Ernährung
So vegan is(s)t das Limmattal

Die pflanzliche Kost ist im Trend – auch in der Region wird sie immer öfter aufgetischt.

Von Aline Ilk
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Nadja Rohner

Statt eines saftigen Stücks Fleisch oder Spaghetti Carbonara bevorzugen immer mehr Leute ein veganes Menü aus reiner Pflanzenkost. Auch im Limmattal ist der Trend in den Kantinen zu spüren.

Im Spital Limmattal merke man, wie die Nachfrage nach veganem Essen langsam steige, sagt Martina Wagner von der Medienstelle. «In unserem Angebot achten wir darauf, dass wir alle Allergien berücksichtigen. Deshalb bieten wir das Komponentenwahlsystem an», sagt Wagner. Der Kunde könne sich ein Fleischgericht, eine vegetarische oder gar eine vegane Speise zusammenstellen.

In der Kantonsschule Limmattal in Urdorf werden jeden Tag drei fixe Tagesmenüs, darunter immer ein vegetarisches Gericht und ein Wochenhit sowie ein Salatbuffet und ein Buffet mit freier Essensauswahl angeboten. Von den vegetarischen Menüs sind laut Manuela Stockmeyer, Kommunikationsleiterin der SV Schweiz, welche die Kantine betreibt, rund 50 Prozent vegan zubereitet. «Wir achten auf eine abwechslungsreiche und frische vegetarische Küche», sagt Stockmeyer. Eine spezielle Nachfrage nach veganen Menüs gebe es an der Kantonsschule nicht. Doch die angebotenen fleischlosen und veganen Menüs würden immer öfter gegessen, so Stockmeyer. «Rund 30 Prozent der Gäste verpflegen sich mittlerweile über Mittag vegetarisch.» Seit dem Jahr 2014 werden die Küchenchefs der Kantonsschule Limmattal sogar in die vegane Küche eingeführt, wie Stockmeyer sagt.

In der Kantine im Berufsbildungszentrum in Dietikon wird laut Peter Waltensphül, Kommunikationsleiter der Gastronomiegruppe ZFV, einmal pro Woche ein veganes Menü angeboten. «80 Prozent der Schüler sind männlich, was sicherlich einen Einfluss auf die Menüwahl hat», so Waltensphül.

Noch keine veganen Stände

An Volksfesten im Limmattal ist veganes Essen noch nicht sehr verbreitet, aber nicht undenkbar. Am vergangenen Dorffest in Aesch wurden laut Martin Steiner, Präsident des Organisationskomitees, keine veganen Menüs angeboten. «Als Alternative konnten Veganer eine Portion Pommes frites kaufen», sagt Steiner. Das Thema veganes Essen sei bis anhin noch nie aufgekommen. Ausgeschlossen ist die pflanzliche Ernährung am Aescher Dorffest jedoch nicht: Steiner könnte sich vorstellen, einen Stand mit nur veganem Essen aufzustellen, wenn sich ein entsprechender Betreiber melden würde.

Die Chalä-Chilbi in Dietikon, die ebenfalls am vergangenen Wochenende stattfand, bietet seit Jahren fleischlose Älplermagronen an. Dass dieses Menü im Angebot ist, sei aber Zufall, so Pius Baggenstos, Präsident der Trychlergruppe Dietikon. «Ursprünglich war die Idee eher, dass dieses Menü, nebst dem Fleischangebot, bestens zu unserem urchigen Fest passt», so Baggenstos.

Auch in Zürich liegt vegan im Trend. Doch einigen ist das noch nicht genug: Im vergangenen Oktober hat die Denkfabrik Sentience Politics, die von der Jungen Grünen unterstützt wird, der Zürcher Stadtregierung die Veganer-Initiative eingereicht. Mehr als 3000 Stadtzürcherinnen und -zürcher haben die Volksinitiative damals unterschrieben. Nun spricht sich der Stadtrat dagegen aus, wie aus seiner Weisung hervorgeht. Als Begründung erklärt er, die Stadt unterstützte die nachhaltige und gesunde Ernährung bereits genug.

Um die pflanzliche Ernährung zu fördern, fordern die Initianten, die Stadt müsse die Kantinen und Mensen in ihrer Verantwortung, die mehr als ein Menü zur Auswahl haben, verpflichten, jeden Tag mindestens ein veganes Menü anzubieten. Weiter sollen bei öffentlichen Veranstaltungen vegane Gerichte in die Menüwahl aufgenommen werden. Und mittels einer Stiftung möchten die Initianten die Bevölkerung auf die Auswirkungen des Tierproduktekonsums auf das Klima, den Ressourcen- und Landverbrauch, die Gesundheit und das Tierwohl aufmerksam machen.

Der Stadtrat kritisiert, dass der Fokus der Initiative nur auf der Förderung veganer Ernährung liege. Aspekte wie Regionalität, Saisonalität, Transport, Bodenbewirtschaftung sowie Essensabfälle müssten ebenfalls berücksichtigt werden, findet er. Zudem sei eine Ernährung mit vollständigem Verzicht auf tierische Produkte wegen der Gefahr auf eine Nährstoffunterversorgung nicht empfehlenswert. Die Stadtregierung beantragt nun dem Gemeinderat, die Initiative abzulehnen. Danach wird das Volk darüber abstimmen.