Schlieren
So wird das heutige Geistlich-Areal bis 2019 aussehen

Eine Jury wählte drei Bauprojekte für die nächste Bauetappe auf dem Geistlich-Areal.

Florian Niedermann
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Es ist das «Masterpiece» des neuen Geistlich-Areals am Rietpark: die Wohn- und Gewerbeüberbauung «Oleander» von Graber Pulver Architekten. Ob der alte Kamin (linke Bildhälfte) stehen bleibt, ist fraglich. zvg

Es ist das «Masterpiece» des neuen Geistlich-Areals am Rietpark: die Wohn- und Gewerbeüberbauung «Oleander» von Graber Pulver Architekten. Ob der alte Kamin (linke Bildhälfte) stehen bleibt, ist fraglich. zvg

Florian Niedermann / zvg

Fast 600 Meter misst die Strecke von der Engstringerstrasse zum neuen Goldschlägiplatz. Auf diese Länge wird sich einst der Rietpark erstrecken, der das grüne Rückgrat des neuen Schlieremer Stadtteils nördlich der Bahnlinie bildet. 2019 werden zwei weitere Siedlungen mit insgesamt 450 Wohnungen und ein Bürogebäude auf dem Geistlich-Areal bezugsbereit sein. Sie umrahmen den Rietpark in nördlicher und östlicher Richtung. Die Fachjury präsentierte nun die Projekte, welche aus dem Architekturwettbewerb für diese Baufelder als Sieger hervorgingen. Auch wenn damit ein grosser Teil der ehemaligen Leimfabrik überbaut sein wird – fertig ist das Quartier «am Rietpark» noch lange nicht.

Auf dem ehemaligen Färbi-Areal, dem westlichen Stück des neuen Stadtteils, sind die Industriebauten längst verschwunden. Die Halter Entwicklungen AG hat in den vergangenen acht Jahren auf ihrem 45 000 Quadratmeter grossen Terrain bereits 600 Wohnungen und rund 14 500 Quadratmeter Geschäftsflächen auf Basis eines Gestaltungsplans erstellt. Auch auf der Ostseite des neuen Quartiers, einem rund 80 000 Quadratmeter grossen Gebiet mit eigenem Gestaltungsplan, ist seit vergangenem Jahr ein erstes Wohngebäude der Geistlich Immobilia AG mit 137 Eigentumswohnungen Bau.

Nur wenige Zeitzeugen bleiben

Bis Ende 2016 dürften die bestehenden Gebäude auf dem Areal des ehemaligen Industriebetriebs bereits gänzlich verschwunden sein, wie Jeremy Hoskyn, der Vorsitzende der Fachjury beim Architekturwettbewerb sagte: «Wir wollen die alte Fabrikanlage abbrechen und dann gleich die Ausführung der drei Bauvorhaben auf unserem Gelände angehen.» Von den Zeitzeugen der Schlieremer Industriegeschichte werden voraussichtlich nur einige wenige Kleinbauten erhalten bleiben. Darin könnte etwa ein Gastro-Betrieb eingerichtet werden, sagt Hoskyn. Noch nicht sicher sei, ob auch der markante Backsteinkamin verschwinden wird. Mit dem Denkmalschutz ist ein möglicher Abbruch aber bereits abgesprochen, wie Martin Geistlich, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Geistlich Immobilia AG, sagt: «Diese Diskussion wurde längst geführt.»

Was auf dem ehemaligen Fabrikgelände entstehen soll, bezeichnete die Jury in ihrem Wettbewerbsbericht als «breit durchmischte Nachbarschaft». Die beiden Bauherrinnen, die Geistlich Immobilia und die Helvetia Versicherungen, liessen von zwei Immobilien-Beratungsfirmen eigens ein Nutzungskonzept für die aktuelle Planungsetappe erstellen. Dieses sieht vor, dass dort neben Büro- und Gewerbeflächen ein breites Spektrum von Mietwohn--Formen entstehen soll. So will man erreichen, dass sich in den Siedlungen Bewohner verschiedener Altersgruppen und sozialer Schichten niederlassen. «Wir und die Verantwortlichen der Helvetia sind überzeugt, dass diese Ausrichtung der Nachfrage in Schlieren entspricht», sagt Geistlich. Die Investitionskosten ihrer Projekte wollen die beiden Bauherrschaften nicht angeben.

Symbolhaft für das Nutzungskonzept steht das sich über zwei Baufelder erstreckende Gebäude mit dem Namen «Oleander» an der Kreuzung Engstringer-/Brandstrasse. Das Projekt, das Graber Pulver Architekten für die Geistlich Immobilia entworfen haben, bezeichnete Hoskyn bei der Projekt-Präsentation als das «Masterpiece» dieser Bauetappe. In einem 45 Meter hohen Turm werden dort Loftwohnungen, 2,5-Zimmer-Wohnungen und Cluster-Wohnungen (Studios, die sich Gemeinschaftsräume teilen) sowie Büros, ein Quartierversorger und Gastronomieangebote entstehen. In drei rückgelagerten, zu einander verschobenen Baukörpern sind Mietwohnungen von 2,5 bis 4,5 Zimmer sowie eine Altersresidenz mit Pflegewohnungen vorgesehen.

Junge Senioren sind willkommen

Ebenfalls an der Brandstrasse westlich des «Oleanders» baut die Helvetia Versicherung das von Gmür & Gschwendener Architekten konzipierte Wohn- und Gewerbegebäude «Brassavola» mit 3,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen für junge Senioren und Familien.

Und südlich der beiden Siedlungen wird schliesslich ein reines Bürogebäude entstehen. «Ideenfabrik» heisst das von E2A Architekten entworfene, Siegerprojekt. Es soll zu einem grossen Teil an ein einzelnes Unternehmen vermietet werden: Die in Schlieren angesiedelte Firma Zühlke hat laut Geistlich bereits Interesse angemeldet. «Noch sind aber keine Verträge unterschrieben», sagt er.

Wenn die aktuelle Bauetappe abgeschlossen ist, so stehen noch immer drei Baufelder des Gestaltungsplans «Geistlich» offen. Dazu gehört neben einem Hochhaus am Eingang des Parks beim Bahnhof Schlieren und einer Siedlung auf der Wiese zwischen Brand- und Bernstrasse auch das grösste Baufeld des Geistlich-Areals – das heutige Rackettsport-Center Vitis. 2020 läuft der Vertrag mit den Betreibern aus. Die weitere Planung sei erst auf die Zeit danach angesetzt, sagt Geistlich.

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