Fahrweid
«Spielgruppe Plus»: Kinder lernen spielerisch, Dialekt zu sprechen - mit Erfolg

Die ersten Kinder, welche bereits zwei Jahre lang die «Spielgruppe Plus» besuchten, wechseln nach den Sommerferien in den Kindergarten. Die Leiterin der Spielgruppe Cornelia Jakob zieht Bilanz und ist sehr erfreut über die Fortschritte der Kinder.

Sandro Zimmerli
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Cornelia Jakob setzt zur Sprachförderung Bilderbücher ein.

Cornelia Jakob setzt zur Sprachförderung Bilderbücher ein.

Limmattaler Zeitung

Die ersten Kinder haben die Znünipause beendet. Sie stehen am Lavabo und putzen sich die Zähne. Bevor sie auf den Pausenplatz dürfen, kontrolliert Cornelia Jakob, ob die Zahnreinigung auch gründlich durchgeführt wurde. Sie hat nichts zu beanstanden. Die Kinder sind sich das Ritual bereits gewohnt. Es gehört zu den festen Abläufen in der «Spielgruppe Plus» im Schulhaus Fahrweid (siehe Box).

Breit abgestütztes Angebot

Die «Spielgruppe Plus» wurde vor zwei Jahren von der Primarschule Oetwil-Geroldswil lanciert. Im ersten Betriebsjahr wurde sie über das Budget für das Projekt «Qualität in multikulturellen Schulen» finanziert und vom Kanton mitunterstützt. Seit diesem Schuljahr beteiligen sich auch die Gemeinden Weiningen und Geroldswil an der Finanzierung.

«Ein strukturierter Ablauf ist für die Kinder wichtig, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen», sagt Jakob. Seit zwei Jahren leiten Cornelia Jakob und Ursi Wyss die «Spielgruppe Plus». Wie andernorts werden die Kinder auch dort auf den Eintritt in den Kindergarten vorbereitet. Zusätzlich wird das Angebot jedoch durch eine gezielte Sprachförderung für Kinder ergänzt, die sich in der hiesigen Sprache noch nicht genügend zurecht finden. Insgesamt besuchen 18 Kinder zwei Mal die Woche die «Spielgruppe Plus». Sie sind in zwei Gruppen aufgeteilt.

Die ersten Kinder haben die «Spielgruppe Plus» nun während zweier Jahre besucht. Nach den Sommerferien wechseln sie in den Kindergarten. Für die Verantwortlichen bietet dies Gelegenheit, eine erste Bilanz zu ziehen. Und diese fällt positiv aus. «Es ist frappant, welche Entwicklung die Kinder in diesen zwei Jahren gemacht haben», sagt Jakob. Viele hätten beim Eintritt in die Spielgruppe kaum ein Wort Deutsch gesprochen. Überhaupt seien sie schüchtern gewesen und hätten für sich alleine gespielt.

Singen und Spielen

Davon ist jetzt keine Spur mehr. Es ist eine lebhafte Gruppe, die von Cornelia Jakob und ihrer Kollegin Ursi Wyss betreut wird. Das ist auch gewollt. Denn die Sprachvermittlung in der «Spielgruppe Plus» läuft einerseits über das gemeinsame Singen und andererseits über verschiedene Spiele. So müssen die Kinder beispielsweise erklären, was auf dem Bild falsch ist, auf dem man eine Person sieht, die sich die Haare mit einer Zahnbürste kämmt. «Neben solchen Spielen versuchen wir mit den Kindern über ganz alltägliche Dinge zu sprechen», sagt Wyss. Wichtig sei, dass man ihnen genug Zeit lasse und sie nicht dränge, etwas zu lernen. «Wir wollen ihnen Sicherheit vermitteln», hält Wyss fest. Zudem, so Jakob, sei es wichtig, dass man gewisse Spiele oder Lieder ständig wiederhole. «So lernen die Kinder sehr schnell, Dialekt zu sprechen», sagt Jakob.

Nicht nur für Fremdsprachige

Die Leiterinnen betonen jedoch auch, dass sich die «Spielgruppe Plus» nicht nur an fremdsprachige Kinder richtet. «Die Spielgruppe ist auf die Strukturen des Kindergartens ausgerichtet. Kinder, die die Spielgruppe besuchen, kennen also die Abläufe des Kindergartens schon», sagt Jakob. Selbst für die Eltern biete die Spielgruppe eine Chance. «Auch sie lernen den Betrieb des Kindergartens frühzeitig kennen», so Wyss.

Auch bei der Schulpflege ist man zufrieden. «Es ist aussergewöhnlich, dass eine Schulgemeinde ein Vorschulangebot lanciert und auch noch mitfinanziert. Das gab anfänglich zu reden. Doch nach unseren positiven Erfahrungen wird das nicht mehr infrage gestellt», sagt Schulpflegerin Monika Manfredi. Man sei vom Konzept der «Spielgruppe Plus» überzeugt.

Am Mittwoch, 23. Mai, findet um 19.30 Uhr im Singsaal Fahrweid ein Informationsabend zur «Spielgruppe Plus» statt. Eltern können ihre Kinder bis zum 5. Juni für kommendes Schuljahr anmelden.