«LimmiViva»
Spitalarchitekt Nils Eichbaum: «Man muss hart, aber fair sein»

Der neue Spitalarchitekt Nils Eichbaum erklärt, wie der Totalunternehmer bei der Erstellung des Neubaus «LimmiViva» auf den Spitalbetrieb Rücksicht nimmt.

Florian Niedermann
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Nils Eichbaum ist der neue Spitalarchitekt des Limmattal Spitals und managt das Neubauprojekt «LimmiViva».

Nils Eichbaum ist der neue Spitalarchitekt des Limmattal Spitals und managt das Neubauprojekt «LimmiViva».

Florian Niedermann

Herr Eichbaum, als sie das Neubauprojekt «LimmiViva» im November übernommen haben, war die Planung schon sehr weit gediehen. Sie werden nun vor allem mit der Umsetzung betraut sein. Warum interessierte Sie diese Aufgabe?

Nils Eichbaum: Zunächst ist ein solches Projekt sehr komplex, was es für mich enorm spannend macht. Ein Neubauprojekt mit einem Volumen von 270 Millionen Franken ist eine grosse Herausforderung für jeden Projektmanager. Und schliesslich hatte ich zwar schon bei diversen grosse Hoch- und Tiefbauvorhaben die Gesamtprojektleitung inne, jedoch bisher noch nicht bei einem Spitalneubau.

Ihr Vorgänger, Roman Steinemann, hatte bereits Erfahrung mit Bauprojekten im medizinischen Bereich. Wie kompensieren Sie diesen Mangel?

Ich glaube nicht, dass die fehlende Praxis bei Spitalprojekten bei meiner Aufgabe ein Handicap ist. Ich habe hier ein sehr gutes Team. Darin sind Fachleute vertreten, die sich mit Arbeitsabläufen und der Medizinaltechnik sehr gut auskennen. Mein Job ist die Koordination und das Management der Umsetzung auf Bauherrenseite. In allen anderen Dingen unterstützen mich meine Spezialisten.

Wie der Spitalbetrieb funktioniert, brauchen sie also nicht zu wissen?

Der neue Spitalarchitekt - Auf den Flughafen folgte das «Limmi»

Nils Eichbaum trat am ersten November die Nachfolge von Roman Steinemann als Spitalarchitekt beim Spital Limmattal an. Er ist damit zuständig für die weitere Begleitung des Neubauprojekts «LimmiViva» auf Bauherrenseite. Zuvor arbeitete Eichbaum während fast 16 Jahren am Flughafen München als Bauprojektmanager, wo er zahlreiche Projekte realisierte. Unter anderem war er federführend in der Realisierung des Terminals 2 mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro. (fni)

Doch. Es ist mir sehr wichtig, die Dinge zu verstehen, die wir umsetzen. Deshalb bin ich daran, mich in einige Themen zu vertiefen. Das heisst, dass ich etwa die Arbeitsabläufe bei Operationen und in anderen Betriebsbereichen in den jeweiligen Abteilungen mitverfolge.

Zuvor koordinierten Sie Bauvorhaben am Flughafen München. Worin unterscheidet sich ihre Arbeit beim Neubau «LimmiViva» gegenüber den dortigen Projekten?

Ich habe hier ein kleineres Team. Das liegt auch daran, dass wir mit einem Totalunternehmer zusammenarbeiten, der uns das Architekturprojekt und seine Umsetzung liefert. Auf dem Flughafen musste mein Team immer zwischen den Architekten und den Generalunternehmern oder gar einzelnen Subunternehmern koordinieren. Hier liegt hingegen die gesamte Planung beim Totalunternehmer Losinger Marazzi.

Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Ich empfinde es als etwas Positives. Man hat so nur eine Schnittstelle, mit der wir als Bauherren verhandeln müssen. So ist die teilweise mühsame Dreiecksbeziehung zwischen Planern, Unternehmern und Bauherren mit ihren jeweiligen Interessen etwas entschärft.

Herr Steinemann sagte in einem Interview im Dezember, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Totalunternehmer Losinger Marazzi nicht immer einfach gestaltete. Er kritisierte, dass dieser etwa bei Änderungen im Raumprogramm unflexibel reagierte. Wie werden Sie damit umgehen?

In der gegenwärtigen Planungsphase, die wir im Verlauf des Jahres abschliessen werden, sind Optimierungen ganz normal. In der Umsetzungsphase sind Änderungen aber meist mit Zusatzkosten verbunden. Deshalb ist es bei solchen Projekten wichtig, dass bei der Planung möglichst viel geklärt und definiert wird.

Das heisst, Herr Steinemann focht die Kämpfe aus und Sie können nun zur Kür antreten.

So ist das natürlich nicht. Ein gewisses Konfliktpotenzial birgt unser Vorhaben auch weiterhin. Denn das Verhältnis zwischen dem Projektmanagement der Bauherren und dem Totalunternehmer ist wie eine zwischenmenschliche Partnerschaft. Beide Seiten vertreten ihre Interessen. Dass es dabei auch zu Unstimmigkeiten kommen kann, ist völlig normal. Wichtig ist, dass sich die Fronten nicht verhärten. Schliesslich hat man ein gemeinsames Ziel. Man muss hart, aber fair sein.

Wo bestehen in der Umsetzungsphase Reibungsflächen, wie sie in der Planungsphase zu Konflikten geführt haben?

Darin, dass wir hier unmittelbar neben einem in Vollbetrieb befindlichen Spital bauen – also eigentlich am offenen Herzen operieren. Das bedingt eine extrem sorgfältige Planung der Bautätigkeit, des Umzugs und des Probebetriebs im neuen Gebäude.

Wie weit kann man beim Bau überhaupt Rücksicht auf den Spitalbetrieb nehmen?

Der Totalunternehmer ist vertraglich verpflichtet, in Bezug auf Lärm, Erschütterungen und Staub Rücksicht zu nehmen, so weit es geht. Wenn bestimmte Grenzwerte überschritten werden, wird eine Alarmierungskette ausgelöst. Dann muss Losinger Marazzi reagieren, die Arbeit unterbrechen und etwa mit weniger Druck Bohren oder die Lärmemissionen eingrenzen.

Kann man sich diese Verzögerungen leisten?

Diese Eventualfälle wurden im Zeitplan bereits berücksichtigt. Ein Bauvorhaben in der Zürcher Innenstadt kann auch sehr sensibel sein, was Lärm und Erschütterungen angeht. Von solchen Projekten hat Losinger Marazzi die nötige Erfahrung, um die entsprechenden Verzögerungen abschätzen zu können.

Wo steht man derzeit im Zeitplan? Wann werden die ersten bestehenden Gebäude abgerissen?

Anfang März beginnt wie geplant die Bauphase. Dann beginnen wir zügig mit dem Abriss des Theodosianums und der weiteren Gebäude neben dem Akutspital. Parallel dazu wird die Baugrube ausgehoben.

Der zweite Wert, an dem Ihre Arbeit gemessen wird, sind die Kosten. Werden Sie den Kredit von 270 Millionen einhalten können?

Ja. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass Mehrkosten entstehen.