Limmattal
Spielzeugwaffen an der Kinderfasnacht: Verbot schiesst über das Ziel hinaus

In einigen Primarschulen und Kindergärten in den Kantonen Zürich, Zug und Thurgabu wurden Spielzeugwaffen an der Kinderfasnacht verboten. In der Region werden sie hingegen weiter erlaubt sein an der Fasnacht.

Alex Rudolf
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Seit sich Kinder verkleiden, ist bei den Jungen – und einigen Mädchen – der Wunsch nach martialischen Kostümen vorhanden. Ein Krieger muss mit Schwert, ein Cowboy zwingend mit Revolver und ein Indianer mit Pfeil und Bogen ausgerüstet sein, so will es die Tradition. Geht es nach einem Bericht der «SonntagsZeitung», sollen diese Bilder aber bald der Vergangenheit angehören. Denn an verschiedenen Kindergärten und Primarschulen in den Kantonen Zürich, Zug und Thurgau erhielten die Eltern einen Brief mit dem Verweis, dass solche Accessoires an den diesjährigen Kinderfasnachtsfeierlichkeiten verboten seien. Erwünscht hingegen sei das Erscheinen als Zauberer, Prinzessin oder Fee. Ebenfalls können sich die Kinder als Tier, Blume oder Früchtchen verkleiden, wie die Zeitung weiter schreibt.

Der Leiter der Dietiker Schulabteilung, Gerold Schoch, kennt dieses Problem an seinen Schulen nicht. Man habe in Dietikon den Vorteil, dass sich die Lehrpersonen klassenweise ein Thema für den Kinderfasnachtsumzug ausdenken und die Schülerinnen und Schüler dann alle passend zu diesem Thema verkleidet am Fest erscheinen. «Natürlich geht keine Klasse geschlossen als Gauner mit Spielzeugpistolen ausgestattet», sagt er.

Generell gelte auf den Dietiker Pausenhöfen jedoch ein Spielzeugwaffenverbot. Schoch verweist darauf, dass es ohnehin illegal sei, Waffen zu besitzen, die aussähen wie echte Geschosse. Dass Kinder mit den erlaubten roten oder grünen Spielzeugwaffen in der Schule aufkreuzen, sei ihm bisher noch nicht zu Ohren gekommen. Die Medienresonanz auf das Verbot von Spielzeugwaffen an der Fasnacht werde man an der nächsten Schulleiterkonferenz sicherlich diskutieren. Generell findet Schoch aber, dass man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten sollte. «Das Spiel mit Spielzeugschwertern etwa ist nicht mit dem Kampf mit verbotenen Handfeuerwaffen-Imitaten gleichzusetzen», so Schoch.

Kinder können reflektieren

Auf das generelle Spielzeugwaffenverbot auf dem Pausenplatz verweist auch die Weininger Schulleiterin Susan Baader. «Falls ein Kind trotzdem mit einem Geschoss oder etwas Ähnlichem aufkreuzen würde, dann ist es zentral, ihm genau zu erklären, warum wir nicht wollen, dass es damit spielt», sagt sie. Denn: Kinder könnten solche Themen reflektieren und zwischen Spiel und Ernst unterscheiden. Sie findet jedoch, dass es einen Unterschied macht, ob Kinder an der Fasnacht oder an einem normalen Tag mit Spielzeugwaffen spielen. «An der Fasnacht gehört es dazu, aus seiner Rolle auszubrechen und etwas anderes zu verkörpern», sagt sie.

Heidi Dällenbach, Leiterin des Kindergartens Urdorf, ist in der Frage, ob Spielzeugwaffen erlaubt oder verboten sein sollen, zwiegespalten. Wenn die Kinder solche Spielzeuge mit in die Schule nehmen, dann versuchte sie jeweils zu erklären, dass dies die Imitation eines seriösen Gewaltaktes sei. «Ein gänzliches Verbot von Spielzeugwaffen unterstütze ich jedoch nicht. Man weiss, dass Verbotenes immer interessanter als Erlaubtes ist», so Dällenbach. Dass man diese Art von Spiel verbietet, hält sie daher für über das Ziel hinausgeschossen: «Es ist vertretbar, wenn die Kinder diese Art von Kampf zum Beispiel an der Fasnacht massvoll ausleben können», so Dällenbach.