Rund um das weisse Stadtzelt spielen sich Strassenszenen eines Sommerabends ab. In der Sportbar nebenan versammeln sich Fussballfans vor grossen Bildschirmen und fiebern dem Viertelfinal zwischen Spanien und Frankreich entgegen.

Auf den Stufen vor der Kirche geniessen Jugendliche den warmen Abend, Kinder jagen auf dem Kirchplatz einem Ball hinterher. Mitten im bevölkerten Dietiker Stadtzentrum trägt das Unterhaltungsorchester Limmattal (UOL) sein Sommerkonzert aus.

Kurz vor acht zerschneidet scharfes Knallen die beschauliche Festzeltstimmung. Die «Geisslechlepfer» lassen die Peitschen kreisen und künden die einheimische «Trychlergruppe Dietikon» an. Vor der Bühne aufgestellt, entfachen die Trychler ein regelrechtes Klanginferno. Dröhnend, von der Akustik des Zeltes verzerrt und verstärkt, läuten die mächtigen Schellen das Zentrumskonzert markerschütternd ein.

Bläser und Akkordeon dominant

Unter der Leitung von Dirigent und Multiinstrumentalist Theddy Biedermann spielt das UOL das erste Set des Konzertabends. Von grossen Festzeltnummern wie «Que Sera, Sera» bis hin zur helvetischen Powerballade «Lift You Up» von Gotthard, arrangiert Biedermann die Musik eigenhändig für das 27-köpfige Ensemble. Ihr Sound ist von Bläsern und Akkordeon dominiert und nach anfänglichen leichten Abstimmungsschwierigkeiten steigert sich das Orchester bald zu sauberem Präzisionsspiel. Zweimal an diesem Samstagabend fragt Biedermann: «Wänder no ein?». Zweimal überrascht es niemanden, dass die Antwort ein hundertstimmiges «Ja» ist.

Nach einer kurzen Umbaupause treten die jungen «Swiss Jungle Drummers» vor die Bühne - keines der Mitglieder zählt mehr als siebenunddreissig Jahre. So alt ist Roger Küng, Erfinder der Gruppe und Schlagzeuglehrer in Dietikon. Schade nur, dass die Formation ohne ihre Steelpans gekommen ist: Karibik hätte gut zu diesem Abend gepasst .

So kommt die ausschliesslich mit Perkussionisten besetzte Variante zwar ohne Melodien aus, vermag aber gleichwohl zu überzeugen. Treibende Tempi wechseln sich mit komplexeren Polyrhythmen ab. Die über Drums, Cymbals, Guiro und Cowbells wirbelnden Stöcke lassen das Publikum staunen und mit den Schuhspitzen wippen.

Stilvolles Ende mit Big Band-Sound

Gentlemanlike und stilvoll wird es, als die «Big Sounders Orchestra» auf die Bühne treten. Der Glenn Miller-Klassiker «Tuxedo Junction» ist nur einer von mehreren ausgewählten Höhepunkten aus dem Great American Songbook. Am Ende kontrastiert das gemächlich rollende «Sentimental Journey» den hyperaktiven «Jailhouse Rock» Elvis Presleys.

Beinahe nostalgisch wirkt es, als sich Thomas Buck, Präsident des UOL, an die vergangenen Jahre in der Reithalle im Fondli zurückerinnert: «Wir fühlten uns dort jahrelang wie zuhause». Doch irgendwie funktioniert gerade die urbane Musik der «Big Sounders» wohl besser im weissen Zelt im Stadtzentrum, als im dunklen Holz der Reithalle.