Was Paul und Milos zeigen, ist nicht spektakulär – aber echt. Es sind Einblicke in den Alltag eines Schülers auf Lehrstellensuche und eines Metzgerlehrlings, beide aus Schlieren. Ein ganz gewöhnlicher Wochentag: mit Aufstehen in aller Herrgottsfrühe und Spiegelei und Kakao zum Zmorgen, mit Mittagessen im McDonald’s, mit Cervelats-Wursten und Landjäger-Räuchern, Fahrschule am Nachmittag und Sport am Abend. Rund 16 Minuten Film unter dem Namen «Mein Schlieren – die Reportage».

Das Unspektakuläre ist volle Absicht. «Der Film zeigt, wie normal die Jugend von heute ist, auch wenn in den Medien oft ein anderes Bild gezeichnet wird», sagt Christoph Hak, Bereichsleiter Fachstelle Jugend, der das Projekt betreut hat. Nicht jeder Vorstadtjugendliche sei böse und führe ein actionreiches Leben. «Der Film gibt ausserdem Einblick in eine Welt, die den meisten Erwachsenen verschlossen bleibt.»

«Jeden Tag etwas erwachsener»

Ziel des Filmprojekts war laut Hak die Auseinandersetzung mit dem Alltag und der Lebenswelt der Jugendlichen. «Entscheidend war nicht in erster Linie das Endprodukt, sondern der Entstehungsprozess», sagt Hak. Ein weiteres Thema: der Schritt ins Erwachsenenleben. Paul ist 16 Jahre alt, sucht eine Lehrstelle; Milos ist 18, steht kurz vor der Lehrabschlussprüfung und macht den Führerschein. Erwachsenwerden ist ein wichtiges Thema für die jungen Schlieremer. Oder wie Milos es formuliert: «Jeden Tag werde ich ein bisschen erwachsener. Das ist täglich ein kleiner Kampf, in dem man viel austeilt, aber auch viel einstecken können muss.»

Projekt forderte Durchhaltewillen

Entstanden ist die Idee eines eigenen Films im Herbst im Schlieremer Jugendtreff «Kube». Per Aufruf über Facebook und im Treff wurden Leute gesucht, die am Projekt teilnehmen wollten. Von den anfänglich acht Freiwilligen sind bis zum Schluss des Projekts nur gerade vier übrig geblieben – die beiden Protagonisten und zwei Kameramänner. «Es zeigt sich erst auf den zweiten Blick, wie viel Arbeit hinter einem solchen Projekt steckt. Da braucht es viel Durchhaltewillen», sagt Hak.

Die vier jugendlichen Filmemacher mussten sich unter anderem mit technischen Fragen wie Kameraführung, Belichtung und Schnitt auseinandersetzen. Dazu kamen Fragen zum Ablauf, zum Spannungsbogen und zur Szenenauswahl. Unterstützt wurde das Schlieremer Projekt vom Verein Filmkids, Schauspielcoach und Projektleiter Christof Oswald und Filmer Daniel Casparis.

«Mein Schlieren – die Reportage» Filmvorstellungen heute Samstag, 7. Juli, von 10 bis 14 Uhr im Rahmen des «offenen Stadthauses».