Bis 2030 könnte in der Schweiz eine grosse Transport-Revolution stattfinden – und diese beträfe nicht zuletzt auch das Limmattal. Das privat lancierte Projekt «Cargo sous terrain», das die Schaffung eines vollautomatischen unterirdischen Güter-Transportnetzes zum Ziel hat, würde bereits in einer ersten Phase neben Zürich, Härkingen SO und Niederbipp BE auch Spreitenbach erschliessen. Dort würde einer von zehn sogenannten «Hubs» zu stehen kommen, bei denen der Umschlag zwischen der Tunnel-Frachtlinie und den Transportmitteln für die Feinverteilung an Kunden stattfindet. Das macht aus Limmattaler Sicht vor allem in Bezug auf die bestehende SBB-Ortsgüteranlage in Dietikon an der Grenze zu Spreitenbach hellhörig.

Noch steht Standort nicht fest

Bereits heute findet dort für einen Grossteil des Güterverkehrs der Region Zürich/Aargau der Transfer vom Gleis auf die Strasse und umgekehrt statt. Wird an dieser Stelle nun auch noch ein Anschluss an das «Cargo sous terrain»-Netz platziert, so würde der Umschlagplatz gar noch an Bedeutung zulegen.

Ob aber der unterirdische Hub an diesem bestehenden Transportknotenpunkt platziert wird, weiss selbst der Förderverein «Cargo sous terrain» noch nicht, wie dessen Präsident Peter Sutterlüti auf Anfrage sagt. Er schliesst es aber auch nicht aus: «Wir prüfen demnächst verschiedene mögliche Varianten. Feststeht, dass der Raum Spreitenbach als wichtiger Güterumschlagplatz unbedingt angeschlossen werden sollte.» Auch technisch wäre es gemäss seinen Aussagen machbar, für Stückgut eine vollautomatische Triage-Station zwischen SBB-Containern, Feinverteilungs-Transportmitteln und dem unterirdischen System zu schaffen. «Konzepte für eine entsprechende Technologie bestehen bereits heute», so Sutterlüti.

Animation Cargo sous terrain

Doch welche Folgen hätte ein solcher Mega-Umschlagplatz für den Verkehr in der Region? Jahrelang kämpften Limmattaler Gemeinden, Parteien und Organisationen gegen die Pläne der SBB Cargo, beim Rangierbahnhof den nationalen Container-Umladeterminal «Gateway Limmattal» zu schaffen. Die Gegner befürchteten im Zusammenhang mit dem Gateway eine massive Zunahme des Strassenverkehrs. 2013 haben sich SBB -Cargo und die Verladeindustrie zwar darauf geeinigt, dass der Gateway nicht oberste Priorität hat. Stattdessen soll der neue Grossterminal Basel Nord schnellstmöglich gebaut werden. Bei der Ortsgüteranlage Limmattal ist dennoch eine «Sanierung und Ertüchtigung» geplant. Das Problem: Beim Gateway pochte der Zürcher Kantonsrat für einen Richtplaneintrag auf einen Modalsplit, nach dem höchstens 20 Prozent der Güter vom Gleis auf die Strasse hätten verladen werden dürfen. Nun, da der Gateway kein Thema mehr ist, gilt diese Einschränkung aber nicht mehr. Skeptiker rechnen deshalb infolge der geplanten «Ertüchtigung» mit Mehrverkehr.

Auch im Zusammenhang mit dem möglichen Anschluss des Rangierbahnhofs an das «Cargo sous terrain»-Netz stellt sich die Frage, ob dieser in der Region zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen führen würde. Doch Fördervereinspräsident Sutterlüti winkt ab: «Davon gehe ich nicht aus. Natürlich müssen die Güter zwischen Hub und den Kunden auf den Strassen transportiert werden. Doch dafür würde ein gewichtiger Teil des Camion-Fernverkehrs in der Region wegfallen.»