Oft lösen Zeitungsartikel Reaktionen aus. Aber nicht immer fallen sie so heftig aus, wie nach dem Artikel über die Bedeutung der Würenloser Autobahnraststätte (az vom 20. Januar). Heinz Walter aus Wettingen schreibt: «Von Journalisten der Aargauer Zeitung ins Leben gerufen, kursiert immer wieder das Unwort ‹Fressbalken› in der AZ (...) Tiere fressen, so will es unsere Sprache. Menschen hingegen essen! Wir können es daher nicht verstehen und auch nicht akzeptieren, dass Journalisten einer gut geführten Tageszeitung es sich erlauben, uns Menschen den Tieren gleichzustellen (...) Für alle Firmen und deren Angestellte muss es diskriminierend wirken, zu lesen, dass Journalisten der Aargauer Zeitung die Shoppingbrücke Würenlos ‹Fressbalken› nennen.»

Walters erster Vorwurf ist schnell entkräftet. Der Name «Fressbalken» wurde nicht etwa von Medienschaffenden erfunden, sondern hat sich seit Bestehen der Raststätte Anfang der 1970er-Jahre eingebürgert, wie mehrere Quellen bestätigen.

Bleibt die Frage, ob der Name «Fressbalken» tatsächlich diskriminierender Natur ist. Nach telefonischer Nachfrage bleibt Walter dabei: «Ich finde es nicht gut, dass wir als Tiere hingestellt werden, die Raststätte wird so in den Dreck gezogen.»

Wissenschaftler: «Keine Wertung»

Tatsächlich? Fakt ist: Googelt man den zusammengesetzten Begriff «Fressbalken Würenlos», erscheint als zweiter Link bereits derjenige der Shopping-Raststätte Würenlos – so der offizielle Name. Roman Würsch, der die Geschichte der Raststätte in den «Würenloser Blättern» nachgezeichnet hat, erstaunt dies nicht: «Der Name hat sich derart eingebürgert, dass ich darin keine Wertung mehr sehe. Vielleicht ist es nicht der schönste Name. Aber als despektierlich empfinde ich ihn nicht.»

Unterstützung erhält er vom Germanisten und Sprachwissenschaftler Niklaus Bigler: «Ich sehe in diesem Namen keine Wertung. Und selbst wenn: Der Name hat sich in der Bevölkerung seit Jahrzehnten eingebürgert, weshalb sich die Frage nach dem Stil erübrigt. Oder soll man das Volk dafür tadeln?» Der Name «Fressbalken» sei sicher einprägsamer als etwa «Zwischenverpflegungs-Überführung».

Ferris Bühler, Inhaber der Badener PR-Agentur, die für das Marketing und die Kommunikation der Raststätte verantwortlich zeichnet, bestätigt diesen Befund. «Natürlich verwenden wir diesen Namen nicht offiziell. Doch in der Bevölkerung ist der Name zu einer Marke geworden.»

So habe eine Umfrage ergeben, dass in der Deutschschweiz 76 Prozent den «Fressbalken» kennen. «Ich bin davon überzeugt, dass gerade der Name dazu führte, dass Würenlos heute die bekannteste Raststätte der Schweiz hat.» Deshalb wäre es aus Bühlers Sicht falsch, die Bevölkerung umerziehen zu wollen.

Mieter empfinden nichts Negatives

Überhaupt kein Problem mit dem Namen «Fressbalken» bekundet auch Frank Johner, Präsident der Mietervereinigung und Verkaufsleiter Herren Globus. «Wir sind seit Bestehen der Raststätte hier eingemietet und haben den Namen nie als negativ empfunden.» Nach dem Umbau 2004 – der Shopping-Bereich wurde auf Kosten der Gastronomie ausgebaut – habe man zwar den Namen «Shopping-Raststätte Würenlos» bekannter machen wollen. «Wir mussten jedoch schnell einsehen, dass der geläufige Name nicht wegzubringen ist», sagt Johner.

Auch für Jean-Pierre Gigaut, Verwaltungsratspräsident der Autobahnraststätte Würenlos AG, ist der Namen nicht negativ behaftet. «Klar, es ist kein lieblicher Name, doch unsympathisch ist er deswegen nicht. Würden wir den Namen negativ empfinden, hätten wir schon lange eine Gegenkampagne gestartet.»

Name stört den Gemeindeschreiber

Doch ganz allein steht Leser Heinz Walter nicht da. Schützenhilfe erfährt er von Patrik Zwicky von der für die Verwaltung der Raststätte verantwortlichen H&B Real Estate AG. «Der Name hat für uns einen negativen Beigeschmack, weshalb wir ihn auch nie verwenden.» Zwicky würde es begrüssen, wenn sich in Zukunft der Name «Shopping-Raststätte» einbürgern würde.

Und auch auf Gemeindeebene erfährt Heinz Walter Sukkurs. «Mich stört dieser Name», sagt Gemeindeschreiber Daniel Huggler. Deshalb verwende er ihn nie – selbst privat nicht. «Wäre es irgendeine Baracke, könnte ich mit diesem Namen leben. Doch für diesen repräsentativen Bau ist der Ausdruck ‹Fressbalken› despektierlich», hält Huggler fest.