Limmattal
So kämpfen die Bauern um ihr Land

Dass die Kulturlandinitiative die Landwirte spaltet, zeigt sich auch in der Region Limmattal: Die Argumente des Dietiker Biobauers und grünen Gemeinderats Samuel Spahn und des Weininger Weinbauers und SVP-Kantonsrats Hanspeter Haug.

Bettina Hamilton-Irvine
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Hanspeter Haug, SVP-Kantonsrat und Weininger Gemeindepräsident.ksc

Hanspeter Haug, SVP-Kantonsrat und Weininger Gemeindepräsident.ksc

Die Kulturlandinitiative, über die das Zürcher Stimmvolk am 17. Juni abstimmt, spaltet die Bauern – auch im Limmattal. Für Samuel Spahn, Dietiker Biobauer und Gemeinderat der Grünen, ist die Initiative ein dringend nötiges Instrument, um innerhalb des Siedlungsgebiets gelegenes, qualitativ hochstehendes Ackerland – sogenannte Fruchtfolgeflächen – zu schützen. Ebenso sollen Flächen von besonderer ökologischer Bedeutung davor bewahrt werden, überbaut zu werden.

Kulturland wird überbaut

«Die Siedlungsfläche im Kanton Zürich dehnt sich laufend aus», sagt Spahn. Seit dem Richtplan von 1995 seien mehr als 5000 Hektaren Fruchtfolgeflächen verschwunden – zu mehr als 90 Prozent gehe der Verlust an Kulturland auf die Ausdehnung des Siedlungsgebietes zurück. Spahn ist überzeugt: «Damit der Selbstversorgungsgrad nicht weiter sinkt, müssen wir die verbleibenden Flächen besser schützen.»

Kulturland schützen will auch Hanspeter Haug, Weinbauer aus Weiningen, Gemeindepräsident und SVP-Kantonsrat. Doch die Initiative ist für ihn der falsche Weg dazu: Er befürchtet, dass der Siedlungsbau sich vermehrt auf übriges Kulturland in der Peripherie ausdehnen wird, wenn bloss besonders wertvolle Landwirtschaftsflächen – dazu gelten die Bodeneignungsklassen 1 bis 6 – geschützt werden.

Richtplan als «griffiges Instrument»

Der Kanton sei bestrebt, den Siedlungsbau vor allem dort zu entwickeln, wo die Verkehrsinfrastruktur bestehe, sagt Haug und verweist auf das Projekt Limmattalbahn. «Es macht daher absolut keinen Sinn, dass ausgerechnet dort keine Bauprojekte mehr möglich sein sollten.» Mit dem Richtplan habe man ein «griffiges Instrument», um sicherzustellen, dass die Entwicklung am richtigen Ort geschehe.

Auch Spahn verweist auf das Raumordnungskonzept des Regierungsrats, welches die Siedlungsentwicklung auf gut erschlossene Städte und Agglomerationen konzentrieren und in den peripheren Gebieten stoppen will. Anders als Haug ist er jedoch überzeugt, dass die Kulturlandinitiative helfe, genau dieses Konzept umzusetzen. Es sei unsinnig, den Eindruck zu vermitteln, man könne «den Fünfer und das Weggli haben, also Siedlungsentwicklung und Schutz der Fruchtfolgeflächen».

Golfplätze als «grösste Gefahr»

Für Haug spricht noch mehr gegen die Initiative: «Was mir zu schaffen macht», so der Weinbauer, «ist die Gleichstellung von Kulturland und Ökofläche.» Seiner Meinung nach müsse der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten klar Vorrang haben gegenüber der Ökologie, sagt Haug. Dies sei längst nicht immer der Fall, wie das Beispiel der renaturierten Geroldswiler Auen zeige: «Ich wehre mich vehement dagegen, dass so viel wertvolles Kulturland der Ökologie geopfert wird.» Die Initiative würde diese Entwicklung noch fördern, und Projekte wie die Renaturierung der Limmat beim Schlieremer «Erdbeerifeld» seien bereits in Vorbereitung und folgten «so sicher wie das Amen in der Kirche».

Den Vorwurf, der Naturschutz sei schuld an schwindenden Ackerflächen, will sich Spahn jedoch nicht gefallen lassen. «Die grösste Gefahr droht den Ackerböden zurzeit von den vielen Golfplatzprojekten», sagt der Biobauer. Die ökologischen Ausgleichsflächen im Ackerbau – vor allem Buntbrachen und Hecken – seien «im Bedarfsfall jederzeit wieder als Ackerland nutzbar».

Fatal sei hingegen, wenn gutes Kulturland zu Bauland werde, so Spahn. Geplant sei dies beispielsweise in Geroldswil, wo gemäss Antrag des Regierungsrats ein Grossteil des heutigen Bauerwartungsgebiets, praktisch alles Fruchtfolgeflächen, zur Bauzone werden solle.

Dass die Initiative derartige Vorhaben verhindern würde, ärgert wiederum Haug. Er weist darauf hin, dass in Weiningen noch 18 Prozent der Bauzone nicht überbaut sei. Die Initiative würde die Gemeinde nun dafür bestrafen, dass sie bisher mit dieser Reserve sehr vorsichtig umgegangen sei, so Haug. Zudem könne er sich vorstellen, dass der Siedlungsdruck sich dann auch auf die Rebhänge, die nicht Bestandteil der Bodengüteklassen 1bis 6 seien, verschieben könnte.