Dietikon
Sozialhilfebezüger: Wenn die Stadt ein Fitnessabo finanziert

In einigen Fällen bekommen Sozialhilfebezüger Unterstützung für Gesundheitsprävention. Aber wann? FDP-Gemeinderat Philipp Müller wollte es genau wissen.

Bettina Hamilton-Irvine
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Wenn es der Arzt verschreibt, zahlt die Stadt das Fitnesscenter (Symbolbild).

Wenn es der Arzt verschreibt, zahlt die Stadt das Fitnesscenter (Symbolbild).

Sandra Ardizzone

Bezahlt Dietikon Sozialhilfebezügern Fitnessabonnements? Diese Frage treibt FDP-Gemeinderat Philipp Müller um. In einer Kleinen Anfrage an den Stadtrat schrieb er, «bereits mehrere Male» sei ihm zugetragen worden, dass dies der Fall sei. Das ärgert Müller: Es sei «nicht nachvollziehbar, weshalb die Sozialhilfe zulasten des Steuerzahlers Fitnessabonnements finanzieren sollte», schrieb er.

Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Sie zeigt: Zwar kommt es vor, dass die Stadt ein Fitnessabo mitfinanziert - doch nur in wenigen Ausnahmefällen. In den letzten fünf Jahren handelte es sich um 8 bis 20 Fälle pro Jahr. Gemessen an der Anzahl der jährlich geführten Dossiers von zwischen 910 und 982 sind das pro Jahr zwischen 0,8 und 2,2 Prozent der Fälle. Im letzten Jahr schlug das mit gut 11 000 Franken zu Buche, was wiederum 0,03 Prozent der Gesamtausgaben von rund 36 Millionen Franken im Bereich Soziale Wohlfahrt sind.

Nur, wenn es der Arzt verschreibt

Die Stadt übernimmt die Kosten aber nur, wenn das Fitnessabonnement vom Arzt verschrieben wurde und durch die Sozialarbeitenden als sinnvoll betrachtet wurde, wie der Stadtrat in seiner Antwort darlegt. Zudem zahle in den meisten Fällen auch die Krankenkasse einen Teil.

Fitnessabonnemente wurden in den letzten Jahren primär bei Personen bezahlt, die an chronischen Schmerzen, Herzkreislaufproblemen oder Übergewicht litten, schreibt der Stadtrat. Dabei sei es darum gegangen, die Sozialhilfebeziehenden gezielt zu fördern, damit sie leistungsfähiger werden und wieder besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Die Sozialarbeitenden seien jedoch instruiert, nach kostengünstigen Möglichkeiten der Gesundheitsprävention zu suchen - wenn in diesem Bereich Massnahmen nötig sind.

Auch Urdorf zahlt theoretisch

Dass die Sozialabteilung sich finanziell an Fitnessabonnements beteiligt, kommt auch in anderen Gemeinden vor. In Urdorf sagt der Bereichsleiter Soziales, Urs Tanner, dies sei grundsätzlich möglich, wenn das Abo vom Arzt verschrieben worden sei. Er könne sich in den letzten fünf Jahren aber an keinen konkreten Fall erinnern. Auch in Oberengstringen werden Fitnessabonnemente nur übernommen, wenn sie medizinisch verschrieben worden sind - was ebenfalls nur sehr selten vorkommt.

Gemeinderat Philipp Müller ist angesichts der Antwort des Stadtrats einigermassen beruhigt: Die Anzahl der bezahlten Abos sei «nicht dramatisch». Trotzdem finde er das Ganze nach wie vor seltsam und frage sich, ob nicht auch ein billigerer Sport zielführend wäre. Zumal er der Meinung sei, dass ein Fitnessabo medizinisch kaum je wirklich nötig sei. «Doch zum Glück ist die Zahl der finanzierten Abos nicht noch grösser.»

Gut möglich, dass die Zahl in den kommenden Jahren noch kleiner wird: Seit Anfang 2014 entscheiden nicht mehr die Sozialarbeitenden, sondern die Sozialbehörde, ob ein Fitnessabo übernommen wird. So soll die Kontrolle über die Kosten noch besser gewährleistet werden, schreibt der Stadtrat. (BHI)