Ein unübliches Bild zeigte sich Birmensdorfer Passanten gestern Vormittag. Petra Leist, Gemeindeleiterin der katholischen Kirche Aesch-Birmensdorf-Uitikon, führte anlässlich des Spatenstichs eines Bauprojekts eine Segnung inmitten von Schutt und Asche durch. «Wir hoffen, dass diese Baustelle für die Welt zu grossem Nutzen gereichen wird», sagte sie, ehe sie das Weihwasser in alle Himmelsrichtungen verspritzte und für eine sichere, unfallfreie Bauzeit betete. Dabei kam nicht irgendeine Baustelle in den Genuss dieser klerikalen Würdigung. Gefeiert wurde der Spatenstich für das neue Bauprojekt für das ehemalige Traditionslokal Sonne.

Lange habe man sich dafür eingesetzt, dass weiterhin ein Gastrobetrieb in der «Sonne» beheimatet bleibe, sagte der designierte Birmensdorfer Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos). «Doch musste man sich eingestehen, dass sich kein geeigneter Wirt finden lässt. Dies obwohl das Gebäude eine historische wie auch optische Bedeutung für das Dorf hat.»
Mit dem neuen Projekt entsteht nun aber etwas, das einem Treffpunkt nahekomme, wie die Verantwortlichen sagen.

So bauen die Raiffeisenbank Mutschellen-Reppischtal und die Schällibaum und Partner Immobilien AG den ehemaligen Gasthof mit der denkmalgeschützten Fassade zu einer Bankfiliale um. Angrenzend an der Luzernstrasse 3 und 5 entstehen zudem zwei Mehrfamilienhäuser mit total 16 Wohnungen. Im März 2019 soll der Rohbau stehen. Ein Jahr später sollen die Liegenschaften bezugsbereit sein.

Treffpunkt für Rekruten

Über 50 Jahre wirtete die Aescher Familie Ramseyer im Gasthaus zur «Sonne», wodurch dieses zum geselligen Treffpunkt der Gemeinde wurde – nicht nur für Einwohner der Gemeinde, sondern auch für Rekruten vom Waffenplatz Reppischtal. Der letzte Wirt, Daniel Ramseyer, verkaufte die Liegenschaft 2014, da er keine familieninterne Nachfolge für den Betrieb fand. Die Schällibaum und Partner AG kam so zur Liegenschaft und war bestrebt, die «Sonne» zu sanieren und auf den angrenzenden zwei Parzellen Wohnbauten zu realisieren.

Dann passierte jedoch lange nichts. 2016 bot das Unternehmen die Liegenschaft mit den beiden angrenzenden Gebäuden wie auch die Pläne für die Sanierung und den Bau der Wohnungen für gut 15 Millionen zum Verkauf an.

Nun aber stiess das Unternehmen die «Sonne» nicht ganz ab. Es bleibt zu 50 Prozent Stockwerkeigentümer. Die restlichen 50 Prozent erwarb die Raiffeisen-Bank. «Die ‹Sonne› sollte eigentlich mit den beiden Nachbargebäuden entwickelt werden, was jedoch nicht umgesetzt werden konnte», sagte Geschäftsführer und Mitinhaber Remo Schällibaum. Für die beiden Nachbargebäude besteht nun kein konkretes Projekt und man habe auch noch nichts im Köcher, so Schällibaum.

Marco Putzolu, Vorsitzender der Raiffeisen-Bankleitung, ist überzeugt, dass ein Mehrwert für die Birmensdorfer entsteht. So könne man die Bankgeschäfte dereinst quasi am Stammtisch des ehemaligen Gasthofes besprechen. «Nur wird der Kaffee dabei kostenlos serviert», sagte Putzolu. Mit dem Bau gewinnt der Standort Birmensdorf an Gewicht.

So bleibt der Hauptsitz zwar am Standort Mutschellen, aus Platzgründen werde der technische Hauptsitz aber nach Birmensdorf verlegt. «Es braucht eine Bank aus Glas und Stein, gefüllt mit Vertrauenspersonen. Das ist die Zukunft», sagte Putzolu. Dies zeigt sich auch ein paar Kilometer weiter in Uitikon. Dort eröffnet die Raiffeisen im kommenden November eine neue Filiale im Zentrum Waldegg.

6,5-Zimmer-Wohnung unterm Dach

Obwohl in der «Sonne» dereinst Bankgeschäfte getätigt werden, soll sie weiterhin eine gewisse Zentrumsfunktion haben. «Wir stellen uns vor, ein Begegnungszentrum zu bilden», so Putzolu. Wie dies im Detail gelebt werde, müsse sich erst zeigen. Dass es wieder so werde wie früher, als noch die Familie Ramseyer wirtete, ist aber unrealistisch. Auch Putzolu erinnert sich gerne daran, da auch er zu Militärzeiten regelmässig in der «Sonne» verkehrte. «Ich finde es schade, dass es in Birmensdorf keinen solchen Ort mehr gibt. Doch stimmen dafür wohl in der heutigen Zeit die Rahmenbedingungen nicht mehr», sagt er.

Anders sieht es bei den Wohnungen aus, für welche die Verantwortlichen bereits von Interessenten kontaktiert wurden. An der Luzernstrasse 1 entstehen vier Neubauwohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern. Im Dachgeschoss entsteht eine Wohnung mit 4,5 Zimmern und einer Fläche von 176 Quadratmetern. Im Dachgeschoss des Altbaus kommt gar eine 6,5-Zimmer-Maisonnette Wohnung mit über 200 Quadratmetern Fläche auf den Markt. An der Luzernstrasse 3 entstehen Ladenflächen sowie zwei 4,5-Zimmer-Wohnungen. An der Luzernstrasse 5 entstehen 2,5 bis 4,5-Zimmer-Wohnungen, mit ebenfalls über 200 Quadratmetern Wohnfläche.