Als Alain Lippiello über den Zelgli-Schulhausplatz läuft, begrüsst er einen jüngeren Knaben mit typischem Teenager-Handschlag. «Er hat im letzten Winter auch an den ‹Open Sundays› teilgenommen», erklärt der 16-Jährige die Kameradschaft. Damals wurde die Turnhalle des Schlieremer Schulhauses zum ersten Mal an 14 Sonntagen für Primarschüler geöffnet, die zwischen verschiedenen kostenlosen Sportaktivitäten wählen konnten.

Lippiello betreute als sogenannter Juniorcoach die turnenden Kinder. Als solcher spielte er mit seinen Schützlingen Mannschaftsspiele, assistierte beim Geräteturnen und sorgte dafür, dass kein Kind sich verletzt oder ausgegrenzt wird. Persönlich ist Fussball die sportliche Leidenschaft des Schlieremers, doch er spiele auch gerne Handball und Basketball.

Wenn am Sonntag die zweite Saison der «Open Sundays» angepfiffen wird, steht auch er wieder auf der Matte, dieses Mal jedoch in neuer Funktion. «Ich bin jetzt Junior-Seniorcoach und berate die Juniorcoaches in diesem Winter», sagt Lippiello, der dieses Jahr eine Lehre als Produktionsmechaniker bei den Verkehrsbetrieben Zürich begonnen hat.

«Heutzutage sind viele Kinder nur noch am Handy oder drücken auf der Spielkonsole herum», begründet der Jugendliche, weshalb er sich letztes Jahr auf den Aufruf von Idée Sport gemeldet hatte.

Die Stiftung führt als Initiator des Projekts «Open Sunday» die Sport-Sonntage seit Jahren gemeinsam mit Schweizer Gemeinden durch. Dafür rekrutiert sie lokale Jugendliche, die den 7- bis 12-jährigen Teilnehmern nicht nur unter die Arme greifen, sondern auch ihre Sportbegeisterung auf die Kinder übertragen. Neben Lippiello wurden damals weitere 10 Helfer rekrutiert. Dieses Jahr seien es noch mehr, sagt er.

Grosse Beliebtheit

Der Ansturm auf die «Open Sundays» war riesig. 40 Kinder turnten durchschnittlich in der Zelgli-Turnhalle. «Die meisten Kinder haben sonntags nichts vor, erst recht nicht im Winter», sagt Lippiello. Wenn es draussen kalt sei, wollten sie nicht raus und sässen mehrheitlich zu Hause vor Computer- oder Fernsehbildschirmen. Eine an Sonntagen geöffnete Turnhalle biete ihnen die Möglichkeit, sich auszutoben.

Besonders freute den Jungtrainer, dass auch Kinder kamen, die Lippiello als Stubenhocker bekannt waren. Weil die Kinder die Jugendcoaches aus der Nachbarschaft kennen würden, sei die Hemmschwelle zum Glück gering. «Während sich manche Kinder gegenüber unserem erwachsenen Coach eher zurückhaltend verhielten, haben sie sich beim Spiel mit uns voll eingesetzt.»

Für seine neue Rolle wird der Junior-Seniorcoach in einem Kurs unter anderem auf kritische Situationen vorbereitet. Diese können laut Lippiello entstehen, wenn sich ein Kind verletzt oder die Unkenntnis eines Sport-Einsteigers von anderen ausgenutzt wird. Zudem muss er jeden der 18 «offenen Sonntage» in der Zelgli-Turnhalle anwesend sein.

Es mache ihm jedoch nichts aus, alle Sonntage des Winters ausgebucht zu wissen – im Gegenteil. Bereits 2015 gefiel Lippiello sein Job als Sport-Animator so sehr, dass er seine freien Sonntage gar nicht geniessen konnte: «Wenn jemand ausfiel, fragte ich immer gleich, ob ich einspringen durfte.»