Dietikon
Soll die Nötzliwiese attraktiver werden? - Stadtrat sieht keinen Bedarf

Statt eines Verpflegungsstands kommen nur Wegweiser – dafür ist nicht nur die Stadt verantwortlich.

Thomas Mathis
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Im Winter ist auf der Nötzliwiese nicht viel los. An heissen Sommertagen landen hier viele Auswärtige, die sonst nie in die Limmatstadt kommen würden.

Im Winter ist auf der Nötzliwiese nicht viel los. An heissen Sommertagen landen hier viele Auswärtige, die sonst nie in die Limmatstadt kommen würden.

Chris Iseli

Im Sommer kommen Touristen auch auf dem Flussweg nach Dietikon. Mit aufblasbaren Booten lassen sie sich auf der Limmat abwärts treiben, bis sie nahe dem Bahnhof bei der Nötzliwiese direkt vor dem Wehr an Land gehen. Ohne den Fluss wäre die Limmatstadt an heissen Sommertagen kaum ein Ort, der viele Touristen anzieht. Doch wie steht es um die Attraktivität dieses Areals? FDP-Gemeinderat Philipp Müller, der selbst gerne auf der Limmat unterwegs ist, wollte dies vom Stadtrat wissen. Deshalb reichte er eine Interpellation ein, die er augenzwinkernd mit «Hafenstadt Dietikon» betitelte. Müller und zwölf Mitunterzeichner sind der Meinung, dass die Stadt zu wenig aus der Anlegestelle macht.

In seiner Antwort bezeichnet der Stadtrat die Wiese mit Spielplatz und Grillstelle als «attraktiver städtischer Freiraum», der verschiedenen Ansprüchen gerecht wird. Er sieht derzeit keinen Bedarf für Aufwertungsmassnahmen, setzt für erhöhte Sauberkeit aber auf häufigere Reinigung.

Einen zentralen Punkt in der Argumentation bildet die geplante Spiel- und Liegewiese in der Allmend Brunau. In der Nähe des Bahnhofs Glanzenberg soll im Rahmen der Neukonzessionierung des Kraftwerks Dietikon und der damit verbundenen ökologischen Ausgleichsmassnahmen ein Erholungsraum für die Bevölkerung entstehen. Die Anlage werde mit einer Wasser- und Grillstelle sowie Toiletten ausgestattet und das abgeflachte Ufer soll nicht nur zum Baden einladen, sondern auch als Ausstieg für Böötler dienen, schreibt der Stadtrat. Ziel sei es, mit dieser Anlage die Nötzliwiese und das Quartier Altberg zu entlasten. Einen konkreten Zeitrahmen nennt der Stadtrat aber nicht.

Auf kurze Sicht schlägt er vor, Wegweiser und Informationstafeln zu installieren, damit sich die Auswärtigen orientieren können. Zusammen mit dem Verein Regionale Projektschau Limmattal möchte er zudem die Böötler mit einer Broschüre auf die Sehenswürdigkeiten hinweisen.

SBB wollen Verpflegungsstand nicht

Mit der positiv geschriebenen Antwort des Stadtrats ist Müller grundsätzlich zufrieden. Er hätte sich allerdings gewünscht, dass die Replik stärker auf die derzeitige Situation eingeht. «Was der Stadtrat momentan unternehmen möchte, ist grösstenteils offengeblieben», sagt er auf Anfrage. Er geht mit dem Stadtrat zwar einig, dass grosse Investitionen nicht sinnvoll sind, wenn auf der Allmend Brunau etwas Ähnliches geplant ist. Dennoch denkt er, dass weitere kleinere Massnahmen möglich sind, etwa Ausstiegshilfen am Ufer.

Philipp Müller FDP-Gemeinderat Dietikon

Philipp Müller FDP-Gemeinderat Dietikon

zvg

In der Interpellation stellt Müller auch die Frage, ob es möglich wäre, einen Verpflegungsstand auf der Nötzliwiese einzurichten. Der Stadt seien hier die Hände gebunden, weil die Wiese mit Ausnahme des Spielplatzes den SBB gehört, heisst es in der Antwort. Einen interessierten Gastronomiebetreiber hat die Stadt an die SBB weitergeleitet. Wie SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage bestätigt, ist ein solcher Stand derzeit kein Thema. «Da weder Strom noch Wasser vorhanden sind, konnten die SBB die Bewilligung für einen Verpflegungsstand nicht erteilen.»

Müller schneidet in seinen Fragen auch die Sicherheit für Badegäste an. «Es ist positiv, dass der Stadtrat nicht primär die Gefahren des Badens sieht», freut er sich.

Flussbad wird wieder zum Thema

Die Attraktivität von Dietikon als Badeort beschäftigt Müller, der diese Woche mit einer Interpellation zum Thema Flussbad nachdoppelte. «Ich habe viele Reaktionen auf die Hafenstadt-Interpellation erhalten. Die Rückmeldungen zeigen, dass sich die Dietiker eine Flussbadi wünschen», sagt er. Damit bringt er ein Thema auf die Agenda, das in Dietikon schon seit vielen Jahren diskutiert wird.

Bereits 2006 gab der Stadtrat bekannt, dass er ein Flussbad erstellen will. Das Projekt harzte jedoch von Beginn weg, unter anderem wegen Sicherheitsbedenken. Nachdem das Flussbad 2014 aus dem Regierungsprogramm fiel, will Müller dem Thema neuen Schub verleihen. Die Interpellation, die von allen FDP-Fraktionsmitgliedern unterzeichnet wurde, fragt unter anderem, ob im Rahmen des Projekts auf der Allmend Brunau ein Flussbad errichtet werden könnte. «Das würde die Attraktivität von Dietikon stark erhöhen», sagt Müller. Er hofft, dass der Stadtrat in seiner Antwort genauer ausführen wird, was er auf der Allmend Brunau vorhat.