Gebühren
So viel zahlen die anderen für ihren Müll

Warum Wohlenschwiler für 35-Liter-Säcke mehr als doppelt so viel bezahlen wie Neuenhofer

Sabina Galbiati
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Die Sackgebühren variieren zwischen Gemeinden (Symbol)

Die Sackgebühren variieren zwischen Gemeinden (Symbol)

Zur Verfügung gestellt

Hauskehricht ist nicht gleich Hauskehricht. Ein Vergleich zwischen den Gemeinden im Bezirk Baden zeigt: Mancherorts scheint der Abfall Luxus zu sein. So zahlt der Einwohner von Wohlenschwil 3 Franken für einen 35-Liter-Sack, der Neuenhofer Bürger kommt dagegen mit Fr. 1.30 davon. Der Wohlenschwiler bezahlt also 1,3-mal mehr für die gleiche Menge Abfall. Im Schnitt kostet ein 35-Liter-Sack im Bezirk Baden 2 Franken.

Die teilweise happigen Preisunterschiede für dieselbe Dienstleistung mögen auf den ersten Blick erstaunen. Immerhin haben alle Gemeinden die gleiche Ausgangslage: Die Tarife für den Hauskehricht liegen in der Kompetenz von Gemeinde- und Stadtrat und können von ihnen angepasst werden. Das Umweltschutzgesetz des Bundes und des Kantons verlangt, dass die Abfallwirtschaft verursachergerecht und kostenneutral sein soll. Letzteres will heissen, dass die Einnahmen aus den Jahres- und Sackgebühren zweckgebunden sind: Was durch Abfall eingenommen wird, muss für Abfall ausgegeben werden.

Quartierecken sind teuer

Bei den Müllsäcken fallen insbesondere die Personalkosten ins Gewicht, sagt Gemeindeschreiber Markus Jost von Wohlenschwil. «Je effizienter die wöchentliche Abfuhr organisiert ist, desto günstiger ist sie», sagt Jost. Dabei spielt es eine Rolle, ob die Kehrichtmänner die Müllsäcke in jeder Quartierecke einsammeln müssen, oder ob es zentrale Sammelstellen an den grösseren Strassen gibt. Ja selbst wie verwinkelt und lang gezogen ein Dorf ist, spielt in die Rechnung hinein, denn Zeit ist Geld und lange Wege brauchen mehr Zeit. Auch die Anzahl der Einwohner muss berücksichtigt werden: Die Entsorgungskosten steigen nicht parallel zur Einwohnerzahl. Bei grossen Gemeinden verteilen sich die Fixkosten auf mehr Köpfe – oder eben Abfallsäcke. So liegen die Sackgebühren in Baden mit Fr. 1.50 und Wettingen mit
Fr. 1.80 für 35 Liter unter dem Bezirksschnitt.

Dafür müssen die Badener mit ihren Abfallsäcken auch die Kehrichtentsorgung aus den öffentlichen Eimern mitfinanzieren. Diese machen für die Stadt rund 10 Prozent des gesamten Hauskehrichts von 5226 Tonnen (2014) aus. Wer jetzt denkt, es sei unfair, dass Badener den Abfall der Pendler aus Zürich oder Aarau zahlen müssen, dem entgegnet Werkhofleiter Thomas Stirnemann: «Das gleicht sich aus, weil auch viele Badener pendeln und dann ihren Müll in einer anderen Gemeinde wegschmeissen.»

Jost macht auf einen weiteren Punkt aufmerksam: «Mit der Sackgebühr steuert man den ‹Trennfleiss› der Einwohner», sagt Jost. Je mehr der Sack kostet, desto sorgfältiger wird Altpapier, -glas, -metall, Grünabfall und Elektroschrot vom Hauskehricht getrennt. Wohlenschwil hat verhältnismässig teure Sackgebühren. «Der Gemeinde ist es wichtig, die Umwelt zu schonen», betont Jost. Der Preis schlägt sich direkt auf das jährliche Pro-Kopf-Abfallgewicht nieder: Den kantonalen Durchschnitt von rund 180 Kilo Abfall pro Person und Jahr unterschreitet die Gemeinde mit 145 Kilo deutlich. «Im Gegenzug bieten wir eine attraktive Infrastruktur für Recyclingabfälle», so Jost. Damit spricht der Gemeindeschreiber den anderen Abfallkostenbrocken an: Die Infrastruktur und Entsorgung all dessen, was nicht im Sack landet. Dafür erheben die meisten Gemeinden eine jährliche Kehrichtgebühr. Auch hier zeigen sich massive Unterschiede: Verlangen vier Gemeinden gar keine Gebühr, so zahlt man in Killwangen pro Haushalt und Jahr 155 Franken. Wohlenschwil liegt mit 150 Franken nur knapp darunter. Doch dafür bietet die Gemeinde einiges an Service für die Einwohner. Wohlenschwiler können ihr Grüngut jederzeit gratis entsorgen; fünfmal pro Jahr gibt es eine kostenlose Ast- und Sträucherabfuhr; jährlich eine unentgeltliche Sperrgutentsorgung; und auch die Entsorgung von Sonderabfällen wie Altöl ist gratis.

Mit allfälligen Überschüssen finanzieren die Gemeinden die Erneuerung der Infrastruktur oder investieren in Abfall-Projekte. Wer keine Anschaffungen wie Container oder Mulden machen muss, gibt die Überschüsse nicht selten an die Verursacher zurück und senkt die Sackgebühren oder die Grundgebühren.

Bei Gemeinden die gar keine Grundgebühren Verlangen, kann es sein, dass die Abfallkosten nicht gedeckt werden. So wie im Fall Mägenwil. Dort müssen die Steuergelder die Kosten decken, was vom Kanton nicht gerne gesehen wird. Man wolle denn auch bei einer künftigen Überarbeitung des Abfallreglements eine Grundgebühr diskutieren. Andere Gemeinden wie Wohlenschwil investieren in die Verbesserung des kommunalen Abfallkonzeptes. Erst im vergangenen Jahr führte die Gemeinde eine Umfrage zur Verbesserung der Entsorgungssituation durch. Die Bedürfnisse der Einwohner werden derzeit umgesetzt. So soll die Grüngutsammelstelle aufgewertet und künftig betreut werden.

Verbund wäre billiger

Letztlich könnten gerade kleine Gemeinden durch einen Gemeindeverbund im Abfallwesen Geld sparen. Entsorgungsberater Daniel Zürcher von der Zürcher & Partner GmbH in Fislisbach sieht hier einiges an Potenzial: «Wenn mehrere Gemeinden die Abfallbewirtschaftung gemeinsam von einer Firma bewerkstelligen lassen, könnte der gewählte Betrieb die Entsorgung effizienter und damit günstiger organisieren.» Doch da sei die Lokalpolitik gefragt, sagt Zürcher.