Limmattal
So werden Dorf-Bibliotheken im Limmattal zum Besuchermagneten

Früher waren sie nur da, um Bücher auszuleihen, versuchen die Dorfbibliotheken heutzutage mit mit einer Vielzahl von Massnahmen, ihre Kunden bei der Stange zu behalten. Wie kommt das an?

Alex Rudolf
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Mit zusätzlichen Angeboten mausern sich Bibliotheken zum Treffpunkt. Hier signiert Ex-Nationaltrainer Köbi Kuhn Autogrammkarten in Urdorf.

Mit zusätzlichen Angeboten mausern sich Bibliotheken zum Treffpunkt. Hier signiert Ex-Nationaltrainer Köbi Kuhn Autogrammkarten in Urdorf.

In früheren Tagen diente die Dorfbibliothek ausschliesslich dem Zweck, Bücher auszuleihen, da sich diese nicht jedermann leisten konnte. Heute ist neben den altgedienten Büchern noch eine grosse Anzahl Neuer Medien wie E-Books, Computerspiele und DVDs hinzugekommen. Dies ist jedoch längst nicht mehr alles: In der Region werden die Dorf- und Stadtbibliotheken zusehends zum Treffpunkt für Jung und Alt. Um dieser Entwicklung nachzukommen, rüsten die Gemeinden auf, sei es mittels baulicher Massnahmen oder einer Verlängerung der Öffnungszeiten. Gar ein Verbundsausweis für alle Bibliotheken der Region ist in Planung.

Befragt man die Verantwortlichen der Limmattaler Bibliotheken zu der Entwicklung ihrer Institution, dann fällt häufig der Ausdruck «dritter Ort». An diesen halten sich die Menschen auf, wenn sie nicht gerade zu Hause (erster Ort) oder am Arbeiten (zweiter Ort) sind. Monique Roth, Leiterin der Schlieremer Bibliothek, verweist darauf, dass Bibliotheken zum Treffpunkt geworden sind, wo man lese, lerne, spiele oder etwas trinke. Weil die Angebote öfter genutzt würden, habe die Schlieremer Bibliothek ab heute, dem Unesco-Welttag des Buches, erweiterte und einheitlichere Öffnungszeiten, sagt sie weiter.

Roths Kollegin aus Unterengstringen, Karin Baeriswyl, unterstreicht, dass sich ihre Bibliothek bereits als dritter Ort etabliert habe. Nebst der Erweiterung des kleinen Cafés und der Kauf von Stühlen und Tischen für die Terrasse, habe wohl noch das Projekt «Treff-Bibliothek» dazu beigetragen. Neben Veranstaltungen beinhaltet das vor zwei Jahren gestartete Projekt eine Verlängerung der Öffnungszeiten von wöchentlich 13 auf 30,5 Stunden. Auch die Bevölkerung schätzt dies: Erst im Januar segnete die Gemeindeversammlung das Projekt «Treff-Bibliothek» definitiv ab, es wird somit weitergeführt.

In Oberengstringen sei die Entwicklung hin zum Dorftreffpunkt seit mehreren Jahren im Gang und werde auch aktiv gefördert, wie Bibliothekarin Brigitte Spiess auf Anfrage sagt. So würde neben der Durführung von Anlässen wie Lesungen, Flohmärkte und Panini-Tausch-Nachmittage auch baulich in die Erweiterung investiert. Nach den Sommerferien wird die Galerie, die bis anhin mit dem Jugendinfo-Büro geteilt wurde, neu eröffnen. Der Raum wird dann für die Arbeit mit Schulklassen, Elternabende, Ausstellungen und kleinere Bibliothekenanlässe genutzt werden können, sagt Spiess. Auch setze man auf eine enge Zusammenarbeit mit der Schule. Denn «Wer als Kind gerne in die Bibliothek geht, wird diese im Lauf seines Lebens als erfreulichen Ort in Erinnerung behalten», so Spiess.

45 Prozent mehr Ausleihen

Gar von 15 auf 50 Stunden erweiterte die Uitiker Bibliothek ihre Öffnungszeiten im Jahr 2011. Laut Leiterin Ursula Eigenmann lag diesem Schritt der Gedanke zugrunde, dass die Bibliothek zum Service public gehöre und daher ganztags geöffnet sein sollte. Mit nur geringfügig mehr Lohnkosten von knapp 40 000 Franken wurden die Besucherzahlen um 45 Prozent gesteigert. Mit Gesprächsrunden, Schreibwerkstätten und Schulklassenbesuchen sei die Bibliothek ein belebter Ort. «Jede Ecke wird genutzt, platzmässig sind wir mit unseren Aktivitäten am Limit», sagt Eigenmann.

Bald mehr Platz steht der Bibliothek in Urdorf zur Verfügung. Im Rahmen von Erweiterungs- und Sanierungsmassnahmen am Bachschulhaus wird diese um ein halbes Geschoss erweitert. Laut Karin Korn, Leiterin der Bibliothek, ist man zudem dabei die Öffnungszeiten anzupassen. Neben einer Verlängerung wolle man auch darauf achten, einprägsame Öffnungszeiten festzulegen. Korn verweist darauf, dass die Bibliothek schon heute –vor allem samstags – ein Treffpunkt sei. Mit Anlässen für Kinder und Erwachsene, wolle man dies jedoch noch verstärken.

Wichtige soziale Funktion

Vor allem Jugendliche und junge Mütter würden sich in der Dietiker Bibliothek treffen, sagt Leiterin Agnes Matt. Für die ältere Generation habe der Ort zudem eine wichtige soziale Funktion, so könne man sich dort austauschen. Nachdem die Bibliothek im vergangenen Sommer für drei Wochen zwecks sanften Renovationsarbeiten geschlossen war, sind derzeit keine weiteren Massnahmen geplant. Dass sich die Menschen in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek wohlfühlen, führt Matt darauf zurück, dass die Öffnungszeiten mit wöchentlich 33 Stunden attraktiv sind und die Räumlichkeiten auch ab und an als Ausstellungsorte für Künstler genutzt werden. Nebst einem Treffpunkt, sei es jedoch auch zentral, dass Bibliotheken auf dem Laufenden bleiben. «Ein wichtiger Schritt war der Start der «Onleihe» vor einem Jahr. Hierbei können die Nutzer Medien auch von zu Hause aus Nutzen», sagt Matt.

In Birmensdorf konnten im vergangenen Jahr ebenfalls dank verlängerten Öffnungszeiten die Ausleihzahlen um rund 10 Prozent erhöht werden. Laut Leiterin Susi Häni ist eine Erweiterung des Angebots derzeit aus finanziellen Gründen nicht geplant.

Einzig in der Weininger Bibliothek will kein richtiger Treffpunkt entstehen – obwohl sie mitten im Dorf an der Regensdorferstrasse gelegen ist. Leiterin Marianne Hauser führt dies darauf zurück, dass die Dorfbibliothek im dritten Geschoss des Schlössli beheimatet und nicht mit einem Fahrstuhl ausgestattet ist. «Die Gemeinde weiss von diesem Problem und wir hoffen, dass bald eine andere, günstige Lokalität gefunden werden kann», sagt Hauser. Dies sei jedoch noch nicht absehbar.

Damit Bibliotheken noch mehr an Beliebtheit gewinnen, lanciert die Schweizerische Konferenz der Kantonsbibliotheken heute eine Initiative. Mit der Online-Plattform bibliofreak.ch soll Bibliotheken-Image weiter aufgefrischt werden. Leser können sich registrieren und den anderen Nutzern die Vorzüge ihrer Stammbibliothek darlegen. So sollen sie wieder vermehrt ins Gespräch kommen, heisst es auf der Website.