Only Temporary
So gut kam das Schlieremer Restaurant auf Zeit an

Über 4000 Gäste sind seit Anfang November im «Only Temporary» in der alten NZZ-Druckerei eingekehrt.

Thomas Mathis
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Obwohl es eine Herausforderung gewesen sei, Gäste nach Schlieren zu locken, war das «Only Temporary» gut besucht.zvg

Obwohl es eine Herausforderung gewesen sei, Gäste nach Schlieren zu locken, war das «Only Temporary» gut besucht.zvg

Der Name ist Programm: Nachdem «Only Temporary» erst Anfang November eröffnet wurde, begrüsst das Restaurant in der ehemaligen NZZ-Druckerei morgen schon zum letzten Mal Gäste. Die Organisatoren sind mit dem zweimonatigen Betrieb zufrieden. Mehr als 4000 Gäste sind in dieser kurzen Zeit gekommen, um das Fünfgangmenü auszuprobieren, wie Nicolai Squarra, Geschäftsführer des Cateringunternehmens «dine & shine», auf Anfrage erklärt.

Das Restaurant sei im Dezember praktisch immer ausgebucht gewesen. Viele Unternehmen und Abteilungen hätten die Gelegenheit genutzt und das «Only Temporary» als Ort für ihr Weihnachtsessen ausgesucht. Erstaunlicherweise habe es aber auch viele einzelne Gäste gegeben, die den Weg zu ihnen gefunden haben. Es sei eine Herausforderung gewesen, die Gäste nach Schlieren zu locken. Doch die Historie des Gebäudes habe sicher eine Rolle dabei gespielt, dass so viele gekommen sind. «Und wir sind bereits wieder auf der Suche nach einem neuen Standort näher an der Stadt Zürich», fügt der in Uitikon wohnhafte Squarra an.

Restaurant «Only Temporary» in NZZ-Druckerei
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...zuvor wurden sie mit einem Nostalgiezug direkt vom Zürcher HB nach Schlieren befördert
In der ehemaligen NZZ-Druckerei warteten viele Leckerbissen
Alle wurden von Sterneköchen zubereitet, wie es von den Veranstaltern heisst
Bis ins letzte Detail hatte alles zu stimmen
Das Fleisch wartet auf seinen Verzehr
Es wurde aber noch mehr geboten - zum Beispiel ein Tattoo-studio
Auch für die Unterhaltung war gesorgt - Midi Gottedt
Ein logistisches Meisterwerk - ist das Essen heiss, muss es schnellstmöglich serviert werden
Gar eine Fotostation erwartete die Besucher

Restaurant «Only Temporary» in NZZ-Druckerei

ZVG

Welle von Kommentaren

Im Internet sind viele positive Reaktionen anzutreffen. Eine negative Kritik im «Züritipp» etwa löste eine Welle von Kommentaren aus. Die Gäste betonen, dass der Abend sehr gelungen und das Essen köstlich war. «Wir sind mit unserer Abteilung am vergangenen Freitag im ‹Temporary› gewesen und waren restlos begeistert vom Gesamtkonzept dieses Pop-ups», schreibt dort zum Beispiel Thomas Birrer. Auch Geschäftsführer Squarra erhielt vorwiegend positive Rückmeldungen: «Die Gäste waren verblüfft darüber, was wir aus der Halle herausgeholt haben.»

Die Limmattaler Zeitung wollte es wissen und hat auf der Strasse nachgefragt: Was halten Sie von der Pop-up Bewegung?

Laura Vera Fausch (22), Dietikon «Temporäre Läden finde ich nicht gut. Die Angestellten müssen immer wieder neue Stellen suchen. Zudem verursacht der Aufbau hohe Kosten.»
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Philipp Neukom (43), Bergdietikon «In einem temporären Restaurant bin ich noch nie gewesen. Ich kann mir aber gut vorstellen, eines zu besuchen. Mich interessiert insbesondere der organisatorische Aspekt.»
Roni Aebli (37), Zürich «Ich kenne keine temporären Läden. Vielmehr bin ich froh, wenn der Laden noch dort ist, wenn ich ihn aufsuche.»
Sandra Jost (35), Dietikon «Bisher habe ich noch keine temporären Restaurants besucht. Die Idee finde ich aber sehr interessant. Aus Neugier würde ich gerne einmal hingehen.»

Laura Vera Fausch (22), Dietikon «Temporäre Läden finde ich nicht gut. Die Angestellten müssen immer wieder neue Stellen suchen. Zudem verursacht der Aufbau hohe Kosten.»

Thomas Mathis

Das temporäre Restaurant in Schlieren steht im Kontext eines neuen Trends, der sogenannten Pop-up-Bewegung. Darunter werden alle Formen von Einrichtungen verstanden, die nur für eine bestimmte Zeit aufgebaut werden. In vielen Fällen handelt es sich um Zwischennutzungen von Gebäuden. Im Raum Zürich gibt es zahlreiche Läden und Restaurants, die leerstehende Lokale für eine kurze Zeit beleben und mit neuen Konzepten experimentieren. Die Kurzlebigkeit soll potenzielle Besucher neugierig machen und zu einem Besuch bewegen.

Ob das «Only Temporary» am Beginn einer Restaurant-Tradition auf dem NZZ-Areal steht, ist noch offen. Die Halle wird im kommenden Jahr als Eventlokal genutzt. Nach dieser Übergangszeit sei es durchaus denkbar, dass sich wieder ein Gastro-Betrieb ansiedelt, sagt Mladen Tomic, Sprecher der Eigentümerin Swiss Prime Site. Mit dem geplanten Einzug des Grossunternehmens Zühlke werde es sicherlich Bedarf nach Verpflegungsmöglichkeiten geben. Über die Zukunft des Areals wird die Eigentümerin im kommenden Frühjahr informieren.