Überall duftet es nach Frühling. Auch die Gärten der Familien Bollier und Ilg in Bergdietikon zeigen sich dank den anhaltenden frühsommerlichen Wetterverhältnissen von ihren besten Seiten. Nun bieten die beiden Familien am kommenden Samstag im Rahmen der Veranstaltung «Offene Gärten 2011» allen Interessierten Einlass in ihre grünen Oasen.

Ineinanderfliessende Pflanzenwelt

Elisabeth Bolliers grenzenlose Leidenschaft für jede einzelne Pflanze, alle möglichen Insekten und Tierchen ist in jedem Winkel des selbst erschaffenen Naturreservats spürbar: «Bei mir bestimmt die Natur den Lauf der Dinge: Ich passe mich ihr an, nicht umgekehrt», erklärt sie. Besonders freut Elisabeth Bollier sich über die Tatsache, dass auch ihre Nachbarn, die Familie Ilg, die gleiche Philosophie pflegen. Wie sie erzählt, schätzt sie den regen und bereichernden Austausch mit Monika Ilg sehr. Wunderschön illustrieren lässt sich dieser Umstand anhand der grenzüberschreitenden Pflanzenwelt der beiden Familien.

Für Monika Ilg genauso wie für Elisabeth Bollier gilt es, das natürliche Ökosystem bestmöglichst zu respektieren und zu verbreitern. Denkt man an die mancherorts bekannten Nachbarschaftsfehden, die sich oft aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen des Gartens entfachen, scheint bei diesen beiden Familien im Vergleich dazu weit mehr als nur das ökologische Gleichgewicht intakt zu sein.

Unkraut als Lebensraum

Besucht man den Garten von Elisabeth Bollier, erwartet einen eine beeindruckende Artenvielfalt. «Ich verfolge das Prinzip, jeder Pflanze und jedem Tier den entsprechenden natürlichen Lebensraum zu gewähren», berichtet sie und zeigt auf die verschiedenen Wildwuchsgewächse, welche zwischen den Steinpflastern hervortreten. Dank der Art und Weise, wie Elisabeth Bollier ihren Garten bereitstellt, wird sich die unscheinbare kleine Raupe, welche auf der Knoblauchsrauke, zu finden ist, bald in einen Aurorafalter wandeln können. Hätte Elisabeth Bollier, wie sie betont, den Wunsch nach einer perfekt geordneten Grünanlage, würde eine solche Pflanze sofort als Unkraut taxiert und ausgerissen werden.

Wie lange noch?

Elisabeth Bollier lässt sich, wie sie sagt, immer wieder aufs Neue von den verschiedenen Sträuchern und Tieren überraschen, die sich ihren Ort als Lebensraum ausgesucht haben. «Bei mir findet sich für jeden ein Eckchen. Klar ist so manche exotische Blume hübsch anzuschauen. Aber müssen deshalb einheimische Kräuter und Sträucher gleich gänzlich in Vergessenheit geraten?», erzählt sie mit nachdenklicher Stimme. Die Hobbygärtnerin betont ausserdem, dass sie bei der Behandlung ihres Gartens weder Dünger noch Gifte einsetze.

Auch wenn ihr die Pflege dieses grünen Paradieses nach wie vor grosse Freude beschert, schlägt Elisabeth Bollier auch nachdenkliche Töne an: «Über die Jahre sind aus den verschiedenen kleinen Sträuchern mittlerweile starke Bäume entstanden, welche ein grosses Arbeitsvolumen mit sich bringen», sagt sie. Gleichzeitig fragt sie sich, wie lange ihre Reserven, eine solch anstrengende Tätigkeit auszuüben, noch ausreichen. Andererseits bereite es ihr viel Freude, dass sie auf immer mehr Leute mit einer ähnlichen Vorstellung einer Gartenwelt stosse. Wie Elisabeth Bollier zum Schluss verrät, plant auch sie, bei dem einen oder anderen offenen Garten vorbeizugehen und mit den Hobbygärtnern Tipps und Tricks auszutauschen.