Mehrere Bäume wurden gefällt, aber sein Fehlen fällt besonders auf: Der Dietiker Baum, der bis vor einigen Wochen noch auf dem Kreisel stand, wo sich Birmensdorfer- und Schöneggstrasse kreuzen. Über die Birmensdorferstrasse wird dereinst die Limmattalbahn von Urdorf her in die Zürcherstrasse fahren.

Aber auch die Schöneggstrasse ist von der Limmattalbahn betroffen. Wegen der Grossumleitung, die hier während der Bauzeit gilt. Sie tritt am 16. September in Kraft. Der Verkehr Richtung Osten, der heute auf der Zürcherstrasse verkehrt, wird dann über die Schöneggstrasse führen. Wer in Richtung Westen will, muss auf die Zürcherstrasse. So entsteht ein Grosskreisel im Bereich zwischen Birmensdorfer- und Asylstrasse. Die Busse verkehren in beide Richtungen auf der Schöneggstrasse.

Entlang der Schöneggstrasse sorgt man sich. Einer der Anwohner ist Manuel Peer (SP). Im Februar brachte er erfolgreich sein Postulat, das Tempo 30 auf der Schöneggstrasse fordert, durchs Parlament. Die Stadtratsantwort zu diesem Postulat steht noch aus.

Nun ersucht Peer den Stadtrat mit einer Interpellation, sechs Fragen zur Limmattalbahn-Umleitung zu beantworten. Er will wissen, inwiefern sich der Stadtrat in die Planungen der Umleitung eingebracht hat. Und fragt, ob den Kindern der Kindergärten und Schulen entlang der Schöneggstrasse und den Anwohnern die Umleitung zuzumuten sei. Auch um Jugendliche, die nach Urdorf an die Kanti fahren, macht er sich Sorgen.

Misstrauen gegenüber dem kantonalen Tiefbauamt

Zwar hatte der Stadtrat schon länger erklärt, dass die Polizei die Situation gut beobachten und wo nötig einschreiten wird. «Die Polizei wird sicher einen guten Job machen», sagt Peer auf Anfrage. Aber er misstraut dem kantonalen Tiefbauamt. «Ich erlebe oft, dass es in erster Linie nur darauf schaut, dass der Verkehr fliesst.» Die 2018 erneuerte Schönenwerdkreuzung sei ein gutes Beispiel dafür. «Für Motorfahrzeuge funktioniert sie einwandfrei, sie hält den Verkehr flüssig. Doch gingen bei der Planung die Velofahrer und Fussgänger ziemlich vergessen», so Peer. Auf einen Vorstoss von Martin Steiner (SP) hin wurden denn auch Verbesserungen an der Kreuzung versprochen.

Apropos Schönenwerdkreuzung: Als diese 2018 komplett gesperrt war, resultierte in den ersten Tagen ein Chaos mit Mega-Stau und stundenlangen Verzögerungen. «Die Grossumleitung wird sicher auch für ein Tohuwabohu sorgen. Viele Autofahrer werden sich dann darauf konzentrieren, den richtigen Weg zu finden, statt dass sie gut auf die Kinder Acht geben, die an der Schöneggstrasse unterwegs sind», sagt Peer.

Neben der Sicherheit ist der Verkehrslärm ein grosses Thema für ihn. «Wurde beziehungsweise wird geprüft, ob die Schöneggstrasse bei der neuen Verkehrsbelastung die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung noch einhält?», fragt er den Stadtrat. «Im Sommer 2020 werden wir wohl auch während einer Hitzewelle nicht bei offenem Fenster schlafen können», sagt Peer.

Busse erhalten eigene Spur während der Baustellenzeit

Zuerst wollte er sogar Rechtsmittel gegen die Grossumleitung ergreifen. Nach einem Gespräch mit dem Stadtpräsidenten und Mitarbeitern der Dietiker Stadtverwaltung verzichtete er darauf. Vor allem aus zwei Gründen: Das Einbahnregime der Umleitung ermöglicht es, dass die Busse auf der Schöneggstrasse Richtung Westen eine eigene Spur haben und trotz Baustelle pünktlich sind. Zudem verfügt die Schöneggstrasse über Fahrbahnhaltestellen, sodass der Bus in Richtung Osten nicht überholt werden kann. «Das wird den Verkehr etwas beruhigen», so Peer.

Umleitung: So funktioniert der Grosskreisel im Osten Dietikons

Umleitung: So funktioniert der Grosskreisel im Osten Dietikons

In seiner Interpellation fragt er auch, wie die Umleitung noch verhindert werden könnte und ob die Stadt dafür entschädigt wird, dass die Schöneggstrasse während der Umleitung sozusagen als einspurige Kantonsstrasse dient.

Weiter will Peer wissen, ob dem Stadtrat bekannt ist, dass in Schlieren, wo die Verhältnisse schwieriger seien, keine derartige Umleitung für den Bau der Limmattalbahn nötig war.

Seine Interpellation will Peer nicht als Kritik an der Limmattalbahn verstanden wissen: «Ich freue mich auf diese Bahn, ich habe sie immer unterstützt. Aber Baustellen machen nie Freude, ganz egal, worum es geht. Ich hoffe schon, dass es nicht ganz so schlimm wird», sagt Peer. Da sei es gut, wenn die Sache auch politisch diskutiert werde. So wie dies in Sachen Erreichbarkeit des Dietiker Zentrums während der Limmattalbahn-Baustelle bereits getan wurde.

Von Zürich-Altstetten nach Killwangen – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Von Zürich-Altstetten nach Killwangen – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen