektor Thomas Brack: «Das System ist nicht am Anschlag»

Ist vorbereitet: Spitaldirektor Thomas Brack.

Ist vorbereitet: Spitaldirektor Thomas Brack.

Am Spital Limmattal werden derzeit mehr Covid-19-Patienten behandelt als vor drei Wochen – aber noch immer deutlich weniger als im März und April: Limmi-Direktor Thomas Brack ist deshalb derzeit vorsichtig optimistisch.

Das Spital Schwyz gelangt mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit. Im Wallis schreibt der Spitalverband, dass die Schnelligkeit und die Zunahme von Covid-19-Fällen mit Komplikationen alarmierend seien. Bei den Uni-Spitälern in Lausanne und Genf hat sich die Zahl der Coronapatienten innert einer Woche verdoppelt. Am Spital Limmattal werden wieder mehr Covid-19-Erkrankte behandelt. Von einer Überlastung des Gesundheitswesens könne aber noch keine Rede sein, sagt Limmi-­Direktor Thomas Brack.

Die Zahl der positiv Getesteten steigt enorm. Spürt dies das Limmi?

Thomas Brack: Derzeit behandeln wir zwölf Personen, eine davon auf der Intensivpflegestation (Stand Mittwoch, 21. Oktober). Das sind zwar auf den ersten Blick gleich viermal mehr als vor drei Wochen. Aber viermal von wenig ergibt noch nicht sehr viel. Im Moment sind wir von den Zahlen vom März und April weit entfernt. Im Maximum wurden damals sechs Patientinnen und Patienten gleichzeitig auf der Intensivstation beatmet, hinzu kamen über 20 weitere Covid-19-Patienten in den Stationen. Überlastet waren wir dennoch nicht.

Die Zahlen dürften jetzt aber weiter steigen...

Ja, wir gehen von einer weiteren Zunahme aus. Doch wie gross diese ausfallen wird, lässt sich heute nicht sagen. Es ist noch immer so, dass die Zahl der Hospitalisierungen inzwischen im Kanton Zürich zwar ansteigt, aber im Verhältnis nicht so stark zunimmt wie die Zahl der positiv getesteten Personen. Zudem haben Kanton und Bund erst in den vergangenen Tagen neue Massnahmen ergriffen. Wie sich diese auswirken, ist offen. Wir verfolgen die Situation genau.

Müssten jetzt nicht wieder vorsorglich weitere Kapazitäten für Covid-19-Patienten geschaffen werden?

Das Spital Limmattal kann bei Bedarf rasch reagieren. Wir werden aber erst reagieren, wenn es nötig ist, nicht im Voraus. Derzeit können wir den Spitalbetrieb ganz normal weiterführen. Einschränkungen gibt es keine. Abgesehen natürlich von den Schutzmassnahmen wie der Maskenpflicht, die sich aber längst eingespielt haben und auf dem Spitalcampus zur Normalität geworden sind. So müssen sich Patientinnen und Patienten im Spital auch keine Sorgen bezüglich einer Ansteckung machen. Das Gesundheitswesen ist trotz steigender Covid-19-Fallzahlen nicht am Anschlag.

Dass nicht dringende Operationen wieder verboten werden, glauben Sie nicht?

Davon gehen wir im Moment noch nicht aus. Die Zürcher Spitäler arbeiten eng zusammen und werden auch Patienten unter sich aufteilen. Ein Spital soll nicht viele Covid-19-Patienten behandeln müssen, während ein anderes keinen einzigen aufweist. Die Last soll gleichmässig verteilt werden, damit das Gesamtsystem im Kanton Zürich möglichst lange normal weiterbetrieben werden kann. Dass wieder alle sogenannten elektiven Behandlungen und Operationen eingestellt werden müssen, glaube ich im Moment nicht. Bei einer weiteren Zunahme der Fallzahlen ist das Limmi aber vorbereitet, allenfalls einzelne geplante Eingriffe oder Behandlungen zu reduzieren. So könnte beispielsweise Personal von einer Abteilung frei werden und zur Betreuung von Covid-19-Patienten eingesetzt werden. Aber solche gezielten, auf einzelne Bereiche beschränkten Massnahmen sind noch kein Thema.

Dann ist die derzeitige Entwicklung gar nicht schlimm?

Es gilt, die Situation ernst zu nehmen, ich verharmlose sie nicht. Doch das Zürcher Gesundheitswesen ist aus heutiger Sicht darauf vorbereitet, und es kann auch noch reagieren. Dies aber nur, wenn sich alle an die bekannten Hygiene- und Distanzregeln halten. Wie sich die Situation in zwei, drei Wochen präsentiert, ist ungewiss. Ich persönlich blicke auch jeden Morgen auf die aktuellsten Zahlen, um zu sehen, ob alles noch im grünen Bereich liegt oder ob wir nicht doch bereits reagieren müssen.

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