Anlass
So werden Neuzuzüger in Bergdietikon willkommen geheissen

Die Gemeinde heisst ihre Neuzuzüger auf einem der höchsten Bauernhöfe willkommen. Und erklärt ihnen, wo es jeweils Streit gibt.

Gabriele Heigl
Merken
Drucken
Teilen
Eine Neuzuzügerin hört gespannt den Ausführungen von alt Gemeindeammann Paul Meier zu.
7 Bilder
Die Gemeinde hat einen ZVV-Bus gechartert, um den neuen Bergdietikern ihr Dorf zu zeigen.
Gemeinderat Urs Vogel (rechts) amtierte dabei als Reiseleiter. Er ist in Bergdietikon aufgewachsen und kennt jeden einzelnen Hof.
Auf dem Oberen Schönberg hielt dann der Bus: Hier liegt einer der höchsten Höfe, jener der Familie Eichenberger.
Neuzuzügertag Bergdietikon
Bereits in siebter Generation führen die Eichenbergers den Hof. Seit 40 Jahren halten sie Angus-Rinder.
Auch ein erst drei Tage altes Kälbchen zeigte sich den Neuzuzügern.

Eine Neuzuzügerin hört gespannt den Ausführungen von alt Gemeindeammann Paul Meier zu.

Gabriele Heigl

Wer mit leerem Magen gekommen war, hatte es richtig gemacht. Denn die Köstlichkeiten beim Bergdietiker Neuzuzügeranlass vom Samstag durfte man sich nicht entgehen lassen. Eine Ausflugsfahrt mit dem Bus durch die Gemeinde endete nämlich auf dem Hof der Familie Eichenberger auf dem Oberen Schönenberg. Martin und Barbara Eichenberger verwöhnten ihre neuen Mitbürger mit Leckereien aus ihrer eigenen Angusrind-Produktion, sowie mit Pilzrisotto, Salaten und Dessertvariationen.

Davor hatte es zum Empfang in der Schulaula Gipfeli, Süsses und eine grosse Auswahl an Informationen von Gemeindeammann Gerhart Isler für die 38 Neu-Bergdietiker gegeben, die der Einladung gefolgt waren. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 163 Einwohner neu zugezogen. Isler stellte auf resolute, aber lockere Art die Gemeinde vor. Langatmiges wie die Historie liess er weg («das können Sie im Internet nachlesen») und Erfreuliches wie die gesunde Finanzlage betonte er. Auch Kritisches verheimlichte er nicht. Stattdessen sagte Isler, wo es jeweils hitzige Diskussionen gibt (Fluglärm, umstrittenes Seniorenzentrum Kindhausen).
Isler verkniff sich auch den einen oder anderen Scherz nicht, etwa als er in Zusammenhang mit dem Seniorenprojekt sagte: «Die fünfte Landessprache der Schweiz ist die Einsprache.» Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Urs Vogel kennt jeden Hof

Auch der gesamte Gemeinderat und die Verwaltungsangestellten waren gekommen, um die neuen Bergdietiker kennen zu lernen. Ebenso machten die zahlreichen Vereinsvertreter Werbung in eigener Sache. So ging zum Beispiel alt Ammann Paul Meier auf die Neuzuzüger zu und informierte sie unter anderem über die baldige Metzgete der Dorfgemeinschaft.

Warum das Wasser teurer ist

Bei der Busfahrt war Vizeammann Urs Vogel als Reiseleiter in seinem Element. An jeder Weggabelung hatte er etwas zu erzählen, wies auf Gemeindegrenzen hin, machte auf versteckte Burgruinen aufmerksam und stellte die weit verstreut liegenden Höfe vor. Er er erklärte zudem, warum das Trinkwasser hier teurer ist als anderswo («lange Leitungen, wenige Bezüger»).

Am beinahe höchstgelegenen Punkt der Gemeinde, am Oberen Schönenberg, führte Martin Eichenberger über sein Anwesen, das seine Familie bereits in der siebten Generation bewirtschaftet, und erklärte die Besonderheiten seiner Angus-Rinder, einer ursprünglich aus Schottland stammenden Fleischrasse. Auch ein erst am Donnerstag geborenes Kälbchen zeigte sich den Neuzuzügern.

Da dampfte es bereits aus dem Risottotopf und die Hamburger und Würste brutzelten. In der alten Scheune waren dann alle voll des Lobes: über das Essen wie über den Neuzuzügeranlass. Wie sagte Paul Meier so schön über die Dorfgemeinschaft: «Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, die Leute zusammenzubringen, ein Forum zu bieten, wo man Freunde treffen und sich neue Freunde schaffen kann.»

Die Stadt Dietikon verschickt über 1000 Einladungen

- Aesch Die neue Gemeindebibliothek in der ältesten Dorfscheune: Das zeigen Gemeinde und Schule dieses Jahr.

- Birmensdorf Für die Zeit des Anlasses wird ein Kinderhütedienst geboten. Auch eine Bus-Rundfahrt durch die Gemeinde gehört dazu.

- Dietikon Über tausend Einladungen musste die Stadtverwaltung dieses Jahr verschicken. Ob eine Stadtführung, ein Blick hinter die Kulissen der Feuerwehr, die Stadtvergangenheit im Ortsmuseum oder ein Gespräch über die Zukunft mit dem Stadtrat: In Dietikon können die Neuzuzüger auswählen.

- Geroldswil Hier gibt es was auf die Ohren: Dieses Jahr waren die Neo-Geroldswiler zum Konzert von The Sticky Fingers eingeladen, einer Cover-Band der Rolling Stones.

- Oberengstringen Hier werden die Augen bedient: Letzten Freitag lud die Gemeinde ins Open-Air-Kino.

- Oetwil Hier wird gefeiert: Der Gemeinderat lud dieses Wochenende zu einem Apéro am Kellerfest.

- Schlieren Auftritte von Slam-Poet Kilian Ziegler und der städtischen Trachtentanzgruppe, dazu ein Drei-Gang-Menü. Das tönt nach viel Abwechslung.

- Uitikon Originell: Am «Welcome-Event» ist von jedem Geburtsjahrzehnt mindestens eine Person vertreten, die schon länger hier lebt und den neu zugezogenen Generationsgenossen Red und Antwort steht.

- Unterengstringen Unregelmässig: Hier findet der Neuzuzügeranlass meistens dann statt, wenn eine grössere Überbauung fertig geworden ist.

- Urdorf Die Gemeinde testet das Wissen der Neuzuzüger: Wer beim Fragebogen rund um Urdorf am meisten weiss, gewinnt einen Früchtekorb. Zudem treten im Embri-Saal das Collegium Musicum Urdorf und die Harmonie Urdorf auf.

- Weiningen Hier findet der Neuzuzügeranlass immer abwechselnd im Dorf oder der Fahrweid statt, stets verbunden mit einem aktuellen Thema. 2015 ging man beispielsweise das frisch sanierte Pumpwerk Schanzen anschauen. Danach wird unter anderem grilliert. (DEG)