Sommerserie
Spezialtransporte im Limmattal: Direkt vom Lastwagen auf die Schienen

Dank dem Verlad auf den Zug spart die Dietiker Transportfirma Planzer viele Fahrkilometer ins Tessin oder nach Genf. Lastwagenchauffeur Hans Bottas Arbeitstag ist dann zu Ende, wenn die Pritsche auf dem Zug ist.

Manuela Moser
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Direkt vom Lastwagen auf die Schienen
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 Leiter Toni Cimerman (r.) instruiert Fahrer Hans Botta.
 Hans Botta verlädt das Stückgut in die Pritsche.
 Fertig verladen geht es Richtung Bahnhof.
 Gläser, Holz, Metall: Verladen wird alles.
 Vorsichtig parkiert Hans Botta seinen Lastwagen zwischen den anderen.
 Die Pritsche ist weg, Hans Bottas Arbeitstag ist zu Ende.

Direkt vom Lastwagen auf die Schienen

Chris Iseli

Die rote Spinne mit den schwarzen Greifern krallt sich das rot-weisse Hinterteil des Lastwagens. Scheinbar mühelos schwebt die Tonnenlast in die Lüfte, bis sie wieder aufsetzt auf dem Zug. Die Spinne – in Wahrheit ein Riesenstapler beim Güterbahnhof Dietikon – fährt jetzt zum nächsten Lastwagen, um eine weitere mit Waren gefüllte Pritsche direkt vom Lastwagen auf den SBB-Cargo Bahnwagen zu verladen. Auf der Schiene geht es dann über Nacht Richtung Tessin, dort wird ein weiterer Lastwagen warten, um die Pritsche ab Bahnwagen für die letzten Kilometer zum Endkunden zu bringen.

Sommerserie (9/12) Seit Jahrtausenden sind die Menschen unterwegs. Heute stehen unzählige Fortbewegungsmittel zur Verfügung, und die Mobilität ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In ihrer Sommerserie 2018 zeigt die Limmattaler Zeitung die Mobilität im Limmattal aus verschiedenen Blickwinkeln.

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Limmattaler Zeitung

Für Hans Botta ist der lange Arbeitstag aber zu Ende. Auf den Fahrer des Dietiker Transportunternehmens Planzer wartet am Morgen die nächste Fracht, sortiert hat er sie bereits. «Wir können durch den Verlad auf die Schiene allein in Dietikon täglich zwei bis vier Lastwagen einsparen, welche nicht über den Gotthard ins Tessin fahren müssen», sagt Toni Cimerman, Leiter Disposition bei Planzer. Im Planzer Bahncenter Zürich Altstetten kämen dann etliche weitere Bahnwagen hinzu. Weltweit unterhält das Familienunternehmen Planzer 74 Filialen, allein in Dietikon arbeiten 320 Angestellte.

Das Fahren in den Genen

Der 40-jährige Cimerman ist gelernter Automechaniker, nach der Lehre wurde er Fahrer bei Planzer. Just als er für den Aufstieg in die Leitungsposition angefragt wurde, sah er durch die Fensterscheibe seinen neuen Lastwagen auf dem Parkplatz. «Es war ein schwerer Entscheid für mich, denn Lastwagenfahren hat man in den Genen.» In den Ferienwochen, die er nicht mit seiner Familie verbringen konnte, fuhr er deshalb freiwillig weiter Lastwagen. Genauso angefressen ist Hans Botta. Er hatte bei Planzer die Lehre gemacht, inzwischen fährt er aber als Vertragsfahrer – Planzer kauft ihn für die Dienste ein. Heute sei der Arbeitstag eines Fahrers stressiger, sagt er. «Der Tag ist zu kurz, um alles zu machen.» Heute müsse man beispielsweise Privatkunden per Handy eine Stunde vor der Lieferung anrufen. Und wegen des Online-Geschäfts hätten Bestellungen von Privaten zugenommen.

Der Tag eines Fahrers beginnt mit dem Sortieren des Kundenmaterials nach Postleitzahlen. Den Nahverkehr fährt man selber, Sendungen nach Genf und ins Tessin kommen am Abend auf den Zug. Einzeln aussortiert wird auch die Ostschweiz. Die Pritschen werden geladen – so gut es geht, und so effizient es geht. Mittels des Lieferscheins, den der Fahrer am Abend gegen 17 Uhr bei der Hauptfiliale in Dietikon erhält, kann er den nächsten Tag planen.

Verladen wird für Grossverteiler wie auch für Einzelkunden: Es sind Kühlschränke, Eisenwaren, Weinflaschen. «Mit Weinflaschen ist mir einmal das grösste Unglück widerfahren», erzählt Botta. Dei Pritsche war beim Verlad mit dem Riesenstapler nicht richtig erfasst worden. Normalerweise leuchten vier Lämpchen grün, wenn alles hält. In diesem Fall waren es nur drei, der Staplerfahrer hatte dies übersehen. Botta hatte Glück – die Pritsche von vier bis fünf Tonnen Gewicht fiel neben ihm zu Boden. Die meisten Flaschen gingen kaputt, auch die Pritsche – zu allem Unglück war es eine Neue.

An diesem Abend wartet Botta noch auf eine letzte Lieferung. Nach einer Stunde ist die Lounge endlich da. Er macht sich auf Richtung Güterbahnhof.

Wenn ein Schwein oder Elefant Hilfe braucht

Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste für eine gelingende Tierrettung. Ruedi Keller und sein Team haben sich dabei ganz auf die Grossen spezialisiert.

«Geld verdienen kann man mit Grosstierrettungen nicht», sagt Ruedi Keller, Gründer des Grosstier-Rettungsdienstes (GTRD) in Embrach, «sie sind schlicht zu aufwendig, zu teuer und zu zeitintensiv.» Vermutlich deshalb ist der Embracher fast ohne Konkurrenz und deckt aus dem Zürcher Unterland sogar das Fürstentum Liechtenstein ab. Optimale Bedingungen zu schaffen, sei das Wichtigste. Früher, als nur die Feuerwehr auf den Platz gerufen wurde oder als die Bauern ihre Kühe noch selber bargen, wurde oft «gerupft» und dadurch das Tier verletzt. Mit der Ausbildung zum Grosstierrettungssanitäter, dessen Wissen auf dem eines Grosstierambulanzfahrers aufbaut, beherrsche man die Technik sowie die medizinische Fertigkeit. Keller weiss jetzt also, auf welche Weise eine Ankerplatte an die Decke anzubringen ist, um ein Tier zu heben, aber auch, wie ein Tier mittels Spritze zu beruhigen ist.

«Feuerwehr und Tierarzt fehlte oft das gegenseitige Verständnis», so Keller weiter. Erstere wolle immer gleich mit der Bergung beginnen, letzterer brauche aber Zeit, um zu sehen, ob die Medikamente überhaupt wirken «Birgt man nämlich ein nervöses Tier, kann vieles schiefgehen.»

Kellers Dienst, der auf freiwillige Helferinnen und Helfer zählt, rückt zur Mehrheit für Equiden aus (Pferde, Ponys, Esel, Maulesel und -tiere) sowie für landwirtschaftliche Tiere, also in der Grösse von Schweinen bis zu Rindern. «Für die Bergung eines Pferdes versuchen wir, den vollen Preis in Rechnung zu stellen.» Falls ein Helikopter oder die Feuerwehr mit einem Kran aufgeboten werden müssen, kostet das schnell einmal ein paar Tausend Franken.

Diesen Betrag würde ein Bauer für seine Tiere nie ausgeben. «Eine Kuh ist ein Nutztier und kann bei den tiefen Milchpreisen nur gehalten werden, wenn sie rentiert. Zusätzlich etwas kosten darf sie nicht.» Dank der Zusammenarbeit mit der Tierschützerin Susy Utzinger kann Keller den Bauern heute eine Bergung für rund 150 Franken anbieten. Denn: «Auch landwirtschaftliche Nutztiere haben ein Recht auf professionelle Rettung», findet er, «so ist es mir lieber, wir werden gerufen und verdienen weniger, als dass der Bauer selber etwas ausprobiert oder das Tier gar noch tötet, um es zu bergen.»

Keller ist ein Tierfreund – er liebt auch die Kleinen. Aber seine Passion galt schon immer den Grossen. Gleichzeitig fasziniert ihn bei der Grosstierrettung der technische Aspekt. «Ich liebe es, mich zu fragen, wie man diese 500 Kilogramm am schonendsten aus dem Stall bringt.» Dabei fällt dem gelernten Bootsbauer immer etwas ein. Sogar, als einmal ein alter Elefant in einem Sandloch festlag. Keller, der als Selbstständiger Material für Rettungen herstellt, kam mit seinem eigenen Elefantennetz angefahren, das auch bei sechs Tonnen nicht reisst. Der Elefant im Zoo Zürich stand bald wieder. Mit Kellers Netzen fliegt auch die Rega in die Alpen, um abgestürzte Kühe zu retten.

Auf Spenden angewiesen

Finanziert wird der Non-Profit-Dienst aus den Einnahmen von Einsätzen, hauptsächlich aber mittels Spenden. Die Helfer rücken zirka einmal täglich aus – verteilt auf das ganze Jahr macht das 350 Einsätze. Viele Freiwillige müssen dabei unbezahlt nehmen oder spontan den Arbeitsplatz verlassen. Keller selbst ist vor 24 Jahren in die Tierrettung hinein gerutscht, wie er sagt, nachdem er Vorträge von Professor von Salis gehört hatte, der eine eigene Pferdeambulanz führte.
Zu Kellers spektakulärsten Bergungen gehört sicher, nebst einem zweiten Elefanten im Basler Zoo, ein Pferd im Limmattal, das vor einem Jahr in einen Baustellengraben gesprungen war – etwas hatte es erschreckt. Dort lag es hilflos, verkeilt zwischen Rohren und Leitungen.

Im speziell umgebauten Ambulanzanhänger können Pferde stehend im Netz oder liegend transportiert werden. Sie brauchen oft permanente Betreuung, da sie technisch gesichert oder medizinisch überwacht werden müssen. Dank einer Spezialbewilligung dürfen deshalb in Kellers Anhänger auch Grosstierretter neben dem Pferd mitfahren. Aufpassen müssen sie natürlich trotzdem. Denn wenn so ein 600 Kilogramm-Tier unruhig ist, kann es schnell gefährlich werden. «Besonders Pferde mit starken Koliken haben fürchterliche Schmerzen, da wirken die Schmerzmittel nicht zu hundert Prozent.» In einem solchen Fall hilft das Netz, das das Pferd festhält. Keller hatte bisher Glück: «Passiert ist in all den Jahren, dank der guten Ausbildung, nichts.»

Eine Bergung, die Keller ebenfalls nie vergisst, ist die auf der Alp Malbun. Walliser Schwarznasenschafe hatten sich in einer Felswand verstiegen. Er und seine Helfer mussten sie einzeln in Netze packen und ins Tal hinunter abseilen. Das war keine leichte Aufgabe. «Die Schafe sind sehr scheu, ähnlich wie die Pferde.» Kühe seien viel stressresistenter. Nur seien diese wegen der heutigen naturnahen Haltung weniger an Menschen gewohnt. «Bei der Tierrettung ist das ein Nachteil. Wir können uns so einem Tier, etwa in der Jauchegrube, oft nur annähern, wenn es vorgängig mit einem Narkosegewehr beruhigt wurde.» Auch für Wanderer kann dies ein Problem darstellen, wenn sie auf Kühe auf offener Weide stossen.