Roman
«So viel leben und lieben, wie es geht»

Susanna Schwager stellte in Dietikon ihren neuen Roman « Ida» vor. Darin erzählt sie die Lebensgeschichte ihrer Grossmutter - Eine Hommage an die Lebensfreude.

Mojan Salehipour
Drucken
Teilen
Susanna Schwager liest im Dietiker Stadthaus einem interessierten Publikum aus ihrem neuen Roman «Ida» vor. moj

Susanna Schwager liest im Dietiker Stadthaus einem interessierten Publikum aus ihrem neuen Roman «Ida» vor. moj

Limmattaler Zeitung

«Ida war eine schöne Frau, sie war klug» – und begabt. Ida ist auch die Protagonistin in Susanna Schwagers gleichnamigem Roman. Dicke schwarze Locken soll sie gehabt haben und bei der Messe in der Kirche mit ihren selbst geschneiderten Kleidern hervorgestochen sein. Ida aber versuchte alle ihre «Reize aus dem Verkehr zu ziehen» und heilig zu werden. «Billig kam sie nicht davon, denn der Herr prüfte», heisst es im Buch. Man wird das Gefühl nicht los, dass sie ein anderes Leben gewählt hätte als jenes, das sie führte – wenn sie denn eine Wahl gehabt hätte.

Einfaches und gottgfälliges Leben

Aufgewachsen im erzkatholischen Hinterthurgau Anfang des letzten Jahrhunderts, fristete sie ein einfaches und gottgefälliges Leben. An einem Ort und zu einer Zeit, wo Freude Sünde und die Frau der Ursprung allen Übels war, blieb die Frage offen, wo Lebensfreude und Liebe Platz im Leben finden. Ida fand beides im Gebet, in ihrer Liebe zu Gott.

Sie wäre gerne Nonne geworden, eine Braut Christi – ob vom Gemeindepfarrer getrieben oder aus freien Stücken, das weiss keiner so genau. Doch es kam ohnehin alles ganz anders. Ida wurde eine Braut; aber nicht von Jesus, sondern von Johann. «Es war ein abgekartetes Spiel», soll sie einmal gesagt haben, jedoch ohne Groll und Zorn. Sie hatte sich gefügt, in ihre Ehe, ihr Leben und in den Glauben. Sie war eine gewissenhafte Ehefrau: «Ida machte alles perfekt, aber lachen tat sie nie.» Sechs Kinder gebar sie und zog sie eisern auf.

Tod mit lachendem Auge

Wer nun denkt, die Geschichte von Ida wäre erfüllt von erdrückender Tristesse, der irrt. Zwar beginnen sowohl das Buch als auch die Lesung im Dietiker Stadthaus mit dem Tod – dem Sterben von Johann im Alter von 98 Jahren. Doch wie so oft im Leben kommt es auf den Blickwinkel an, von dem aus man die Dinge betrachtet. Der Blickwinkel, der den Lesenden geboten wird, ist der von Susanna Schwager, und dieser ist witzig, fast heiter.

Da bekommt selbst noch der Tod ein lachendes Auge. Ausserdem ist es «eine Geschichte, ohne die es mich gar nicht geben würde», so Susanna Schwager, denn: Ida war ihre Grossmutter. Schwager erzählt, «was das Leben erfunden hat». Sie höre zu und male dann die «Formen nach, die es schon gibt».

Schwagers Wurzeln in Trilogie verewigt

Dies tut sie jedoch in einer Art, die die Figuren ihrer Geschichten direkt zu einem sprechen lässt. Besucher Manfred Felchlin, der schon die vorangehenden Werke «Fleisch und Blut» und «Die Frau des Metzgers» gelesen hat, sagte: «Sie beschreibt alles mit einer solchen Leichtigkeit, dass man das Gefühl hat, als würde man die Geschichten unmittelbar erzählt bekommen. Dabei vergisst man ganz, dass es eigentlich eine sehr gedichtete Sprache ist.»

Das neue Werk bildet mit den beiden anderen Büchern eine Trilogie. Auch sie erzählen von Schwagers Wurzeln, von einer vergangenen Zeit, die im Grunde gar nicht so weit weg ist. Ihre Geschichten stehen für sich und doch auch für eine Epoche, aber vor allem für das Leben selbst. Ihre Bücher scheinen einem den Rat zu geben, alles mit einem kleinen Augenzwinkern zu sehen. Welchen Schluss sie aus Idas Geschichte ziehen würde? «So viel leben und lieben, wie es geht.»

Aktuelle Nachrichten