Oberengstringen

So klingt eine Liebesnacht zwischen Dampfwalze und Telefon

Pianistin Gabriela Friedli undSaxofonist Peter Landis. ZVG

Pianistin Gabriela Friedli undSaxofonist Peter Landis. ZVG

Der Jazzclub Allmend präsentierte an einem Abend gleich zwei Mal Aussergewöhnliches: Gabriela Friedli und Peter Landis sowie die Kapelle Treibsand gaben Anlass zum Staunen. Die einen mit experimenteller Kammermusik, die anderen mit einem Alphorn.

Gleich zwei Konzerte standen im Oberengstringer Jazzclub Allmend auf dem Programm. Und wenn ein Besuch in einem Jazzclub ansteht, weckt dies auch die Sehnsucht nach einer verruchten, schummrigen Kneipe. Beim Jazzclub Allmend handelt es sich allerdings um einen Verein, dessen Konzerte im Singsaal des Schulhauses stattfinden. Damit sind gewisse Klischees gleich vom Tisch. Schliesslich geht es um Musik. Seit 1988 hat der Jazzclub schon mehr als 200 verschiedene Jazzformationen präsentiert und sich damit in der hiesigen Jazzszene etabliert.

Musikalische Spannung

Den ersten Teil des Samstagabends bestritten Gabriela Friedli und Peter Landis. Friedli, die ausgewiesene Pianistin, und Landis, der facettenreiche Saxofonist, präsentierten ihr neues Konzertprogramm, das aus einer Serie von Eigenkompositionen besteht. Beheimatet im Jazz, erkundet das Duo musikalische Klangwelten bis hin an den Rand der «Neuen Musik».

So entpuppte sich das erste Konzert als äusserst experimentelle Angelegenheit. Die ausgesuchten Nummern verstörten teilweise, sorgten aber für musikalische Spannung. Peter Landis kreierte auf seinen drei Hörnern interessante Tonkunst, die Raum für Improvisationen liess.

Gabriela Friedli überraschte mit ihrer Gewandtheit am Flügel. Sie konzentrierte sich nicht nur auf die Klaviatur, sondern griff auch in das Innenleben ihres Instruments ein, zupfte und spielt an dessen Saiten. Das hatte etwas Komisches an sich, nie war «Free Jazz» anatomischer.

Darf ein Alphorn Jazz spielen?

Die Kapelle Treibsand war nach einer kurzen Pause am Start. Schon vor dem ersten Ton schaute das Publikum gebannt auf die Bühne, denn da stand doch tatsächlich ein Alphorn. Das Ur-Symbol der geliebten schweizerischen Postkartenidylle vermag immer wieder zu faszinieren. Aber darf ein Alphorn auch Jazzmusik spielen? Aber natürlich! Die Kapelle Treibsand, bestehend aus Reto Senn (Klarinette und Taragot), Herbert Kramis (Kontrabass) und Nick Gutersohn (Posaune und Alphorn), spielte sich federleicht in die Gehörgänge des Publikums und nahm sich dabei nicht allzu ernst. Professionell waren die Künstler allemal, und ein bisschen Witz kann nie schaden.

Die Musik des Trios glitt wie auf einer Sanddüne dahin und liess viele Assoziationen zu. So entlockte Reto Senn dem Taragot immer wieder orientalische Klänge, dabei erhielt er unerwarteten Support von Nick Gutersohns Alphorn. Das funktionierte, ebenso wie die vielsagenden Ankündigungen der einzelnen Lieder, von denen eines als «Liebesnacht zwischen Dampfwalze und Telefon» beschrieben wurde.

Ein anregender Jazz-Event fand nach zwei Stunden sein Ende. Bereits heute finden im Singsaal weitere Veranstaltungen statt. Der Raum ist vielseitig – er lässt sich dank toller Musik, guter Stimmung, kleinen Tischchen und hübschen Windlichtern für wenige Momente problemlos in die eingangs erwähnte Jazz-Kneipe verwandeln.

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