Sommerserie

Spezialtransporte im Limmattal: Direkt vom Lastwagen auf die Schienen

Dank dem Verlad auf den Zug spart die Dietiker Transportfirma Planzer viele Fahrkilometer ins Tessin oder nach Genf. Lastwagenchauffeur Hans Bottas Arbeitstag ist dann zu Ende, wenn die Pritsche auf dem Zug ist.

Die rote Spinne mit den schwarzen Greifern krallt sich das rot-weisse Hinterteil des Lastwagens. Scheinbar mühelos schwebt die Tonnenlast in die Lüfte, bis sie wieder aufsetzt auf dem Zug. Die Spinne – in Wahrheit ein Riesenstapler beim Güterbahnhof Dietikon – fährt jetzt zum nächsten Lastwagen, um eine weitere mit Waren gefüllte Pritsche direkt vom Lastwagen auf den SBB-Cargo Bahnwagen zu verladen. Auf der Schiene geht es dann über Nacht Richtung Tessin, dort wird ein weiterer Lastwagen warten, um die Pritsche ab Bahnwagen für die letzten Kilometer zum Endkunden zu bringen.

Für Hans Botta ist der lange Arbeitstag aber zu Ende. Auf den Fahrer des Dietiker Transportunternehmens Planzer wartet am Morgen die nächste Fracht, sortiert hat er sie bereits. «Wir können durch den Verlad auf die Schiene allein in Dietikon täglich zwei bis vier Lastwagen einsparen, welche nicht über den Gotthard ins Tessin fahren müssen», sagt Toni Cimerman, Leiter Disposition bei Planzer. Im Planzer Bahncenter Zürich Altstetten kämen dann etliche weitere Bahnwagen hinzu. Weltweit unterhält das Familienunternehmen Planzer 74 Filialen, allein in Dietikon arbeiten 320 Angestellte.

Das Fahren in den Genen

Der 40-jährige Cimerman ist gelernter Automechaniker, nach der Lehre wurde er Fahrer bei Planzer. Just als er für den Aufstieg in die Leitungsposition angefragt wurde, sah er durch die Fensterscheibe seinen neuen Lastwagen auf dem Parkplatz. «Es war ein schwerer Entscheid für mich, denn Lastwagenfahren hat man in den Genen.» In den Ferienwochen, die er nicht mit seiner Familie verbringen konnte, fuhr er deshalb freiwillig weiter Lastwagen. Genauso angefressen ist Hans Botta. Er hatte bei Planzer die Lehre gemacht, inzwischen fährt er aber als Vertragsfahrer – Planzer kauft ihn für die Dienste ein. Heute sei der Arbeitstag eines Fahrers stressiger, sagt er. «Der Tag ist zu kurz, um alles zu machen.» Heute müsse man beispielsweise Privatkunden per Handy eine Stunde vor der Lieferung anrufen. Und wegen des Online-Geschäfts hätten Bestellungen von Privaten zugenommen.

Der Tag eines Fahrers beginnt mit dem Sortieren des Kundenmaterials nach Postleitzahlen. Den Nahverkehr fährt man selber, Sendungen nach Genf und ins Tessin kommen am Abend auf den Zug. Einzeln aussortiert wird auch die Ostschweiz. Die Pritschen werden geladen – so gut es geht, und so effizient es geht. Mittels des Lieferscheins, den der Fahrer am Abend gegen 17 Uhr bei der Hauptfiliale in Dietikon erhält, kann er den nächsten Tag planen.

Verladen wird für Grossverteiler wie auch für Einzelkunden: Es sind Kühlschränke, Eisenwaren, Weinflaschen. «Mit Weinflaschen ist mir einmal das grösste Unglück widerfahren», erzählt Botta. Dei Pritsche war beim Verlad mit dem Riesenstapler nicht richtig erfasst worden. Normalerweise leuchten vier Lämpchen grün, wenn alles hält. In diesem Fall waren es nur drei, der Staplerfahrer hatte dies übersehen. Botta hatte Glück – die Pritsche von vier bis fünf Tonnen Gewicht fiel neben ihm zu Boden. Die meisten Flaschen gingen kaputt, auch die Pritsche – zu allem Unglück war es eine Neue.

An diesem Abend wartet Botta noch auf eine letzte Lieferung. Nach einer Stunde ist die Lounge endlich da. Er macht sich auf Richtung Güterbahnhof.

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