Sozialfirma
Sozialfirma Dock neu auch in Dietikon

Dock ist eine Sozialfirma, die erste ihrer Art. Als Stiftung gegründet, konnte das Unternehmen stark expandieren. Dock kann neun Niederlassungen ausweisen. Eine reine Erfolgsgeschichte. Doch was ist überhaupt eine Sozialfirma?

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Der Stellen-Anzeiger wird in Dietikon in Zukunft weniger gebraucht.

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Keystone

Unter einer Sozialfirma versteht man Folgendes: Ein Unternehmen stellt Räumlichkeiten zur Verfügung, in welcher ausgesteuerte IV- und Sozialhilfebezieher Industriearbeiten verrichten. Arbeiten, die zuvor meist vom produzierenden Unternehmen aus Kostengründen ins Ausland verlagert wurden. Ihre Arbeiten seien Produktionsvorgänge, die man in der Schweiz nicht mehr kostendeckend durch Menschenhand ausführen lassen kann, erklärt Lynn Blattmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Dock, die Geschäftsidee.

«Gewinnorientiert»

Das Ziel ist aber nicht nur von sozialer Herkunft. Neben der angestrebten Integration der Arbeiter, denkt Dock sehr wirtschaftsorientiert. «Der Gewinn ist genauso wichtig wie die Reintegration», sagt Blattmann.

Was aber produziert eine Sozialfirma wie Dock konkret? Als Beispiel nennt Blattmann Gussteile für die deutsche Autoindustrie. Diese Gussteile werden teilweise in der Schweiz produziert, um anschliessend in Deutschland in Autos eingesetzt zu werden. Davor müssen sie aber noch nachgeschliffen werden. Dies übernimmt Dock.

Nur wegen extrem tiefem Stundenlohn

«Das Existieren unserer Firma wird nur durch den extrem tiefen Stundenlohn von 10 bis 12 Schweizerfranken unserer Arbeiter und Subventionen ermöglicht», so Blattmann. Doch wieso rentiert dann solch eine Geschäftsidee? Dock holt Produktionen zurück in die Schweiz. Damit übernimmt die Sozialfirma Arbeiten, die sonst durch teure Maschinen oder im Ausland ausgeführt werden. Dadurch konkurrenziere man Niemanden.

Die Stärke von Dock bestehe in der Flexibilität. Ausserdem ist der Weg für die Güter von Schweizer Firmen kürzer, weil Dock in fast allen Regionen der Schweiz präsent ist. «Aus diesen beiden Gründen konnte Dock auch stark expandieren», meint Blattmann.

«Ob die Arbeiter wollen oder nicht»

Um zu expandieren, braucht Dock aber auch Gemeinden, die eine Alternative zu einem Beschäftigungsprogramm benötigen. «Die Gemeinden fragen uns meist von sich aus an», erzählt dei Dock-Frau. «Die ausgesteuerten IV- und Sozialhilfebezieher arbeiten dann für uns, ob sie wollen oder nicht.»

Die Stimmung unter den Arbeitern sei aber trotz diesem Arbeitszwang sehr gut. «Vor allem weil sie dadurch wieder Kontakte knüpfen können», weiss Blattmann. Die Begeisterung sei Anfangs zwar eher klein, dies ändere sich aber meistens rasch.

Wenig Vertrauen von neuen Kunden

Trotz diesem Enthusiasmus bei der Arbeit, vertrauen die potentiellen Kunden nicht von Anfang an auf die Arbeiter, die schon seit Jahren keine Festanstellung mehr hatten. «Aus diesem Grund sind die internen Qualitätskontrollen sowie auch die staatlichen Auflagen sehr stark», erklärt Blattmann. Die Qualität die Dock dadurch liefern könne, sei dementsprechend gut.

Dock im Limmattal

Die neue Niederlassung an der Brandstrasse 7 in Dietikon befindet sich in einem für Dock typischen Gebäude. Alte, meist lange leerstehende Gebäude, die für die herkömmliche Industrie nicht geeignet sind. Momentan beschränke man sich im Limmattal noch auf Recyclingarbeiten, sagt Blattmann. Doch bald werde man noch weitere Aufträge annehmen und so weitere Arbeitsplätze schaffen.

In den letzten Jahren habe man stark expandiert, sogar eine kritische Grösse erreicht, erzählt Frau Blattmann. Dass die neuen Stellen dadurch unbesetzt bleiben könnten, fürchtet bei Dock jedoch Niemand. (cht)