Wie gut müssen Ärzte die entsprechende Schweizer Landessprache beherrschen? Im Spital Limmattal können trotz fehlender Vorschrift schon heute alle Ärzte Deutsch. Das erklärt Matthias Gehring, Leiter Human Resources am Spital Limmattal, auf Anfrage.

Die Deutschkompetenzen der «Limmi»-Ärzte sind in der Schweiz nicht selbstverständlich. Bislang muss nämlich, wer in einem Deutschschweizer Spital arbeiten will, keinen Nachweis erbringen, Deutsch auch zu beherrschen.

Mangelt es aber an einer sauberen Kommunikation, stellt dies ein Sicherheitsrisiko dar. Kein Wunder, beschäftigt die Sprachenfrage nicht nur Patienten. Auch die Parlamentarier in Bern diskutieren derzeit, ob Sprachhürden für die Zulassung von ausländischen Medizinern eingeführt werden sollen.

Ob sich National- und Ständerat für oder gegen härtere Regeln entscheiden werden, ist noch offen.

Erst gerade in der Wintersession hatte es der Ständerat abgelehnt, bei der Sprachkompetenz ausländischer Ärzte hohe Hürden zu errichten. Er will es dem Bundesrat überlassen, ob dieser auch Ärzten mit schlechten Kenntnissen einer Landessprache eine Zulassung ermöglichen will.

Am Spital Limmattal gehen jährlich rund 50 Bewerbungen von Medizinern ohne deutsche Sprachkenntnisse ein. Sie alle werden laut Matthias Gehring abgelehnt. Die Interessenten kämen meistens aus dem südlichen Europa, Nordafrika oder Lateinamerika.

Gute Deutschkenntnisse seien wichtig für die Kommunikation mit dem Patienten, so Gehring. Bei der Erklärung der Diagnose, der Behandlung und der Selbsttherapie sei es wichtig, dass es keine Missverständnisse zwischen Arzt und Patient gebe.

Aber nicht nur in der Beziehung Arzt/Patient muss es stimmen. Auch in der Weiterbildung der Ärzte sei die deutsche Sprache wichtig. Und nicht zuletzt für den Austausch in den jeweiligen Fachschaften unabdingbar.

Die Kommunikation mit anderen Kliniken und die Schulung von Assistenzärzten erfolge ebenfalls in einer Landessprache. Aus all diesen Gründen müssen die «Limmi»-Ärzte auch schriftliche Sprachkompetenzen nachweisen. Gehrig: «Auch schriftlich können sich unsere Ärzte fehlerfrei ausdrücken.»

Wie beurteilt die Patientenstelle Zürich die Notwendigkeit von einwandfreien Sprachkenntnissen bei Ärzten? Ob strengere Vorschriften nötig seien, könne sie nicht beurteilen, sagt Erika Ziltener, Präsidentin der Patientenstelle.

Auch wie oft sich Patienten tatsächlich missverstanden fühlten, könne sie nur schwer einschätzen. Ihr ist jedoch ein Fall aus einem Landspital bekannt, bei dem eine Operationspflegefachfrau aus China eingesetzt worden ist, weil zu diesem Zeitpunkt keine andere Fachkraft zur Verfügung stand. Sie verfügte über keinerlei Deutschkenntnisse.

Einfachere Sprachprobleme würden in den Spitälern jeweils ad hoc gelöst, sagt sie. Aber beispielsweise für Aufklärungsgespräche würden interne Übersetzer beigezogen, falls der zuständige Arzt kein Deutsch spreche.

Limmattal unter Durchschnitt

Im nationalen Durchschnitt liegt der Ausländeranteil bei Ärzten bei 41 Prozent, wie Zahlen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2012 zeigen.

Je nach Region gibt es aber Unterschiede. In der Westschweiz und im Tessin beträgt der Ausländeranteil des Spitalpersonals jeweils über 40 Prozent und ist somit am höchsten. Am tiefsten ist er in der Zentralschweiz mit 22 Prozent.

Im Spital Limmattal stammt ein Drittel der Ärzteschaft aus dem Ausland, wie Gehring bestätigt. Die meisten von ihnen sind ursprünglich aus Deutschland, wodurch der grösste Teil der Mediziner sowieso Deutsch als Muttersprache hat.