Schlieren

SP verliert zwei Aushängeschilder: Silvia Meier Jauch und Roger Seger treten aus

Silvia Meier Jauch und Roger Seger werden zwar weiterhin im Gemeinderat politisieren, jedoch nicht mehr als SP-Mitglieder.

Silvia Meier Jauch und Roger Seger werden zwar weiterhin im Gemeinderat politisieren, jedoch nicht mehr als SP-Mitglieder.

Silvia Meier Jauch und Roger Seger treten nach Unstimmigkeiten aus der Schlieremer SP aus.

Bei der Schlieremer SP hängt der Haussegen schief. Nachdem es über Monate hinweg zu internen Querelen gekommen sein soll, geben nun zwei prominente Gemeinderäte ihren Rückzug aus Partei und Fraktion bekannt. Silvia Meier Jauch und Roger Seger werden zwar weiterhin im Gemeinderat politisieren, jedoch nicht mehr als SP-Mitglieder. «Meine politische Gesinnung hat sich keineswegs geändert, weshalb ich mich weiterhin für dieselben Inhalte wie bisher einsetzen werde», sagt Seger gegenüber dieser Zeitung. Sie stehe zu 100 Prozent hinter der sozialdemokratischen Politik, teilt Meier Jauch mit: «Daran wird sich auch künftig nichts ändern.» Beide wollen Mitglieder der kantonalen und nationalen SP bleiben. Mit diesen Austritten fällt die SP, die anlässlich der letzten Gesamterneuerungswahlen 2018 die SVP als stärkste Kraft im Parlament ablöste, mit sieben Mandaten wieder hinter die Volkspartei zurück, deren Fraktion acht Personen aufweist. Immerhin bilden die Sozialdemokraten gemeinsam mit den beiden Grünen weiterhin die stärkste Fraktion.

Der Grund für die Spannungen sind unterschiedliche Auffassungen bezüglich Führungsstil, Kommunikation und respektvollem Umgang, sagt Seger. «Weder mit Fraktions- noch mit Vorstandsmitgliedern lag oder liege ich im Streit. Aber ich wurde in jüngster Zeit Zeuge von Verhalten, das ich keineswegs akzeptieren kann», sagt er. Meier Jauch hat den gegenseitigen Respekt vermisst, der die Grundlage für jene erfolgreiche Zusammenarbeit sei.

Mobbing-Vorwurf an die Adresse des Parteivorstands

Prekär sei der Umgang besonders im Parteivorstand, in dem neben Seger auch die Gemeinderätinnen Rixhil Agusi, Yvonne Brändle-Amolo, Leila Drobi sowie der ehemalige Gemeinderat Jürg Brem, Parteipräsident Walter Jucker, Stadtrat Pascal Leuchtmann und Stadtpräsident Markus Bärtschiger Einsitz haben. «Dort kam es zu mehreren Zwischenfällen, die an Mobbing erinnern», sagt Seger. Manche Mitglieder würden verhindert und an Sitzungen blossgestellt. Man suche nicht das offene Gespräch, sondern intrigiere. Er wolle zwar keine Namen nennen, sagt aber, dass besonders ein Mitglied zur Zielscheibe geworden sei. Als Motiv vermutet er Neid, da es sich um eine Person handle, die an Wahlen stets gut abschneide. Seger hat dafür jedenfalls kein Verständnis: «Eine Partei sollte Mitglieder, die anpacken, mitgestalten wollen und darüber hinaus noch viele Stimmen holen fördern und nicht verhindern.»

Roger Seger wirft dem SP-Vorstand Mobbing vor.

Roger Seger wirft dem SP-Vorstand Mobbing vor.

Mit Seger und Meier Jauch verlassen zwei prominente Sozialdemokraten die Partei. Bekannt wurde Seger vor gut zwei Jahren, als ein Interview mit dem Schweizer Radio über seine Erkrankung mit Colitis Ulcerosa, eine chronische Dickdarmentzündung, hohe Wellen schlug. Er erhielt viel Zuspruch, weil er öffentlich über ein Tabuthema sprach. 2018 kandidierten er und Meier Jauch auf der SP-Liste für den Gemeinderat und rückten ins Parlament nach. Sie leidet an Psoriasis-Arthritis, auch bekannt als Schuppenflechtenarthritis. Gemeinsam gründeten sie vor zwei Jahren zudem den Verein Miah, eine Vernetzungsplattform für Menschen mit einer autoimmunen Erkrankung oder einem Handicap. Meier Jauch erlangte anschliessend Bekanntheit durch ihr Engagement als Botschafterin der Rheumaliga Schweiz und als Bloggerin.

Zwar hätten die beiden in regem Austausch gestanden, der Entscheid zum Partei- und Fraktionsaustritt sei jedoch unabhängig voneinander gefallen, sagt Meier Jauch. Dennoch ist der Zeitpunkt nicht ganz zufällig. Wie mehrere Quellen bestätigen, kam es im Dezember zu einer Aussprache, bei der Priska Seiler-Graf und Andreas Daurù anwesend waren. Dem Co-Präsidium der Kantonalpartei sei es darum gegangen, zu vermitteln, wie Daurù auf Anfrage bestätigt. «Es wurde rasch klar, dass die Differenzen im Vorstand und in der Fraktion ihren Ursprung auf persönlicher Ebene haben. Wo Menschen zusammenarbeiten kommt es hin und wieder zu Spannungen», sagt er. Er bedaure den Austritt sehr. Zu solchen Eskalationen komme es in den Zürcher Ortsparteien der SP höchst selten.

SP Schlieren wünscht den beiden viel Erfüllung in der Politik

Ortspartei-Präsident Jucker sagt auf Anfrage: «Die SP Schlieren bedauert den Austritt der beiden Parlamentarier aus unser Fraktion. Wir wünschen den beiden weiterhin viel Erfolg und Erfüllung in der Politik.» Eine Stellungnahme zu den Mobbing-Vorwürfen will er keine abgeben. Auch der Grüne Dominik Ritzmann, Präsident der Fraktion SP/Grüne, hüllt sich in Schweigen.

Wie es für Seger und Meier Jauch nun politisch weitergeht, steht in den Sternen. Meier Jauch will ihren Sitz in der Jugendkommission behalten, Seger weiss noch nicht, ob er sein Mandat in der Spezialkommission kommunaler Richtplan Siedlung und Landschaft abgeben wird. Da das Gremium für die gesamte Legislatur gewählt ist, wäre ein Verbleib als parteiloser sein Recht. Neben der Fraktionslosigkeit besteht für Seger und Meier Jauch die Möglichkeit auf einen Anschluss an eine andere. Diesbezüglich seien aber noch keine Gespräche geführt worden.

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