Limmattal
So sieht es im modernen Cockpit der neuen Bus-Flotte aus

Über die Hälfte der Flotte der Limmat Bus AG wird ersetzt. Das bringt einiges mit sich – ein Besuch auf dem Betriebsgelände.

Raphael Biermayr
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Und auch das Tanken gehört zu ihren Aufgaben
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Vor dem Waschen müssen die Aussenspiegel abmontiert werden
Auch Reinigungskräfte gehören zur Belegschaft in Dietikon
Die Limmatbus AG erhält neue Fahrzeuge
Die Chauffeure fahren auch durch die Waschstrasse

Und auch das Tanken gehört zu ihren Aufgaben

Raphael Biermayr

Knöpfe, Schalter und Lichter, so weit das Auge reicht. Ein Buscockpit ist ein Grund für feuchte Hände bei Technik- und Fahrzeugliebhabern. Sirhan Sinani weiss, wozu jede einzelne Komponente von Nutzen ist, obwohl er im Regelfall nicht mehr hinter dem Steuer, sondern hinter dem Schreibtisch sitzt. Er hat sich innerhalb der Limmat Bus AG hochgearbeitet, vom Chauffeur zum Disponenten, zum Betriebsleiter. Seit zweieinhalb Jahren ist er der Verantwortliche des Unternehmens, das 2002 als Tochterfirma aus der BDWM Transport AG hervorgegangen ist, die auch die Bremgarten-Dietikon-Bahn (S17) betreibt.

Von aussen deutet nichts auf die rege Betriebsamkeit hin, die an der Limmatfeld-Strasse 2 mit dem Eintreffen der ersten Reinigungskräfte um 4 Uhr morgens beginnt und erst nach Mitternacht zum Erliegen kommt. Die in Rostrot gehaltenen Unterstände und das Betriebsgebäude im Pfadiheim-Design wirken wie ein Freilichtmuseum, das an die alten Zeiten im Dietiker Industriegebiet erinnern soll. Bis 2019 will das Unternehmen einen neuen, grosszügigen Standort in Dietikon gefunden haben.

Bis dahin wird auch die betagte rote Tankstelle noch benutzt: Man arbeitet mit dem, was man hat. Die Platzverhältnisse sind prekär, vor dem Betriebsgebäude steht unter freiem Himmel auch noch eine Waschanlage für die Busse. Die 84 Chauffeure (82 davon Vollzeit) finden hier genügend Möglichkeiten für Rangierübungen vor. Ab und zu, sagt Sinani, kommt es zu einem Blechschaden, wenn einer nicht hundertprozentig bei der Sache ist.

Der neue Stolz der Limmat Bus AG, die jährlich über 8,4 Millionen Passagiere befördert, ist indes noch unversehrt: Dieses Jahr werden 17 der 31 Busse altershalber ersetzt. Nach 14 Jahren Einsatzzeit sind die Fahrzeuge abgeschrieben, manche hätten gemäss Sinani über 1 Million Kilometer auf dem Tacho. Für die Fahrplanausbauten im Dezember werden vier zusätzliche Busse benötigt, sodass die Flotte neu 35 Fahrzeuge umfasst. Von den neuen Fahrzeugen sind sechs 18 Meter lange Gelenkbusse, elf sind 12 Meter lang und einteilig. Die Kosten von über 7 Millionen Franken übernimmt der Zürcher Verkehrsverbund. Die Limmat Bus AG handelt in seinem Auftrag.

Die Chauffeure fahren auch durch die Waschstrasse

Die Chauffeure fahren auch durch die Waschstrasse

Raphael Biermayr

39 Liter Verbrauch

Die Demonstration der Neuheiten und des Cockpits in einem der neuen Mercedes-Busse sind Chefsache (siehe Video online). Sirhan Sinani spricht unter anderem über den «Kinderwagenknopf», «Vibrationen der Fahrerplatztür», die «pneumatische Handbremse» sowie «AdBlue». Letzteres ist ein Zusatzstoff, der den Schadstoffausstoss bei Dieselfahrzeugen erheblich reduziert. Ein Bus der neuen Generation verbraucht mit seinen 299 PS immer noch rund 39 Liter Treibstoff auf 100 Kilometern. Auf dem Areal in Dietikon steht ein entsprechend grosszügiger Tank bereit: Die 70 000 Liter reichen üblicherweise für etwas mehr als vier Wochen.

Auch zum Standard gehört der sogenannte «Überfallknopf» im Cockpit. Dessen Betätigung sorgt im Ernstfall dafür, dass die Polizei alarmiert wird, die Konversation zwischen Fahrer und Täter von der VBZ-Leitstelle mitgehört werden kann und die Bilder der Überwachungskamera aufgezeichnet werden. Was hingegen fehlt im neuen Fahrzeug ist ein SwissPass-Lesegerät, das andere Verkehrsverbünde bereits haben. Gemäss Sinani bleibt das auch so. Stattdessen sind die mit dem neuen Lesegerät ausgerüsteten Billettkontrolleure seit diesem Sommer auch abends unterwegs und entlasten den Chauffeur von seiner Kontrolltätigkeit.

Nach dem Ende der Ausführungen stellt Sinani den Bus rückwärts auf den Platz, wo er für den nächsten Einsatz entgegengenommen wird. Er tut das mit der Selbstverständlichkeit des Chauffeurs, der er einmal war – und im Herzen immer geblieben ist: Seine Fahrerlaubnis für Busse erneuert er auch als Betriebsleiter wie vorgeschrieben alle fünf Jahre.