Das Klingelschild des Personalhauses des Spitals Limmattal weist über 100 Namen aus. Hier an der Schlierenstrasse können Mitarbeitende für nur 360 Franken im Monat ein Zimmer mieten. Diese sind 13 Quadratmeter gross, zudem gibt es zehn Studios, die ungefähr doppelt so viel Platz, ein eigenes Bad und eine Küche bieten. Die grösseren Studios kosten 570 Franken und werden nur an Festangestellte abgegeben. Nadja Bylang führt für sie eine Warteliste. «20 Personen warten auf einen positiven Bescheid», sagt die Leiterin des Personalhauses. Sie ist seit 20 Jahren zuständig für den Betrieb und gehört somit schon fast zum Inventar. Die fröhliche Frau kennt jeden Bewohner beim Namen und wird von den Mitarbeitenden des Spitals sehr geschätzt.

Geschirrberge und Waschchaos

Trotzdem muss Bylang auch hin und wieder durchgreifen. «Wenn das Chaos in der Küche zu schlimm wird, stelle ich das schmutzige Geschirr bei mir hinter die Glaswand in der Eingangshalle und schreibe dazu das Stockwerk an», sagt sie und lacht. Es melde sich dann aber jedes Mal jemand, der sich schuldig bekenne und dem das Ganze «äussert peinlich» sei. Auch in der Waschküche halte man sich nicht immer an den Plan, so Bilang. Dass das Spital diese Wohnungen anbieten könne, sei ein Privileg, sagt Gisela Bürgler.

Die Leiterin Betrieb Altbau bezeichnet diese Möglichkeit als Win-Win-Situation für das Spital. Dass gewisse Mitarbeitende schon mehr als zehn Jahre lang da wohnen, spreche für sich, sagt sie. Schliesslich habe das Personalhaus mit einem eigenen Fitnessangebot, TV-Raum, Klavierzimmer und Dachterrasse auch einiges zu bieten. Es sei sogar schon vorgekommen, dass sich durch das Zusammenleben Mitarbeitende nicht nur kennen- sondern auch lieben gelernt hätten.

Derzeit werden die Zimmer laufend saniert. Inzwischen sind die ersten beiden Stockwerke abgeschlossen. Die weiteren Unterkünfte folgen, sobald der Neubau des Spitals fertiggestellt ist.

Maria Lilian Schaler, Pflegefachfrau HF

Der Duft von frisch gebrautem Kaffee erfüllt das nur gerade ein paar Quadratmeter grosse Zimmer von Maria Schalers. Wann immer die Pflegefachfrau in ihr Zimmer heimkehrt, macht sie sich zuerst eine grosse Tasse Kaffee zur Stärkung. «Meine eigene Maschine zu haben, ist mir besonders wichtig», sagt sie. Die Küche werde im Personalhaus nämlich mit den anderen Bewohnern des Stockwerks geteilt. Schaler arbeitet auf der geschlossenen Demenzabteilung, die in weniger als fünf Minuten zu Fuss zu erreichen ist.

Das zweite Ritual, das sich täglich nach getaner Arbeit wiederholt, ist das Telefonieren über den Computer mit ihrem Mann. «Dadurch sehen und hören wir uns jeden Tag», so Schaler. Ihr Partner ist Pressefotograf und wohnt in Österreich, unweit von Wien. Dort hat Schaler zuvor ebenfalls gearbeitet. Die Pflegefachfrau hat sich dann aber aufgrund des besseren Lohnes dafür entschieden, in die Schweiz zu kommen. Neue Länder und Kulturen kennenzulernen, das findet Schaler sowieso besonders spannend. Auf den Philippinen aufgewachsen, ist sie als junge Erwachsene der Liebe wegen nach Österreich gezogen. Ein bis zwei Mal im Monat fährt oder fliegt sie nach Hause. Je nachdem, wie es der Dienstplan zulässt.

Sie vermisse hier vor allem ihre Katze, so Schaler. Ihren Mann sehe sie schliesslich jeden Tag – wenn auch nur über einen Bildschirm. Wenn sie lacht, blitzen ihre weissen Zähne zwischen den dunkelrot bemalten Lippen hervor. Das Heimweh sei aushaltbar, sagt Schaler, nun wieder ernst. Halt gebe ihr die Bibel, die sie jeden Abend vor dem Zubettgehen lese.

Viele Freunde im Haus

Im Personalhaus zu wohnen sei für sie die ideale Lösung, so die 56-Jährige. Einerseits sei dies günstiger, als eine Wohnung zu mieten, und andererseits sei man nie alleine. Treffpunkt und Herz des Personalhauses ist die gemeinsame Küche. «Über die Jahre hinweg entwickeln sich durchaus Freundschaften», sagt Schaler. Sie informiere ihre Nachbarn jedes Mal, wenn sie wegfahre. «Damit sie mich nicht vermissen oder sich Sorgen machen», fügt sie an. Viele Bewohner im Haus seien Deutsche. Aber auch Schweizer, die noch in der Ausbildung seien, wohnten hier, sagt Schaler und fährt fort: «Die Schweizer sind sehr genau und pünktlich, sowohl bei der Arbeit als auch privat. Die Österreicher sind da lockerer und die Deutschen direkter. Das ist spannend.»

Wenn Schaler mal ein ganzes Wochenende im Limmattal verbringt, dann geht sie am liebsten mit einer Freundin aus dem Personalhaus nach Zürich, wo sie einkaufen und in einem Restaurant essen. Das sei der beste Ausgleich zum stressigen Alltag. Die Arbeit mit Demenzkrankten sei sehr anstrengend, sagt Schaler. «Die Menschen können sehr aufbrausend sein.» Mit viel Fachwissen und Geduld meistere sie die Aufgabe aber gut. Am Abend abzuschalten ist für sie besonders wichtig, auch wenn der Weg nach Hause nur ein kurzer ist.

Hannes Isele, diplomierter Physiotherapeut

Wo immer man in Hannes Iseles Zimmer hinschaut, strahlt einen der kleine Sohn des Physiotherapeuten von Fotos entgegen. «Im November wird er zwei Jahre alt», sagt der stolze Vater. Ihn und sein Kind trennen 170 Kilometer. Zusammen mit Iseles Frau wohnt der Sprössling in Kappel-Grafenhausen in Deutschland. Seitdem Isele im März seine Stelle im Spital Limmattal angetreten hat, sieht sich die Familie nur noch am Wochenende. Zwischen ihnen liegen zwei Stunden Fahrt mit dem Auto. Manchmal verbringen auch alle zusammen das Wochenende in der Schweiz.

Der bessere Lohn in der Schweiz war ausschlaggebend für den Jobwechsel des 35-Jährigen. Sobald Iseles Frau ihr Studium in Deutschland beendet hat, will sie mit dem gemeinsamen Kind nachkommen. «Weil ich weiss, dass die Zeit hier absehbar ist, lässt es sich gut aushalten», so Isele. Zu Beginn war die Umstellung nicht einfach, auch bei der Arbeit nicht. «Viele Abläufe sind hier anders als in Deutschland.» Die Richtlinien würden im Spital Limmattal viel genauer eingehalten und jeder Mitarbeitende kenne seine Zuständigkeiten, sagt Isele.

Jeden Abend wird telefoniert

Abends nutzt er seine Zeit, um mit der Familie zu skypen. Wenn nichts anderes geplant sei, sehe er seine Frau so jeden Tag. Auch für seinen Sohn sei es wichtig, den Papa wenigstens über den Bildschirm sehen zu können, so der Physiotherapeut. Besonders viel Kontakt zu anderen Bewohnern habe er daher nicht. Man treffe sich aber ab und an in der Küche und tausche sich aus. Weil aber viele im Schichtbetrieb arbeiten, sei dies eher unregelmässig. Die Freundschaften, die er zu Hause sehr intensiv gepflegt habe, fehlen ihm hier. Nicht verzichten will er auf das Fotoalbum mit Bildern seiner Familie – das einzige Materielle, das ihm hier wichtig sei. «Meine Frau hat es mir geschenkt», sagt Isele.

Antonella Evangelista, Operationstechnik HF

Spiegel, Kühlschrank und Ventilator: Antonella Evangelista hat so einige Dinge in ihr Zimmer im Personalhaus mitgebracht. Denn die junge Fachfrau Operationstechnik will längerfristig im Personalhaus wohnen bleiben. Seit Oktober des letzten Jahres arbeitet sie als Festangestellte im Spital Limmattal, zuvor war sie schon einmal temporär hier. Schon damals habe sie im Personalhaus gewohnt, sagt die Italienerin. Als sie dann zurückgekehrt sei, sei ihr sofort wieder ihr altes Zimmer angeboten worden. «Umso erfreulicher, dass es in der Zwischenzeit sogar renoviert wurde», sagt sie. Genommen hätte sie es aber so oder so.

Freundinnen wohnen auch da

Zwei weitere Mitarbeitende, die auf demselben Stock wohnen, sind ihre besten Freundinnen. «Ich fühle mich hier richtig wohl», so die 29-Jährige. Das Zimmer sei mit Abstand das schönste von allen bisherigen Zimmern in anderen Personalhäusern, die sie schon bewohnt habe. Und da kämen einige zusammen. Einzig das Teilen der Nasszellen sei nicht ideal, aber man könne eben nicht alles haben. Da Evangelista Allergikerin ist, schätzt sie die pflegeleichte Einrichtung. «Teppich wäre für mich ein Horror», sagt sie. Nur der Schrank, der dürfte etwas grösser sein, findet die Operationstechnikerin.

Darin sowohl Winter- als auch Sommerklamotten unterzubringen, sei fast unmöglich. «Für einen grösseren Schrank würde ich sogar den Schreibtisch opfern», sagt sie. Evangelista schätzt die Kameradschaft im Haus: «Wir verabreden uns oft zum Kochen.» Darüber freuten sich zwar nicht immer alle Bewohner, aber im Grossen und Ganzen sei auch das kein Problem. Ideal seien auch die Anbindungen an Zürich, falls man doch einmal feiern gehen wolle. Und der Preis des Zimmers sei unschlagbar, schwärmt sie. Dadurch könne sie jede Menge Geld sparen. Sie habe vor, noch zwei bis drei Jahre hier zu wohnen.

Katrin Student, Ärztin in Ausbildung

Obwohl Katrin Student im fünften und damit obersten Stockwerk des Personalhauses wohnt, nimmt sie eisern die Treppe. «Bewegung in den Alltag einzubauen, ist mir wichtig», sagt die Ärztin in Ausbildung und schafft nun sogar zwei Tritte gleichzeitig. Oben angekommen, ist sie kaum ausser Atem geraten. «Ich treibe fünf Mal pro Woche Sport», sagt die 35-Jährige, während sie die Tür zu ihrem Zimmer aufschliesst. Der kleine Raum wirkt wenig personalisiert, einzig ein paar Blumenbilder zieren die kahlen Wände. «Ich bin erst seit drei Wochen da», sagt Student. Zuvor habe sie in Aachen in der Nähe von Köln gewohnt.

Wunschpraktikum in der Schweiz

Als Unterassistentin steht die junge Frau kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und muss dafür ein Jahr Praktikum absolvieren. Davon drei Monate in der Schweiz zu verbringen, ist für Student ein Glücksfall. «Ich mag den Standort und erkunde in meiner Freizeit gerne die Umgebung», sagt sie. Mit dem Fahrrad oder ihren Laufschuhen an den Füssen sei sie schnell überall. «Ich bin schon den Üetliberg hochgelaufen oder bis nach Brugg gefahren», sagt die Deutsche.

Doch nicht nur die Landschaft hat es Student angetan. Sie schätze die Mentalität der Schweizer sehr, sagt sie. Ihre Landsleute seien ruppiger. Hier sei zudem alles viel organisierter als sie das von anderen Spitälern kenne. «Die Abläufe sind besser und die Zuständigkeiten klarer.»

Viele der anderen Bewohner im Haus hat Student noch nicht kennen gelernt. «Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich schon alle auf meiner Etage gesehen habe.» Das sei aber auch in Ordnung so. Da sie sowieso nur für eine begrenzte Zeit hier sei, fühle es sich ein bisschen an wie Urlaub und da könne sie auch gut alleine am Wochenende etwas unternehmen. Das Wichtigste sei, dass sie ihre Laufschuhe dabei habe.