Birmensdorf

Spargeln statt Menschen: Kunstwerke von Keller sind bunt und vielfältig

Adelheid Schenitza Keller malt viele Motive.

Adelheid Schenitza Keller malt viele Motive.

Als Adelheid Schenitza Keller 1978 an der Pädagogischen Hochschule als Gestaltungslehrerin zu arbeiten begann, entdeckte sie ihr Interesse für diverse Künste. Heute ist sie Vollblutkünstlerin. Die Kunstwerke sind bunt und vielfältig, sie zeichnet aber keine Menschen.

Ihr Mädchenname Schenitza ist heute ihr Künstlername. Neben Töpfereien finden sich im umfassenden Lebenswerk der 79-jährigen Birmensdorferin Bilder, bei denen sie unterschiedliche Stile und Kunstformen miteinander kombiniert hat. Insbesondere malt sie gerne, was sie sieht. «Ab und an trage ich den Stuhl durch Birmensdorf, um vor Ort schöne Motive zu malen», sagt Keller. Auch im Urlaub habe sie oft ihre Malutensilien dabei.

Die Motive sind zahlreich: Bunte Hühner, Bäume, Pflanzen aller Art und Landschaften zieren Kellers Bilder. Nur Menschen sucht man vergebens. «Ich zeichne keine Menschen», sagt die dreifache Mutter.

Stattdessen verwendet sie Spargeln. Und so seltsam dies klingen mag: Kellers Spargeln strahlen viel Persönlichkeit aus. «Ich habe mir einst ein Bündel Spargeln angesehen und fand, dass es aussieht wie gefesselte Menschen.»

Die Spargelgeschichten – so nennt die Künstlerin ihre Spargelbilder – lassen sich sozialkritisch auslegen. Etwa wenn einzelne Spargeln neben einem Spargelbund tanzen, sind Gefangenschaft und Freiheit gegenübergestellt. «Ich zwinge den Gedanken niemandem auf. Doch für mich sind meine Spargelgeschichten auch Menschengeschichten.»

Sie malt manchmal auf selbst geschöpftem Papier

Zudem hat Keller schon Papier aus gekochten Spargelschalen hergestellt. Darauf hat sie wiederum Bilder gemalt. Denn sie experimentiert gerne mit unterschiedlichen Materialien, auf denen sie malen kann. Das Papier, auf dem ihre Kunstwerke entstehen, schöpft sie meist selber. «Man erkennt das selbst geschöpfte Papier am ungleichmässigen Rand, dem sogenannten Büttenrand.» In manchen Bildern hat die Birmensdorferin dazu noch Laubblätter in das Papier eingepresst.

Ein weiterer Aspekt von Kellers Kunst ist die Kalligrafie. «An der Pädagogischen Hochschule musste ich den angehenden Lehrpersonen beibringen, an der Wandtafel zu schreiben», sagt die Künstlerin. Ihr eigener Anspruch an eine schöne Handschrift brachte sie dazu, Kalligrafiekurse zu besuchen. Und dieses Wissen verwendete sie später in ihren Werken. Auf einem Bild hat Keller beispielsweise das Wort «Schnee» in Weiss um eine Pflanze geschrieben.

Vor kurzem stellte Keller ihre Werke im Birmensdorfer Gemeindesaal Brüelmatt aus. Dabei bot sie zahlreiche ihrer Werke zum Verkauf an. «Meine jüngste Tochter wollte wissen, was mit den Bildern passiert, wenn ich altersbedingt nicht mehr zu Hause wohnen kann.» Keller freut sich, wenn ihre Werke dann irgendwo hängen, wo sie geschätzt werden.

Die Ausstellung betrachtet sie als Erfolg. Die Kosten der Ausstellung konnten mit den verkauften Bildern gedeckt werden. Zudem traf Keller alte Bekannte: Unter anderem besuchte auch ein ehemaliger Schüler, den Keller während ihrer Zeit als Primarschullehrerin in Dietikon unterrichtete, die Ausstellung.

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Autor

Manuel Reisinger

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