Dietikon

So schwierig ist es, die Jugend für Politik zu mobilisieren

Von links nach rechts: Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) erstellte ein politisches Wahlprofil. Léa Prêtre, Alain Gretsch und Michel Duc von der städtischen Jugendarbeit hofften derweil auf junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Von links nach rechts: Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) erstellte ein politisches Wahlprofil. Léa Prêtre, Alain Gretsch und Michel Duc von der städtischen Jugendarbeit hofften derweil auf junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Stadt Dietikon organisierte mit Jungpolitikerinnen und -politikern im Studio Dietikon einen Anlass zu den nationalen Wahlen.

Léa Prêtre und Michel Duc schauen erwartungsvoll zur Türe. Die Jugendbeauftragten der Stadt Dietikon sitzen an einem Tisch im Studio Dietikon. Neben Käseplatten und Gebäck liegen Broschüren und Blätter mit Quizfragen bereit. «Welche Themen sollten in der Politik stärker gewichtet werden?», steht auf der Stellwand hinter ihnen. «Wir sind überzeugt von der Sache, aber die jungen Leute müssen auch ihren Beitrag leisten», sagt Michel Duc. Er spricht vom Anlass, den die städtische Jugendarbeit gemeinsam mit Dietiker Jungpolitikerinnen und Jungpolitikern organisiert. Anlässlich der bevorstehenden National- und Ständeratswahlen will die Stadt junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren zum Wählen motivieren.

Bei dem regnerischen Wetter und in der Oktoberfestzeit schienen die jungen Dietikerinnen und Dietiker wohl lieber andernorts ihren Freitagabend verbringen zu wollen. «Die Partizipation ist ein Problem. Bereits beim letzten Anlass zu den Kantonsratswahlen im März sind sehr wenige junge Wählerinnen und Wähler erschienen», sagte Duc. Dies, obwohl man auf Facebook, Instagram und mit Flyern Werbung gemacht habe.

Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) fand sich unterdessen im alten Bauamt ein. Er erstellte ein politisches Wahlprofil mit der Online-Hilfe «Smart-Vote», um herauszufinden, welche Nationalratskandidierenden seiner politischen Einstellung am nächsten kommen. «Jetzt bin ich aber beruhigt. Ich bleibe mir selber treu», sagte Bachmann, als ihm das Resultat präsentiert wurde. Sein eigenes Bild blickte ihn nämlich freundlich an. «Das Ziel ist, dass wir junge Wähler dazu bewegen können, sich am politischen Prozess zu beteiligen. Doch das ist nicht so einfach. Uns geht es zu gut, die Leute sind träge», sagte Bachmann.

Um 19 Uhr erhielten die Jugendbeauftragten und der Stadtpräsident Gesellschaft von ein paar Jungpolitikern aus dem rechten und linken Lager. Jennifer Fischer (SVP) und Jill Brunner (SVP) begrüssen beide den Anlass. «Ich finde es gut, dass die Stadt so eine Veranstaltung organisiert», sagte Fischer, die selbst für den Nationalrat kandidiert. Das Problem bei den Nationalrats- und Ständeratswahlen sei, dass man die Leute vielfach nicht kenne, die einem zur Wahl stehen. «Selbst wenn man sich für Politik interessiert, hat man keine Ahnung, wer die Kandidierenden sind.»

Wenn es schon so einen Anlass in Dietikon gebe, sollte man ihn auch unterstützen, begründete Jill Brunner ihre Anwesenheit. «Man muss die jungen Wähler politisch aktivieren. Vor allem sollte man die rechten Parteien fördern, weil die Linke viel lauter ist.»
Auch der Dietiker SP-Gemeinderat Philipp Sanchez ist von der Idee der Stadt angetan. «In Dietikon ist die Stimmbeteiligung extrem tief. Es wäre schön, wenn junge Leute mehr Interesse an der Politik zeigen würden», sagte Sanchez. Doch auch er gab zu: «Es ist schwierig, sie zu mobilisieren. Wenn wir wüssten wie, wäre das Studio Dietikon heute rappelvoll.»

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Autor

Sibylle Egloff

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