Haarige Spinnen in giftigen Farben und gefährlich anmutende Skorpione, so weit das Auge reicht: Die Dreifachturnhalle auf dem Kasernenareal in Birmensdorf verwandelte sich gestern während der Spinnen- und Insektenbörse in ein Paradies für Krabbeltier-Sammler. Aus allen Ecken der Schweiz sind die Besucher angereist, um die Exoten in Gläsern und Terrarien zu begutachten und sich über ihr Hobby auszutauschen.

Eine der jüngsten Gäste ist die 5-jährige Leonie aus Basel, die gemeinsam mit ihren Eltern Katja und Thomas Krütli interessiert die verschiedenen Stände betrachtet. In ihrer Hand hält sie bereits einen Sack voller Insekten.

Sie dienten den Spinnen und Skorpionen zu Hause als Futter, erklärt sie stolz. Angst vor den Tieren hat Leonie keine, auch nicht vor Schlangen und Echsen. Ihre Tochter sei damit gross geworden, erklärt Mutter Katja. Sie selbst kenne ebenfalls keine anderen Haustiere und habe mit ihrer Faszination für Spinnen und Skorpione auch schon ihren Mann angesteckt.

Extrareisen in die Wüste

Tatsächlich scheinen jene, die einmal einen Narren an den kleinen Hausbewohnern gefressen haben, nicht mehr so schnell davon loszukommen. Aussteller Giorgio Molisani aus Bürglen hat mittlerweile schon aufgegeben, alle seine Tiere zu zählen. Inzwischen habe er sogar den Dachboden ausbauen müssen, weil er im Keller keinen Platz mehr hat, um andere Dinge zu verstauen: Der Raum gehört alleine seinen Skorpionen.

Für spezielle Arten, die es nirgends zu kaufen gibt, reist er auch schon einmal um die halbe Welt. Tagelang habe er schon in der Wüste nach Skorpionen gesucht. «Es ist faszinierend, dass sich die Skorpione dann auch bei mir zu Hause wohlfühlen», sagt er. Denn grosse Ansprüche hätten die Tiere nicht.

Das Wichtigste sei, dass sie alleine gehalten werden. Hinzu kommt zwei Mal in der Woche die Fütterung der Tiere. Das ganze Unterfangen koste ihn jedes Mal einen ganzen Tag, so Molisani.

Erlös für Naturschutzprojekt

Den Erlös der Insekten- und Spinnenbörse will Organisator Bastian Rast für ein Naturschutzprojekt nutzen. Im Reppischtal soll eine Begegnungszone geschaffen werden, in der man Spinnen beobachten kann. Tafeln sollen helfen, sich über die Tiere zu informieren. Wichtig sei dabei, dass gewisse Verhaltensregeln eingehalten würden, so Rast. Wer beispielsweise einen Stein aufhebe, um eine Spinne zu beobachten, müsse diesen auch wieder an denselben Platz zurücklegen.

Für das Projekt werden insgesamt 15 000 Franken benötigt. Rast hofft nun noch auf Unterstützung von Kanton und Bund. Mit der Messe selbst schätzt er, ungefähr 4'000 Franken einzunehmen.

Tatsächlich ist die Messe gut besucht und fast jeder trägt eine Plastiktüte mit einer Spinne oder einem Skorpion nach draussen. Marco Fürsinger hat sich soeben eine neue Vogelspinne gegönnt. Kostenpunkt: 70 Franken.

Es sei seine Sechste, sagt der Basler voller Freude. Sein Kollege Davide Fresta kann da nur den Kopf schütteln. Er ist lediglich als Begleitung nach Birmensdorf mitgekommen und ist froh, mit den Tieren selbst nichts am Hut zu haben.

Eine wirkliche Gefahr für den Menschen geht von den Spinnen trotz ihrer Giftigkeit nicht aus. Die Aussteller haben zudem gut vorgesorgt: An diesem Nachmittag in Birmensdorf ist kein einziges Tier zu sehen, das nicht sicher hinter einer Glas- oder Plastikscheibe verstaut ist.