1.-Mai-Feier
SP-Fraktionspräsident Späth: «Das Glas ist leider erst halb voll»

Der SP-Kantonsratsfraktionspräsident Markus Späth trat in Dietikon ans Rednerpult und erinnerte an den Schweizer Generalstreik im Jahr 1918.

David Egger
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Bildergalerie 1.5.2018 Dietikon
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Rosmarie Joss, Dietiker Kantons- und Gemeinderätin (SP)
Auch der am 4. März in den Dietiker Stadtrat gewählte Anton Kiwic (SP) hielt eine Rede. Thema: Lohnunterschiede bei Mitarbeitenden öffentlicher Verwaltungen.
Bereits zum dritten Mal in Folge war das Wetter an der Feier nicht optimal. Doch trotz nasskalten Wetters war die Limmattaler 1.-Mai-Feier nicht schlecht besucht.
Daran hatte sicher auch das «Trio Trello» seinen Anteil, das den Anlass musikalisch umrahmte.
Nach seiner Rede sass Kiwic zusammen mit alt Kantonsratspräsident Rolf Steiner an einem Tisch.
Am Anlass waren viele bekannte SPler zugegen, so auch der Dietiker alt Stadtpräsident und alt Regierungsrat Markus Notter (zweiter von rechts).
Im Kaffe-Service machte sich der Schlieremer Stadtrat Markus Bärtschiger (SP) verdient.
«Für mich ist der 1. Mai wichtiger als der 1. August»: Ernst Joss (AL), Präsident der Dietiker SP/AL-Gemeinderatsfraktion (erster von links)
Kam aus Weiningen: Max Bürgis, alt Präsident der SP Kreisgemeinde Weiningen.

Bildergalerie 1.5.2018 Dietikon

az Limmattaler Zeitung / David Egger

An der Limmattaler 1.-Mai-Feier auf dem Dietiker Kirchplatz referierten zwei Männer. Zuerst Anton Kiwic (SP), der am 4. März neu in den Stadtrat gewählt wurde. Er machte die Lohngleichheit bei der öffentlichen Hand zum Thema. Dafür zitierte er eine Studie, der zufolge die Frauen auf den Verwaltungen von Bund, Kantonen und Gemeinden 16,6 Prozent weniger verdienen würden als ihre männlichen Kollegen, wobei nur 58 Prozent dieser Unterschiede erklärbar seien. Es sei davon auszugehen, so Kiwic, dass die Stadt Dietikon ähnliche Lohnunterschiede kenne: «Ziel muss es sein, diese sichtbar zu machen, damit man dagegen vorgehen kann.»

Dann hatte SP-Kantonsratsfraktionspräsident Markus Späth aus Feuerthalen im Weinland das Wort. Er war ein gern gesehener Gast. «Es freut mich sehr, dass mein Banknachbar nach Dietikon gekommen ist, um die Rede zu halten», sagte die Dietiker Kantonsrätin und Gemeinderätin Rosmarie Joss (SP), als sie ihn ankündigte – Späth sitzt im Kantonsrat links von Rosmarie Joss.

Dietiker Kartoffelwaggons anno 1914

Von Beruf Gymnasiallehrer für Geschichte, warf Späth einen Blick zurück auf den November 1918, als 250 000 Personen am dreitägigen Generalstreik teilnahmen. «Gestreikt wurde nicht für den politischen Umsturz in der Schweiz, sondern für das Proporzwahlrecht, das Frauenstimmrecht, die 48-Stunden-Woche, die AHV oder für den Ausbau der Lebensmittelversorgung für die unter den Folgen des Ersten Weltkriegs leidenden Familien», so Späth.

Dann richtete er den Blick aufs Limmattal. «Der Erste Weltkrieg und das Jahr 1918 waren auch hier in Dietikon, vor allem für die Dietiker Arbeiterfamilien, eine stürmische Zeit voller Elend und echter Not.» So erinnerte Späth daran, dass 1914 zu Beginn des Krieges der Hülfsverein eine Suppenanstalt einrichtete und der Gemeinderat zwei Waggons Kartoffeln kaufte, um sie zum Selbstkostenpreis an die arme Bevölkerung weiterzugeben.

Heute müsse niemand mehr durch Suppenküchen vor dem Verhungern gerettet werden, fuhr Späth fort. «Andere Forderungen harren aber noch ihrer Umsetzung.» Konkret nannte er jene nach einem gesetzlichen Mindestlohn. Trotzdem: Als Historiker neige er klar zur Antwort, dass das Glas heute halb voll und nicht halb leer sei. «Als Politiker muss ich aber anfügen: leider erst halb voll.» Man müsse dafür sorgen, dass das Erreichte nicht rückgängig gemacht werde. «Viele bürgerliche Köche stehen mit Löffeln und grossen Suppenkellen bereit, um aus dem halb vollen Glas immer wieder substanzielle Brocken herauszufischen. Zum Glück nehmen sie manchmal die Suppenkelle, die so gross ist, dass sie nicht ins Glas passt», sagte Späth, ehe er die «bürgerliche Sparwut» kritisierte. Mit dem Nein zur Unternehmenssteuerreform 3 habe das Volk 2017 einen «besonders frechen Raubzug auf die Steuereinnahmen» verhindert.

1. Mai als Demo gegen «Wutbürger»

Am 1. Mai demonstriere man den vielen «Wutbürgern draussen im Land», dass man sich die erreichten Fortschritte nicht nehmen und nicht vermiesen lasse. «Wir zeigen, in welche Richtung es weitergehen muss, damit sich das halb volle Glas weiter füllt.»

Neben Späth, Kiwic und der Familie Joss waren viele weitere bekannte Limmattaler SPler anzutreffen. So etwa der Dietiker alt Stadtpräsident und alt Regierungsrat Markus Notter. Und der Schlieremer Stadtrat Markus Bärtschiger machte sich im Kaffee-Service verdient, während Rosmarie Joss' Bruder Christian Joss sich um den Grill kümmerte.

Rosmarie Joss, Dietiker Kantons- und Gemeinderätin (SP)

Rosmarie Joss, Dietiker Kantons- und Gemeinderätin (SP)

DEG

Erstmals an der friedlichen Feier in Dietikon dabei war Jolanda, die Ende März geborene Tochter von Rosmarie Joss. Dick eingepackt, des nasskalten Wetters wegen. Bereits zum dritten Mal in Folge war Petrus den Linken nicht ganz wohlgesinnt. «Nächstes Jahr haben wir dann strahlendes Wetter», zeigte sich aber Rosmarie Joss optimistisch. Auch ihren Vater Ernst Joss (AL), der Präsident der SP/AL-Fraktion im Dietiker Gemeinderat, würde das freuen. «Für mich ist der 1. Mai wichtiger als der 1. August», sagte er. Statt des «Schweizerpsalms» wurde dann standesgemäss «Die Internationale» gesungen.