Die aktuelle Hitzewelle hat den Bergdietiker Gemeinderat dazu veranlasst, die Gemeindeversammlung von der Aula des Mehrzweckgebäudes auf den Sportplatz zu verlegen. Diese Open-Air-Gemeindeversammlung, ganz ohne Zelt oder dergleichen, war eine Premiere. Von nebenan bimmelten die Kuhglocken. «Die Idee entstand relativ kurzfristig», erklärte Gemeindeammann Ralf Dörig (FDP) eingangs der Versammlung. Aber alles stand bereit, wie es sich gehörte: Bänkli, Sonnenschirme, Mineralwasser und ein rotweisses Band, das Stimmberechtigte und Nicht-Stimmberechtigte trennte.

Zwecks Abkühlung wurden Glaces bereitgestellt. Ausserdem liess sich die 36-seitige Weisung bestens als Fächer nutzen. Der einzige Nachteil der Freiluft-Gemeindeversammlung war, dass der Gemeinderat keine Leinwand hatte, um zum Beispiel Fotos der in die Jahre gekommenen Egelseestrasse zu zeigen. Diese weist zahlreiche Belagsschäden auf und soll darum saniert werden.

Neben einem neuen Belag sind eine neue Trinkwasserleitung und eine neue Abwasserleitung geplant. Zudem sollen die Strassenlampen durch LED-Leuchten ersetzt werden. Weiter nimmt das Aargauische Elektrizitätswerk (AEW Energie AG) Anpassungen an seinem Netz vor. Auch die Telekommunikationsfirmen könnten noch dazustossen.

Egelseestrasse wird saniert

Für das Projekt Egelseestrasse genehmigte die Gemeindeversammlung drei Kredite: 507 000 Franken fürs Trinkwasser, 342 500 Franken für die Kanalisation und 228 000 Franken für die Belagssanierung.

Weitere 260 000 Franken genehmigte die Gemeindeversammlung, um die Kapazität der Abwasserleitung Mädisguet zu erweitern. Denn wie verschiedene Grundeigentümer an der Altbergstrasse der Gemeinde gemeldet hatten, drückt das Abwasser bei starkem Regen von der Hauptleitung durch die privaten Anschlussleitungen in die Keller mancher Liegenschaften. Und im Gebiet Mädisguet trat das Abwasser regelmässig aus den Abwasserschächten aus.

Ebenfalls ein Ja resultierte zur Kreditabrechnung für die Sanierung der Quellwasserfassung Risi. Der Kredit von 127 000 Franken wurde um etwas mehr als 8000 Franken unterschritten.

Auch für die Jahresrechnung, die mit einem Plus von 2,4 Millionen Franken abgeschlossen hatte (die Limmattaler Zeitung berichtete), gab es ein Ja, genauso wie für das Protokoll der letzten Versammlung und den Rechenschaftsbericht 2018.

Aus Letzterem pickte Dörig einige Zahlen heraus. So hatten die 67 Feuerwehrleute letztes Jahr total 10 Ernsteinsätze, es gab zwei Verhaftungen auf Bergdietiker Gemeindegebiet und die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal leistete durchschnittlich 10 Personenstunden pro Tag im Dorf. Zurzeit kontrolliert sie vermehrt auch am Egelsee (die Limmattaler Zeitung berichtete). Der Gemeinderat hatte letztes Jahr 31 Sitzungen.

Zudem beschloss die Gemeindeversammlung, einen Deutschen mit Jahrgang 1975 sowie zwei Italienerinnen mit Jahrgang 2006 einzubürgern. Gemeinderat Paul Monn (parteilos) stellte die drei vor und lobte sie – vor allem auch das Wissen der beiden 13-Jährigen. Sie kennen beispielsweise alle Bergdietiker Gemeinderäte mit Namen und Gesicht. «Chapeau», meinte Monn. Und weil die beiden beim Einbürgerungsgespräch ungefragt auch noch die Sage vom Egelsee erzählten, gab es von Monn auch noch ein «Bravo» dazu. Die drei Eingebürgerten erhielten traditionsgemäss ein Schweizer Sackmesser.

«Das war eine sehr exklusive Versammlung», bilanzierte Dörig. Nicht nur stimmte man erstmals unter freiem Himmel ab und die Versammlung dauerte nur 75 Minuten. Mit nur 48 Stimmberechtigten könnte die Versammlung auch als Minusrekord in die Geschichte Bergdietikons eingehen. Nicht mehr zum Kreis der Stimmberechtigten gehört Gemeindeschreiber Patrick Geissmann. Er zog kürzlich aus der Gemeinde weg, wie Gemeindeammann Dörig sagte.

«Die Versammlung im November hat dann mehr Fleisch am Knochen», sagte Dörig zum Schluss, ehe der Apéro mit Würsten vom Grill startete.