Wer am Mittwoch in der Nähe des Urdorfer Werkhofs Tyslimatt unterwegs war, traf höchstwahrscheinlich auf einige Fahrradfahrer, die mit Pflanzen vollgepackt die Weihermattstrasse hinuntersteuerten. «Es kamen einige Leute mit dem Velo vorbei. Ein paar haben vermutlich die Grösse der Pflanzen unterschätzt, die sie hier bekommen», sagte Janick Frei, Abteilungsleiter Umwelt der Gemeinde Urdorf. Er hat gemeinsam mit Philipp Frei, dem Leiter der Regiebetriebe, den Eintauschmarkt für invasive Neophyten organisiert, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfand.

Mit den Wurzeln ausreissen
Bei der Aktion konnten Urdorferinnen und Urdorfer gebietsfremde und schädliche Pflanzen, die in ihrem Garten wuchsen, durch Einheimische ersetzen. Im Vorfeld mussten sie die invasiven Neophyten inklusive der Wurzeln ausreissen. Sie durften dann unter Beilage eines Beweisfotos eine einheimische Ersatzpflanze bestellen.

So wurde etwa für eine ausgerissene Amerikanische Goldrute Johanniskraut oder Gemeiner Gilbweiderich angeboten und für das Einjährige Berufskraut eine Wildblumenmischung oder Wiesenmargeriten. Die Ersatzpflanzen konnten am Mittwoch beim Werkhof abgeholt werden. «Eigentlich hatten wir auch den Samstag als Abholtag eingeplant, doch meldeten sich dort nur wenige an, sodass wir diese auch auf den Mittwoch schieben konnten», sagte
Janick Frei.

Einer der 20 Leute, die von dem Angebot profitiert haben, ist Heinz Graf. Der Urdorfer holte sich für einen ausgerissenen Kirschlorbeer Rainfarn, Johanniskraut und Wiesenmargeriten ab. «Ich bin froh, den Kirschlorbeer nicht mehr so oft schneiden zu müssen», sagte Graf. Die entstandene Lichtung wolle er mit einer Trockenböschung füllen.

Nebst Pflanzen erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion von den beiden Organisatoren auch Informationen rund um die Themen invasive Neophyten und Biodiversität. «Mit dem Eintauschmarkt wollen wir einerseits die Bevölkerung über die Schäden, welche von den invasiven, gebietsfremden Pflanzen ausgehen, aufklären. Andererseits zeigen wir auf, inwiefern heimische Pflanzen sich positiv auf die hiesige Pflanzen- und Tierwelt auswirken», sagte Janick Frei.

Er wurde während des Anmeldeprozesses auch telefonisch kontaktiert und um Auskunft zu einzelnen Pflanzen gebeten. «Es zeigt, dass bei den Leuten ein Informationsbedarf besteht.» So erfuhr auch Bernhard Santschi erst durch diese Aktion, dass sein Kirschlorbeer zu den invasiven Neophyten gehört und dieser schädlich für die einheimische Biodiversität ist. «Ich finde es eine tolle Sache. Als Ersatz pflanze ich zwei Eiben, die ich für die Entsorgung meines zweistämmigen Kirschlorbeers bekommen habe», sagte er.

Einen Anreiz bieten
Auch Janick Frei und Philipp Frei zeigten sich mit der Aktion zufrieden. Hervorzuheben sei, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer freiwillig die invasiven Neophyten aus ihrem Garten entfernt haben. «Wir wollen die Urdorferinnen und Urdorfer nicht bevormunden und vorschreiben, welche Pflanzen in ihrem Garten wachsen dürfen und welche nicht.

Diese Aktion soll einen Anreiz bieten, sich stärker mit dem Thema auseinanderzusetzen und von sich aus auf einheimische Gewächse zu setzen», sagte Janick Frei. Dazu tragen sicherlich auch die vielen Projekte verschiedener Vereine bei, die momentan zur Biodiversität stattfinden und einen regelrechten Hype herbeiführten. Die Gemeinde prüft nun, ob sie auch im nächsten Jahr einen Eintauschmarkt durchführen wird.